Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1872)
- Date
- 1872-04-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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336 den Juden das Christenthum zu predigen. Auch die Aerzte sahen mit neidischem Ingrimm auf die Beliebtheit jüdischer Fachgenossen und suchten nicht bloß diese, sondern die Juden überhaupt zu verdächtigen und gegen sie zu Hetzen» Angriffe solcher Art wurden von dem — oben genannten — Dr. Bendito de Castro in einer geharnischen Gegenschrift: Flageilum Calumnantium sive Apologia (Geißel für Verläumder, oder Schutzschrift) abgefertigt. Dieselbe trug das Gepräge eines starken Rechtsbewußtseins und brachte mindestens den Brodneid zum Schweigen. Desto üppiger wucherte jedoch die Saat der Unduldsamkeit und des Fanatismus in der durch die Geistlichkeit aufgeregten Bevölkerung; es erfolgten tumultuarische Auftritte vor den Versammlungsörtern der Juden, und diese sahen sich wiederholt genöthigt, den Senat um Schutz und Schirm zu ersuchen. Der Senat befolgte in allen diesen Wirren, wie ftühcr, die Politik des Abwartens. Er suchte durch Verhandlungen die Sache in die Länge zu ziehen, wies auch wohl von Zeit zu Zeit allzu unsinnige Zumuthungen in ironischer Weise zurück. So erwiderte er auf das Verlangen einen „christlichen Rabbiner" zu Bekehrungszwecken anzuftellen, daß man keinen christlichen Geistlichen kenne, der hinreichend Hebräisch und Portugiesisch verstehe und in der rabbinischen Theologie genugsam bewandert sei, um mit den Portugiesischen Juden zu disputiren; zudem frage es sich, ob man letztere, falls alle Vckehrungsversuche mißlängen, wirklich sortjagen und so diese Stadt in großen Schaden bringen wolle, da nach dem Abzüge der Portugiesen viele Häuser leer stehen, viele Schiffe andere Häfen aufsuchen und Schiffe, Bootsleute und Handwerker dabei verlieren würden. Das Ministerium ließ sich jedoch durch solche Vorstellungen nicht irre machen und ließ durch den genannten Senior Müller dem Senat u. A. Folgendes erwidern: Wenn die Portugiesen sich durchaus nicht bekehren wollten, „so wäre die Stadt, indem sie ordentliche Mittel gebraucht, entschuldigt vor Gott." So lange man aber dieser Juden Geld, Wein, Zucker und andere Dinge suche, sei man nicht entschuldigt; der Juden Abzug werde ohne schädliche Folgen für die Stadt vorübergehen; wenn sie fortzögen, so werde doch „Gott nicht wegziehcn, sondern bei uns bleiben; der habe die Stadt gesegnet, ehe Juden darin gewesen, also werde er sie noch segnen, wenngleich die Juden werden wegziehen." (Fortsetzung folgt.) ANZEIGEN. Direete Postdampfschiffahrt zwischen Bremen und New York via Liverpool. Es werden die unter englischer Flagge fahrenden, auf's Bequemste für die Passagierfahrt eingerichteten, 2500 Tons großen und 700 Pferdekraft starken, eisernen Postdampfschiffe der I n m a n - L i n i e: City of Antwerp, Capt. Eynon am 25. April und City of Montreal, Capt. Kennedy am 27. Mai durch mich von Bremen nach 9kew-Nork expedirt. Die Passagcpreise betragen einschließlich vollständiger Beköstigung: in I. Cajüte Court. Thlr. 130 j für eine erwachsene Person; für Kinder von 1 bis 12 Jahren im Zwischendeck Court. Thlr. 50 s die Hälfte, Säuglinge Crt. Thlr. 3. Die Annahme von Passagieren geschieht nur durch mich selbst, sowie durch meine Vertreter im Jnlande, da die fämmtlichen, übrigen, hiesigen Auswanderer - Expedienten contractlich gebunden sind, nur für den Nordd. Lloyd Passagiere anzunehmen. Alle nähere Auskunft ertheilt auf frankirte Anfragen unentgeldlich E. Kohn, obrigkeitlich concessionirter Schiffs- und Pasfagier- Erpedient in Bremen. N«. Tüchtige Agenten wünsche gegen gute Provision anzuftellen und wollen dazu geeignete Persönlichkeiten unter Angabe ihres Standes sich brieflich an mich wenden. Der Qbige.