Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1872)
- Date
- 1872-03-27
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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XUL Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 13 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Fürth, den 11. März. Mein io langes Stillschweigen, das seinen Grund in dem Mangel an Stofs zu Berichten hatte, kann ich zwar heute brechen; doch ist die Angelegenheit für hiesigen Ort nicht von so großer Bedeutung, als daß ich es der Mühe werth erachtet hätte, darüber besonders zu referiren. Nur die Borgänge in unserer Schwestergemeinde Nürnberg veranlassen mich, auch von hier das Betreffende mitzutheilen. Einem ziemlich verbreiteten Gerücht zufolge soll nämlich auch hier in der Haupt-Synagoge die' Orgel eingeführt und wie es weiter heißt, bei der nächsten Eonsirmativn am Schabuoth zum ersten Mal das Publikum damit überrascht werden. Warum ich aber diese Sache als für hiesigen Platz von geringer Bedeutung bezeichnet habe, hat seinen Grund darin, daß man bereits viel Schlimmeres hat ruhig über sich ergehen lassen. Worin dieses besteht, habe ich bereits in ineinen früheren Correspondenzen sattsam dargelegt, so daß es wohl unnütz ist, nochmals darauf zurückzukvlnmen. Wir zahlen aber unsere Steuern nach wie vor ohne gehöriges Aequivalent ruhig weiter und sind noch ferner indirect 'i» puno m’ay naiy. In Nürnberg ist augenblicklich eine große Rührigkeit bei den Israeliten zu bemerken. Nicht daß man sich bemüht, für die junge Gemeinde, die erst nach 1848 entstanden und in den letzten Jahren zu einer bedeutenden herangewachsen ist, die nöthigen jüdischen Institutionen zu schaffen, o nein, es handelt sich um die Wahl eines soi-ckiöunt-Rabbiners. Biele Experimente siiid schon gemacht worden; fast mochte ich sagen, kein Mittel ist unversucht geblieben, um eine möglichst qualificirte Person ausfindig zu machen. Aber bis heute hat noch kein Mittel den rechten Erfolg gehabt, obwohl der gesuchte Gegenstand sich häufig genug einfand, da die Zahl der Bewerber eine unendliche war und die der Hoffenden noch sehr groß ist. _ Daß ein Mann dorthin kommen könnte, der den daselbst fast entschlafener: jüdisch-religiösen Geist beleben würde, der mit Leib und Seele für die Heilighaltung der jüdischen Gebote wirke, ist allem Anscheine nach durchaus nicht zu erwarten, da die Zahl der wirklich Frommen in Nürnberg gar zu gering ist. Hingegen ist eine ansehnliche Menge solcher Personen da, die zwar mit dem taktischen Judenthum ganz oder theilweise gebrochen haben, aber dach einen Rabbiner wünschen, der mehr sei I als sie, der wenigstens nicht die Göttlichkeit der Thora leugne. Wieder andere sind da (und das ist der bei weitem größte Theil der Gemeinde), die einen Mann zum Rabbiner wünschen, der gleicher Ansicht mit ihnen sei, der mit ihnen denke und fühle: esse und trinke. Letztere Klasse nun hat eine geeignete Persönlichkeit gefunden und sucht die Gemeinde womöglich für dieselbe zu gewinnen. Hr. Dr. Leopold Stein, Exrabbiner von Frankfurt, ist der Auserkorene. Wohl Dir, Nürnberg, daß Du einen Mann entdeckt, der mit Dir harmonirt, der wie man sagt versprochen hat, den Nürnberger Anforderungen hinsichtlich der Religiosität Genüge zu leisten! Mein Liebchen, was willst Du noch mehr*? Schon soll die Aufnahme desselben vom Vorstand und Ausschuß designirt gewesen sein, da erhob sich eine Anzahl verwahrend dagegen, und man warf sein Auge aui Herrn Dr. Landsberger, Rabbiner zu Darmstadt. Unerwartet nahm eine Deputation an einem Samstag- Morgen in der Darmstädter Synagoge Stellung und kam unbesiegt sofort wicdex nach Nürnberg zurück. Wie die Sache sich entwickeln wird, "läßt sich noch nicht bestimmen, da ein beträchtlicher Theil fürerst von der Anstellung eines Rabbiners absehen will, bis die ' neue Synagoge, deren Vollendung und innere Einrichtung noch beinahe zwei Jahre beanspruchen wird, vollkommen fertig dasteht; ich hoffe über den Verlauf Ihnen demnächst berichten zu können. 'Ivipk. O e st e r r. - U n g a r i i ch e Monarchie. PreHburq, 8. März. Der stets in unserer Gemeinde waltende Friede, welcher mit Recht die Zierde Preßburgs war, ist in jüngster Zeit von ruchloser Hand gestört worden. Einige Neologen, welche sich und ihre reformistischen Intentionen zur Geltung bringen wollen, suchten schon lange den Samen der Zwietracht in die Gemeinde zu streuen; ihre Bemühungen scheiterten aber an dem religiösen und friedlichen Sinn der Gemeinde- Mitglieder. Sie gaben sich zwar den Anschein, als ob sic nur in administrativer Hinsicht Reformen wünschten, man erkannte aber bald den Pferdefuß der religiösen Reformen, welcher sich nicht gut verdecken läßt. Da sie bei dem Gros der Gemeinde nichts erlangen konnten, verschafften sie sich einen Anhang unter ihren Gesinnungsgenossen und constituirten sich als eigene „Reli- *) Anm. der Red.: Wird Herr Stein, wenn er wiederum Rabbiner geworden sein wird, sich wieder einschließen, wenn er Gottes Gebot Übertritt, wie es in Frankfurt gethan zu ha ben, er selbst in einem gedruckten Buche erzählt?