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Der Israelit · 1872-03-20 · Heft 12 (20.3.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 12 (20.3.1872)
Date
1872-03-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Rr. 12 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e st e r r . - U n g a r. Monarchie. Prag. Die alle Klaussynagoge in Prag wurde vorgestern auf freche Weise beraubt. Der Gottesdienst in diesem israelitischen Tempel wurde erst um halb 12 Uhr Vormittags beendet und das Gotteshaus hierauf geschlossen. Um halb 2 Uhr Nachmittags begab sich der Küster, Herr Moritz Osers, mit einer Dienerin in die Vorhalle, um die Beheizung der Wintersynagoge zu bewerkstelligen. In der Vorhalle befindet sich ein Holzgewölbe, aus welchem die Dienerin das zum Heizen nöthige Holz holen sollte. Als diese die Thüre des Gewölbes öffnen wollte, wurde diese plötzlich aufgestoßen, ein darin versteckt gewesener Mann sprang heraus, versetzte dem Weibe einen Stoß , so daß dieses zu Boden stürzte, und ergriff durch die offene Pforte die Flucht. Der Küster, eben in einer andern Abtheilung beschäftigt, eilte auf den Hilferuf der Dienerin herbei und verfolgte mit Geschrei den Unbekannten, welcher indeß bereits von dem ehemaligen Sicherheitswachmanne und gegenwärtigen Todtengräber Herrn Josef Robitscheck in der Zigeunergasse angehalten und trotz seines Sträubens festgenommen worden war. Der Räuber hatte vier silberne Stangenaufsätze aus den Gesetzesrollen, zwei silberne Stäbe, welche am Ende ww eine Hand geformt sind und beim Lesen des Gesetzes zum Zeichen dienen, ferner wei silberne Vorhängschilder von der Thora-Rolle unter einem Rocke verborgen. Diese Tempelgeräthe, im beiläufigen Werthc von 300 fl., hatte der Räuber aus dem Tabernakel gestohlen. R u in ä n i e n. Bukarest. Die Judenhetze in Ismail hat einigen Deputirten Anlaß geboten, das Ministerium in der rumänischen Kanrmer zu interpelliren. Der eine dieser Deputirten war — wie einem ungarischen Blatte aus Bukarest geschrieben wird — der berüchtigte Cäsar Bolliac, welcher von der Regierung verlangte, sie solle ein in Jassy in hebräischer Sprache erscheinendes Journal, welches die Rumänien beschimpfe, unterdrücken. Der Ministerpräsident antwortete, er wisse nichts von dem in Frage stehenden Blatte. Nach der Verfassung sei es den Fremden nicht verboten, Zeitungen zu gründen; wolle die Kammer ein solches Vorbot haben, so stände es ihr frei, ein diesbezügliches Gesetz zu machen, bis dahin könne die Regierung nicht einschreiten. Die Kammer mit dieser Erklärung zufriedengestellt, ging' zur Tagesordnung über. Der Deputirte Varnali entwickelte eine Interpellation betreffend die Inden-Exzesse in Ismail, verlas eine von 200 Personen Unterzeichnete Depesche aus Ismail, welche die Ausweisung aller Juden fordert und fragt, was die Regierung zur Herstellung der verletzten Rechte der Rumänen gethan habe. Der Justizminister Costaforu antwortete: In Ismail seien zwei gleich verdammenswerthe Ereignisse vorgekommen; erstens ein Kirchenraub durch einzelne Juden *) und zweitens Plünderung und Mißhandlung der Juden durch die dortige Bevölkerung. Der Minister glaubt, daß irgend eine verborgene Hand die Dinge dort so weit getrieben habe. Er habe den Generalprokurator nach Ismail entsendet, dessen Rapport er der Kammer vorlegen werde. Bis dahin könne er nur soviel sagen, daß vier Juden und dreißig Gricchische-Orthodoxe als Schuldtragende verhaftet seien. Zur besseren Wahrung der Unparteilichkeit werde die Untersuchung von einem anderen Gerichtshöfe als dem von Ismail geführt werden. Mehrere Deputirte drückten ihr Mißfallen aus, daß so viele Rumänen und so wenig Juden eingesperrt sind; jedoch ging die Kammer zur Tagesordnung über. Türkei. Adrianopel. Die Alliance Jsr. Univ. veröffentlicht durch die Rev. Jsr. den ihr erstatteten Bericht des Directors ihrer Schule in Adrianopel, Felix Bloch, über einen Vorfall daselbst. Die Correspondenz des genannten Herrn mit dem engl. Consul Blunt und dem französischen Viceconsul Ronzevalle ist vollständig beigefügt. Der auch von der „A. A. Z." berichtete Vorfall betrifft eine der hier hundertfach alljährlich in den östlichen Ländern, besonders unter den Griechen um diese Zeit auftauchenden Aliloth-Dam (Oster-Blutgeschichten), welche Gott fei Dank jetzt in der Regel ungefährlich verlaufen, da die Regierungen, auch die türkische, von der Unsinnigkeit der alten Mährchen überzeugt sind und den fanatifirten, exceß- und beutegierigen Pöbel im Zaume halten. Am 11. Dezember kam ein etwa 35jähriger Armenier, Namens Artinne, Abends in das Haus eines Israeliten, Moschi Cousß'um sechs Piaster für seine Mutter, welche für Cousi Seide gesponnen hatte, zu holen. Er empfing das Geld, ging nach einem Aufenthalt von etwa 5 Minuten, wie eine armenische Frau bezeugt, wieder fort, und — blieb seitdem verschwunden. Alsbald hieß es, die Juden haben ihn getödtet, und Coun wurde eingezogen, vor Gericht gestellt *) Anmerkung bet Rebaction. Wie kann man bk Juden für bk Schanbthat eines getauften Juben also eines Christen, verantwortlich machen?

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