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Der Israelit · 1872-03-13 · Heft 11 (13.3.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 11 (13.3.1872)
Date
1872-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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242 Befehle Mordechai's vollzieht Esther ebenso, wie damals als sie noch in seiner Pflege war". Da Mt auf einmal das Haman'sche Decret wie ein erplod'rendes Geschoß in das friedliche Treiben der jüdischen Bewohner der Residenz und der Provinz. Das ist ein Schlag, den sie nicht geahnt und den sie nicht abwehrcn können. Wehklagen und Jammer tritt an die Stelle der Fröhlichkeit und Lust. Soeben speisten sie noch an der königlichen Tafel und glaubten sich sicher im Besitze der königlichen Gunst, und jetzt, jetzt müssen sie einsehen, daß keine Gesetzesübertretung, kein Niederreißen der „confessionellen Schranken" sie schützen kann vor dem Hasse und der Verfolgung der Andersgläubigen. Es wirdihnen klar, daß nur in treuer Befolgung der göttlichen Vorschriften das Heil erblühen kann, daß es aber nicht geschaffen wird durch Aufgcbung und Verleugnung des Gesetzes. Jetzt hüllen sich Viele in „Sack und Asche ', und suchen Gnade zu erflehen von Dem, der gnädig und barmherzig ist. Auch Mordechai gehört zu dieser Zahl, „er geht durch die Stadt und erhebt ein lautes und wehmüthiges Geschrei". Die Königin erfährt durch einen Diener den Vorgang, und zugleich ersucht Mordechai sie, von dem Könige Gnade für die Juden zu erbitten. Sie weigert sich zuerst, da sie doch nur den sicheren Tod vor Augen sieht, wenn sie sich dem Könige ungerufen nahe; doch auf eine zweite Vorstellung Mordechai's hin beschließt sic, ihr Leben für das Befreiungswerk einzusetzen, und von diesem heroischen Entschlüsse beseelt, läßt sie dem Mordechai sagen: „Gehe, versammele alle Juden in Schuschan, und fastet um mich, weder esset noch trinket, drei Tage, Nacht und Tag, auch ich und meine Dienerinnen werden so lange fasten, und dann werde ich kommen zum Könige, was nicht nach dem Gesetze ist; und ich bin so oder so verloren." Sie erreicht bei dem Könige ihren Zweck. Haman, der sich auf dem Gipfel seiner Macht träumt, als er zu einem Diner mit dem königlichen Paare eingeladen wird, und nur noch eine kleine Rache auszuüben hat, da ihm die Zeit bis zum 13. Adar wohl zu lange dauerte, muß schon vorher sein vermeintliches Opfer, das jetzt hoch zu Rosse sitzt und im königlichen Gallakleide paradirt, durch die Stadt geleiten, wobei ihm denn gar nicht wohl zu Muthe ist, und ihm denn auch von seiner Frau und seinen Freunden, denen er die Geschichte erzählt, gar kein günstiges Prognostikon gestellt wird. „Wenn dieser Mordechai, vor dem Du zu fallen angefangen, von dem Stamme der Juden ist, so wirst Du nichts gegen ihn vermögen, sondern fallen und fallen wirft Du vor ihm." Und sie hatten Recht. Die Rache ereilte ihn und seine Gesinnungsgenossen,' die Sache der Gerechtigkeit siegte. Die Juden erhoben sich gegen ihre Dränger und erschlugen sie, doch — und das' ist ein charakteristischer Zug — „nach der Beule streckten sie ihre Hände nicht aus". Sie, die in Mizraim während der drei Tage der Finsterniß Nichts von der Habe ihrer vierhundertjährigen Peinig« angerührt, in denen der bloße Gedanke an Rache nicht einmal aufkam, sie wollten sich auch hier nicht mit -er Habe ihrer Feinde bereichern, nur gerechten Widerstand, einen Akt der Nothweyr übten sie. Und als das blutige Werk geschehen war, da ruhten sie und machten diesen Tag zu einem Tag des Gastmahls und der Freude. „Und Morbechai schrieb diese Begebenheiten aus, und schickte Briefe an alle Juden, in allen Provinzen des Königs Achaschwerosch, die nahen und fernen: daß sie für sich be stätigcn. zu feiern den 14. Tag des Monats Adar und den 15. Tag desselben. Jahr für Jahr. Gleich den Tagen, an denen die Juden sich Ruhe geschafft vor ihren Feinden. und dem Monat, der sich ihnen verwandelt aus Kummer in Freude, und aus Trauer in Festtag — sie zu feiern als Tage des Mahls uud der Freude, und Gaben zu schicken Einer dem Andern und Geschenke an die Dürftigen. Und die Juden nahmen auf sich, was sie begonnen hatten zu tbun, und was Mordechai an sie geschrieben." So war der Lenker der Geschicke wieder einmal prüfend hinwcggeschritten über die Häupter Israels; wohl manches, manches Haupt war dem Verderben verfallen, allein Er, der aus der Wolke dem Moscheh zugerufen hat: „Adonai, Adonai ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmüthig, und von unendlicher Liebe und Wahrheit." Er hat auch durch den Mund seines Propheten verkünden lassen: „Sprich zu ihnen, so wahr ich lebe, spricht Gott, daß ich kein Wohlgefallen habe an dem Tode des Frevlers, vielmehr daran, daß er znrückkchre von seinem Wege und lebe. Kehret zurück, kehret zurück von Euren schlechten Pfaden, warum wollt Ihr sterben, Haus Israel?" E. W. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 11. März. Wir haben heute 1646 ft. 22 kr. für die Armen, Wittwen, Waisen k. im heiligen Lande an das Centralcomitv zu Amsterdam geschickt. Es ist das die erste diesbezügliche Sendung in diesem Jahre, die im Vergleiche ,511 den vergangenen Jahren nur gering ausgefallen ist. Es ist unverkennbar, daß die Sammlungen für die Nothleidenden in Persien denen für die Armen des heiligen Landes Eintrag thun, und doch sind diese einzig auf die Unterstützungen von auswärts angewiesen. Wir wollen hiermit unsere wohlthätigcn Brüder dringend gebeten haben, auch der Armen im heiligen Lande nicht zu vergcffen.

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