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Der Israelit · 1872-03-06 · Heft 10 (6.3.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 10 (6.3.1872)
Date
1872-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ui9 Süß trat m\ „„Höre einmal, Süsz"'" sagte Carl Alexander, „„wessen der Prälat La Dick beschuldigt. Vertheidiae Dich!"" „Herr Oberhofprediger", sagte Süß. „welche Jahreszahl zahlen wir wohl heutet" ,, CintausendsiedenhunLert rnid drei und dreißig, antwortete Tafinger. „Und nun schauet mich einmal genau an, Herr Oberhofprediger, ob ich wohl bereits siebenzehn Jahrhunderte durchlebt habe — denn sonst kann ich doch unmöglich dabei gewesen sein, als Dasjenige stattfand, dessen Ihr mick beschuldigt! „„Brav, Süß. brav!"" rief der Herzog lachend. „ „ Beruhige Cr sick, Prälat, ick gebe Ihm mein fürstliches Ehrenwort. Süß hat nicht mitgeholfen. Er ist jünger als ich, und wäre ich damals schon auf der Welt gewesen, ich hätte es nicht gelitten, ich wäre mit einem Regimente nach Jerusalem geeilt! Und Er. Herr Landschaftsconsulent, bringe Er meinen getreuen Stauden meinen landesväterlichen Gruß: ich werde ihnen ein gnädiger Herr sein, io lange sie treu, und gehorsam sind." " „Gnädigster Herr!" rief Laubeck, „ick wollte unterthänigst zu bemerken mir gestatten ." „„Stein Wort mehr! Ihr seid entlassen."" Seufzend entfernten sich die Herren. Die Nachricht von dem Geschehenen durchflog Stadt und Land, und der Jubel über die Verhaftung des Grafen Grävenitz wollte nicht auftommen ob der Stunde, daß nunmehr ein Jude Württemberg beherrschen solle. Ae au muh sich in die Zeit zurückdenken. in welcher diese Ereignisse vorgingen, nur begreifen zu tonnen, welch ungeheure Aufregung jene Nachricht in allen Schichten des Volkes hervorbrachte. Damals waren dw Juden noch durchaus rechtlos, gemieden, gehaßt und verachtet. In den meisten Städten Württembergs durfte kein Jude wohnen; auf denl Lande dürften sie keinen Grundbesitz haben tind mußten größtentbeils sich durch den Hauiirbandel ernähren An vielen Orten mußte der Jude beim bloßen Durchpassiren den erniedrigenden Leibzoll entrichten. Und nun sollte ein Jude an die Spitze der Regierung treten! Zu dem Haß und der Verachtung gesellte sich stets die Furcht; oder vielmehr der Haß entsprang der Furcht vor den geistig so sehr überlegenen Nachkommen Jakobs. Was wird aus Württemberg werdend fragte man sich. Sckaaren von Inden werden aus der ganzen Welt herbeiströmen. Württemberg überschwemmen, alle Aemter in Besitz nehmen und die Christen allmählich verdrängen. Wahrlich, wenn Süß gerecht wie David und weise wie Salomo regiert hätte, der Haß gegen sein Regiment wäre deßhalb nicht minder groß gewesen. Als Süß mit allen Formalitäten in seine Aemter als Premierminister und Finanzdrrector installirt war, erbat er Audienz beim Herzog, um diesem die Pläne der künftigen Verwaltung vorzulegen. „Durchlaucht," sagte er, „bei weiser Sparsamkeit können wir w viel erübrigen, daß wir in wenigen Jahren die Schulden Eurer Durchlaucht bezahlt haben." „Was," rief der Herzog, „weise Sparsamkeit! Ich soll mich einschränkeu, sparen! Und das sogst Du mir, Süß? Habe ich deßhalb Jahre lang mich nach der Regierung gesehnt. Tag und Rackr den Zeitpunkt herbeigewünscht, daß ich Herr sein werde über dieses Land, um als regierender Herzog zu lnau'crn und zu sparen — eine Shunt. die ich nickt einmal als mittelloser Prinz zn üben verstanden? Rein, meine Schulden sollen auf einmal bezahlt werden, und ich will nvck Geld übrig haben. tim leben zu tonnen, wie es mir gefällt, um eine Oper zu halten, um Sänger und Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen und Skornödlanten aller Art nach Stuttgart kommen zu lasten, um Feste 51t veranstalten, wie sie diese Stadt noch nickt gesehen hat Ich will mein Leben genießen. Darum habe ick mick all' die Jahre danach gesehnt, endlich einmal Herr zu sein. Und nun toll ich sparen? Prui, Süß!" „ „Gnädigster .Herr . . . ."" „Was da. ich will nichts hören! Du hast es verstanden. mir Geld in Hülle und Fülle aus Nichts zu schaffen — und jetzt, da Du nur iills Volle hineinzugreifen hast, machst Du Umstände?" „„Gnädigster .Herr, man haßt nud beueidet mich schon; wie wird mau mich hasten, wenn . . . „Nichts da! ich bin Herr! Was Du sagst, geschieht auf meiueu Beicht; ich. ich allein trage die Verantwortung. Ich werde Dir ein Rescript aus meiner skanztei mit meiner Namens - Unterschrift und meinern laudesherrlicheu Svgillum zugeheu lassen, das Dich jeder Verantwortlichkeit enthebt für das. was Du getbau hast, thuft und thull wirft. Bist Du mm zufrieden?" „ „Ich bin Euer Durchlaucht stets treuer und ergebener Diener." " „So schaffe vor allen Dingen hxlb, :;m meine Schulden zu bezahlen." „„Grävenitz hat uns anbieten taffen, daß wenn man ihn in Firmelt setzen und ihm f>(v >00 fl. auszahle, er alle seine Güter meinem gnädigsten Herrn, abtreten wolle. Es können bei dem Ghchäfte ea. UOO.OOO Gulden gewonnen werden."" „Gut mache es ab." „„Auch die Güter seiner Schwester, der Landesverderberin. die nach Heidelberg entflohen ist. könnte mein gnädigster Herr confisriren. lasten. Wir könnten dann iämmtlicke Schulden Eurer Durchlaucht bezahlen."" „Gut, besorge auck das. Dann aber sieh zu. daß Du die Einkünfte meines Staates verdoppelst und verdreifachst. Ick will leben und genießen!"

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