Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1872)
- Date
- 1872-02-28
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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V aus. JS1. (Pädagogische Beilage zu Nr. 9 des „Israelit", xin. J-hrg.) *** Zleöer Höchter-Schuken und Mädchen- Unterricht. u. Unser geehrter College vertheidigt seinen Standpunkt, indem er sich aus Dittes beruft; doch Dittes tadelt eben den Unterricht, der nur aus „Schein - und Blendwerk berechnet" ist, ohne überhaupt den Mädchen das Recht auf eine umfassendere Bildung absprechen zu wollen. Gegen diese Scheinbildung haben schon alle Diejenigen gekämpft, welche laut einen höheren Unterricht für die Mädchen verlangt haben; wäre es ja auch höchst unlogisch, über Etwas ganz und gar den Stab zu brechen, weil diesem an sich Berechtigten Mängel anhaften, oder derselbe hier und dort von ungeschickten Händen ungeschickt behandelt wird? Ganz gewiß haften unfern Bestrebungen, den Mädchenunterricht zu heben, Mangel an, — welches Menschenwerk wäre überhaupt ohne Mangel und nicht der Verbesserung fähig? oder wo könnte der Mißbrauch nicht sein Spiel treiben? — da dürfen wir aber nicht ein Verbiet über das Ganze fällen, da müssen wir vielmehr zu bessern suchen, müssen Mittel und Wege finden, die Mängel zu heben, und den Mißbrauch zu paralysircn. Dittes sagt nichts Anderes, als was auch schon Karl Schmidt, ein Vertheidiger des höheren Mädchenunterrichts, in seiner Geschichte der Pädagogik rügt: „Viele der höheren Töchterschulen, haben sich in Wirklichkeit jedoch nur Letzteres (das Mädchen zur anmuthigen Erscheinung im geselligen Umgänge zu bilden) zum Ziel gesetzt und, da diesem Ziele die solide geistige Grundlage fehlt, als ihre Producte Zier- und Gefallpuppen erzeugt, die, tiefere Gemüthsbildung entbehrend, Alles auf Schein und Effectmachen berechnen/' (IV. S. 495.) Nicht minder klagt Minna Hypeden, die den Mädchenunterricht gar weit ausgedehnt wissen will, über die.Scheiubildung, die so manche Schulen, die Erziehung weniger berücksichtigend, befördern. Wir sehen also, die Klagen sind nicht neu, was aber getadelt wird, ist nicht der Mädchenunterricht an sich, es ist der Mißbrauch in demselben. Wenn wir nun die Mädchenunterrichtsfrage besprechen wollen, so haben wir zu erörtern. und zwar nicht allein vom allgemein pädagogischen, sondern auch vom jüdischen Standpunkt aus: 1) haben die Mädchen gerechten Anspruch auf eine weitgehende Bildung? 2) welche Lehrgegenstäude sind in den Kreis des Mädchenunterrichts zu ziehen? 3) Untersuchung, in wieweit die Klagen begründet sind, die oft gegen den Mädchenunterricht , wie er bis jetzt besteht, laut werden. ist der höhere Unterricht der Mädchen auf gelvisse Stände zu beschränken? 1. Wenn es ein altjüdischer Grundsatz ist, daß erst Wissen und Weisheit dem Menschen das Gepräge des göttlichen Ebenbildes aufdrückt; wenn schon altjüdische Weisheit es anordnet, beim Anblick eines weisen Menschen, und sei es auch eines Heiden, den Segensspruch zu sprechen, in welchem Gott gepriesen wird, daß er von seiner Weisheit dem Menschen verliehen habe; wenn ferner als des Menschen höchste und heiligste Pflicht uns in erster Linie das Forschen im Gesetze hingestellt wird, um von da aus, von dort angeregt und befähigt, weiter und weiter in das Gebiet des Wissens, das Erkennen der "Natur und der Geschichte weiter einzudringen: so müssen wir es als eine große Errungenschaft und als eine glänzende Verherrlichung der jüd. Idee begrüßen, daß die Neuzeit immer mehr daran arbeitet , Vorrechte der Geburt und des Geldes von der Tagesordnung abzusetzen, und dafür die Herrschaft des Geistes zur Anerkennung zu bringen. Ja, wenn man sogar soweit gegangen ist, die ruhmreichen Siege unserer deutschen Heere den Schullehrern zuzuschreiben (aber wohlgemerkt, ohne sie dafür ju dotireu), so liegt darin — wie viel oder wie wenig Wahres auch in diesem Aussprüche liegen möge — eine Anerkennung des Wissens, die nicht zu unterschätzen ist. — Wenn nun das Wissen das höchste Gut ist, wenn dieses erst den Menschen zum Menschen macht, ihn mit der Bildung veredelt, ihm erst seine Stellung irr der menschlichen Gesellschaft sichert, ihm ein Glück zusichert, das keine Gewalt ihm rauben kann: so ist Jeder zur Erlangung dieses Gutes berechtigt, ja verpflichtet, wem Gott die Anlagen lind die Kräfte, dasselbe sich zu erwerben, gegeben hat. Wie wir von Jedem mit Recht verlangen: Arbeite mit deinen gesunden Gliedern! so rufen wir Jedem zu: Gebrauche deine Geisteskräfte zur Geistesarbeit. Gott hat dem Menschen seine Anlagen nicht gegeben, daß sie in Unthätigkeit verkümmern. Denn der Mensch