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Der Israelit · 1872-02-21 · Heft 8 (21.2.1872) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 8 (21.2.1872)
Date
1872-02-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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170 plündert. Ein Theil der jüdischen Bevölkerung suchte in den Kellern Schutz vor den Räubern, und brachte dort entsetzliche Stunden der Angst zu, von allen Nahrungsmitteln entblößt und jeden Augenblick das Aergste befürchtend; der andere Theil entfloh und heute soll das ganze Dorf bereits von den Inden verlassen sein. Man stelle sich das gräßliche Elend all der unglücklichen Familien vor, die bei der jetzigen rauhen Jahreszeit und in der so unwirthlichen Umgegend Ismails , gezwungen sind auszuwandern und zwar mit dem Bewußtsein, daß ihre zurückgelasseneu Habe verloren sind. Leider beschränkt sich der Heerd der Agitation gegen die Juden nicht allein auf jenen Fleck Erde, sondern greift immer weiter und weiter, und soeben trifft die Nachricht ein, daß auch die 6876 Einwohner zählende. 6 Posten von Galatz entfernte Stadt Cahul, der Schauplatz blutiger Excesse gegen die Juden war Auch dort hat die Canaille ihrer Raub- und Plünderuugssncht Genüge geleistet und die israelitische Bevölkerung unvorbereitet überrascht. Wie wir vernehmen, sollen sich die Angegriffenen herzhaft zur Wehr gesetzt haben, wobei zwei Israeliten getödtet, acht verwundet wurden. Kämpfend zogen sich die Israeliten in die dortige Gensdarmerie - Kaserne zurück, die angeblich ebenfalls vom Pöbel angegriffen wurde und die Gendarmen veranlaßt haben soll, auf den Pöbel zu feuern. Von Galatz sind bereits Truppen nach Cahul dirigirt worden. — So lauten die bis jetzt eingetroffenen Nachrichten und sehen wir in kürzester Zeit positiveren und ausführlicheren Daten entgegen. Es wird vielfach behauptet, daß es namentlich Griechen seien, welche die Unruhen in Scene gesetzt haben; doch widerspricht diesem der Umstand, daß sich gerade in Cahul keine Griechen aushalten. Wie dem aber auch sei, das unmenschliche und barbarische Vorgehen des Pöbels von Ismail, Vulcov und Cahul, fordert die ganze Wachsamkeit und Energie der Regierung heraus. Die nimmermüden Männer des Unlsturzes, die auch bereits mit der Internationale in Verbindung stehen, scheuen kein Mittel einen Umsturz herbeizuführen und wenn es nicht der Sinn für Gerechtigkeit allein wäre, der ein strenges Einschreiten gebieterisch erforderte, so müßte der Trieb der Selbsterhaltung dies nothwendig erheischen. Die Regierung hat bis jetzt ihr Möglichstes gethan, um die meuterischen Rotten zu zügeln und dem Weitergreifen der Judenverfolgungen Einhalt zu thun. Damit ist aber noch lange nicht alles abgethan. Wenn diese Vorgänge in Europa bekannt werden, so wird die ganze civilisirte Welt das weitere Verfahren der Regierung mit strengen Augen überwachen und controlliren und jede laue Maßregel schonungslos verdammen. Es handelt sich im strengsten Sinne darum, an dem zügellosen Gesindel ein Excmpel zu statuiren, damit es an anderen Orten Niemandein cinfalle, aus Mord, Raub und Plünderung ein Gewerbe zu machen; außerdem aber den Beraubten volle Entschädigung und Satisfaction zu gewähren. Es muß als eine Schmach bezeichnet werden, daß heute dergleichen Scenen in so großem Maßstabe überhaupt noch Vorfällen können und die Männer der Ordnung in Rumänien haben alle Ursache derartige Wiederholungen, die das Land im höchsten Grade compromittiren, sich nicht wiederholen zu sehen; denn wenn ein Jude das Verbrechen des Kirchenraubes auch begangen hätte, so läge hierin noch immer kein Grund, die ganze Nation dafür verantwortlich zu machen. Nach dem Verfahren, welches die Regierung bis jetzt beobachtet hat, dürfen wir zuversichtlich erwarten, daß sie das Möglichste thun werde, um der Welt zu beweisen, wie sehr sie solchen Vandalismus verdammt. Wir glauben in unserer Hoffnung nicht getäuscht zu werden. (Rumänische Post.) Amerika. Ncw-Aork. Ein hübscher Zug wird dem „Jew. Mess." von seinem Correspoudenten aus Washington berichtet. Zwei Damen gingen in der Stadt umher, um für eine Freundin aus Chicago, der dort Alles verbrannt war, Waaren einzukaufen. „Schopping - gehen" ist bekanntlich eine Lieblingsbeschäftigung der Amerikanerinnen; diesmal geschah cs mit besonderem Eifer, sie wollten fabelhast billig kaufen. Zu diesem Behufe brachte die Eine einen gewissen Laden in Vorschlag. „Oh no!" sagte die Andere, „das sind Dutch jews (deutsche Juden), da werden wir sicher betrogen werden." Indessen ließ sie sich doch bereden, den Laden zu besuchen, dessen Besitzer sie einem seiner gewandtesten Verkäufer zuführte; sie gaben alsbald zu erkennen, daß sie für eine unglückliche Abgebrannte kaufen wollten und deßhalb auf niedrige Preise rechneten. Sie zogen dadurch nicht geringe Aufmerksamkeit auf sich; gewisse Leute thun auch nicht gern Gutes, wenn es die Andern nicht erfahren. Der dadcnbesitzer, der wohl ein Schalk sein mag. machte dem Commis einige telegraphische Zeichen, welche von den Damen wohl bemerkt wurden. Einige Worte, welche zwischen dem Herrn und dem Commis in deutscher Sprache gewechselt wurden, bewirkten, daß die eine Dame ihre Gefährtin alsbald mit einem triumphirenden Lächeln anblickte; die Absicht, sie zu betrügen, lag deutlich vor. Indessen legte der Verkäufer Waaren vor, und die geforderten Preise waren lächerlich niedrig, worauf die Frage erhoben wurde, ob die Waaren auch gut und

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