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Der Israelit · 1872-02-21 · Heft 8 (21.2.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 8 (21.2.1872)
Date
1872-02-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XIII. Jahrgang. Zweit^Bkilage zu Rr. 8 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Ateuwark (Preußen) 1. Februar. Ein Fest, welches sich der allgemeinsten Theilnahrne fast aller jüdischen Einwohner "hiesiger Stadt und Umgegend erfreute, wurde am 24. v. M. in unscrn Mauern gefeiert. Der durch eine c. 45jährige segensreiche Amtstätigkeit in seiner Gemeinde und darüber hinaus wohlbekannte Vorbeter, Herr Daruch Stur mann, wurde in den Ruhestand versetzt. Die hiesigen jüd. Einwohner, die an ihm wie Kinder an einem Pater hängen, veranstalteten nun am obengenannten Tage ein Abschiedsfeft, zu welchem alle Kinder des Gefeierten ohne dessen Wissen geladen waren. Am Morgen desselben Tages versammelte sich die ganze Gemeinde, festtäglich gekleidet, in der Synagoge, wo nach dein Morgengebete 10 ausgewählte Psalmen re itirt wurden. Nachmittags 3 Uhr wurden alle Läden geschlossen und die ganze Gemeinde — mit nur geringelt Ausnahmen — begab sich ins Festhaus, in die Behausung des Herrn Kaufmann Cohn, wo zuerst nrua r^n verrichtet wurde. Sodann wurde der Gefeierte von dem Festcomite, dem Vorstände und den Repräsentanten von seiner Behausung abgeholt und in den mit verschiedenen Transparenten, Guirlanden u. dgl. aufs Feinste geschmückten nnd erleuchteten Saal geführt, wo die ganze Gemeinde ihn stehend empfing. In der Mtite des Saales stand zu beiden Seiten des Gefeierten ein wohlgeübter Chor von Sängern, der sogleich der Psalm 29 anstinrmte. Sodann hielt der älteste Cohn des Jubilars, der Religionslchrer und Prediger, Herr Jacob Sturmann aus Osterode, die Festrede über Jirmijah 31, 16 n. 17. Er besprach das gute Verhältniß, welches stets in den verflossenen 45 Jahren zwischen der Gemeinde und seinem Vater obwaltete, wie die Gemeinde in diesem Zeiträume von einigen nur mittelmäßig begüterten Mitgliedern zu einer beträchtlichen wohlhabenden nnd regelrechten Gemeinde geworden ulld betonte namentlich die Thatsache, daß der Gefeierte nach vielen Mühen und Drangsalen endlich Ruhe und Anerkennung gefunden. Er hob auch sichtlich bewegt hervor, daß dieses Abschiedsfeft in demselben Hause gefeiert wird, in welchem vor 45 Jahren das kleine Betlocal der damaligen Gemeinde sich befand, daß also von hier aus die ersten Gebete seines Vaters zum Vater im Himmel emporstiegen. Diese Rede verfehlte nicht, den tiefsten Eindruck auf alle Zuhörer zu machen, wobei manches Auge nicht thränenleer blieb. Nachdem wiederum vom Chore Psalm 118, Vers 1 bis 4 littb o”n yv gesungen ward, sprach der Jubilar ein Gebet und sprach seinen Dank der versammelten Gemeinde beides in hebr. Sprache aus, welches vom Sohne ins Deutsche übertragen wurde. Mit dem Liede jn« □‘riy schloß die so seltene religiöse Feier. Um 5 Uhr Abends begann in demselben Locale das Festessen, wobei es auch an sinnreichen Toasten und schönen zur Feier passenden deutschen Liedern nicht fehlte. Der Wirth des Hauses (Vorsitzende der Repräsentanten) überreichte in einer sinnigen Ansprache Namens der Gemeinde dem Gefeierten einen prachtvollen Pokal mit schöner Inschrift und eine Tabaksdose zur ewigen Erinnerung. Erst um 2 Uhr, Morgens, trennten sich die Versammelten in dem Bewußtsein, daß dieses Fest, zu Ehren eines gottesfürchtigen Mannes gefeiert, dessen zurückgelegter Lebensweg nicht mit Rosen bestreut, vielmehr mühselig und dornenvoll genesen, bedeutungsvoll vorübergegangen sei und nicht sobald in Vergessenheit geraihen wird. H. (Auch wir wünschen dem biedern, braven und gelehrten Herrn Cantor Sturmann, der in Verbindung mit dem edlen Herrn Henschke alles Gute, das in diesen Blättern angeregt wurde, stets auf Eifrigste förderte und unterstützte, herzlich Glück zu der ihm gewordenen, so wohlverdienten Anerkennung. Möge der Allgütige seine Jahre verlängern und ihn noch lange gesund und rüstig erhalten. jDT io D’DDn >jp? v.i'by nDff’no jnjn 0’j»piD55\ Die Redaction). Donaufürstenthümer. Bukarest, 8. Februar. Zu der von uns jüngst gemeldeten Affaire in Ismail haben wir nachzutragen, daß es sich herausgestellt hat, der Kirchenraub sei von einem getauften Juden, auf Austiften mehrere Vagabonden in der ganz bestimmten Absicht vollbracht worden, um eben eine Meuterei hervorzurufen. Das Vorhaben ist vollkommen gelungen und bleibt es sehr zu beklagen, daß die dortigen Autoritäten nicht nnr keine energischen Maßregeln ergriffen hatteu, um dem Raubgesindel wirksam entgegen zu treten, sondern daß sie durch Arretirung gänzlich schuldloser Personen und zwar aus der- Mitte der Israeliten, gewiffermaßen indirekt den Fanatismus des Pöbels unterstützten. Wie wir hören ist in Ismail selbst die Ruhe wiederhergestellt worden, dafür aber im Dorfe Vulkov, dicht bei Ismail ein anderer Judenkrawall ausgebrochen, bei welchem der entartete Pöbel in derselben Weise würhete wie in Ismail. Häuser wurden demolirt, die aufgegriffenen Juden in barbarischester Weife mißhandelt und allenthalben ge-

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