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Der Israelit · 1872-02-14 · Heft 7 (14.2.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 7 (14.2.1872)
Date
1872-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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130 Geld und Gut will ich opfern, aber mein Gewissen niemals'. Der Brief mit der Demission blieb uneröffnet, die Tage vergingen, da aber Dr. Güdemann nicht zu bewegen war, sich eines Schlichtern zu besinnen, so fanden die Herren für gut, sich eines Bestem zu besinnen. Und sic thaten wohl daran. In der Gemeinde entstand eine große Gährung, viele Mitglieder erHLrten ihren Austritt. Güdemann ist außerordentlich beliebt, die angesehensten und vorzüglichsten Männer der Gemeinde lieben und verehren ihn, und wie sehr sein höchst ehrenhafter Charakter sogar den Andern imponirt, davon nur ein Beispiel: In der Plenarversammlung, welche gehalten wurde, um zu berathen, was nun zu thun sei, erklärte einer der ärgsten Reformer, ein ausgesprochener Feind Güdemanns, der ihn schon mannigfach beleidigt hat, dieser Mann erklärte: die Mizwah (an der ich keinen Antheil möchte), die Reform einzuführen, sei nicht so groß, als die Mizwah, Güdemann hier zu erhalten. Und so wurde beschloffen, die Reform unselig entschlafen und auf rhren Lorbeeren ruhen zu lassen, und dem Dr. Güdemann versprochen, man werde auch in Zukunft nicht versuchen, sie wieder vom Tode auserstehen zu lassen. Requiescat iu pace'. Und so ist wieder Ruhe in Israel. So sehr sich nun auch diese beiden Correspondenzen zu widersprechen scheinen, so ist doch die Wahrheit leicht zu eruiren. Der Wiener Vorstand hat, wie wir bereits ui voriger Nummer mitgetheilt haben, sich zu einem Compromiß herbeigelassen, wie ihn Herr Rabbiner I)r. Joel in Breslau, ehemals Lehrer am Breslauer Seminar, bereits vor Jahren vorgeschlagen. Dieser Compromiß ist echt breslauisch. Oeffenrlich wird die weitgehendste Reform eingeführt. Der Chasan darf weder den zu erhoffenden Messias, noch die Rückkehr in das heilige Land, noch den wiederherzustellenden Opferdienst im heiligen Tempel erwähnen. Wer daran glaubt, der mags leise beten; officiell ift's abgeschafft. Das scheint nun unsere zweite Correspondenz so aufzufassen, wie wenn der Vorstand seine Reformbeschlüsse zurückgenommen hätte; Herr Or. Güdemann hat das so acceptirt und sich dabei beruhigt. Wie verhält sich aber das wahre Judenthum hiezu? Ein Gotteshaus, in welchem die erwähnten Gebete in die stille Andacht verwiesen und nicht laut erwähnt werden dürfen, hat aufgehört, ein jüdisches Gotteshaus zu sein; eine Gemeinde, die Solches duldet, ist keine Mische Gemeinde mehr; eine solche Gebetordnung, die den Abfall von den Grundsätzen des jüdischen Glaubens sanctionirt, heißtnipm, Gräuel! Wenn koscheres und trefenes Fleisch in einem Topf gekocht wird, so wird das koschere Fleisch oßur, niemals aber das trefene Fleisch muttor. Die neue Wiener Gebetordnung involvirt eine Leugnung der Göttlichkeit, der Wahrheit der min und ihrer Verheißungen, und wer daran Antheil nimmt, passiv oder activ, wer bei einer Genreiude bleibt, die Solches einführt, der ist vom wahren, echten Judenthume abgefallen. Darum auf, Ihr treuen Frommen in Wien, Ihr Alle, in deren Herzen noch Gottesfurcht wohnt, 1712.1, trennt Euch von einer solchen Gemeinde, selbst dann, wenn der Vorstand voll seinern destructiven Beginnen ganz und gar ablassen wollte! Schaart Euch um Euren würdigen Führer, um den ehrwürdigen, gelehrten, wackern Rabbi Salomon Spitzer *"j — laßt Euch nicht verlocken, verführen! Wollt Ihr, daß Eure Nachkommen Juden sein und bleiben sollen, so sucht das Judenthum Euch und ihnen echt und unverfälscht zu erhallen. Nur der entschiedene Wille, die ernste, muthige That, der echte, freudige Opfermuth vermag Euch aufrecht zu erhalten in diesen gewaltigen Stürmen, und Gott segnet das heilige Wollen, das Ihm und Seinen erhabenen Geboten geweihte Thun! — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Februar. Die Sammlungen für unsere vom Hungertode bedrohten Brüder in Persien nehmen in Deutschland G.s. D. einen höchst erfreulichen Fortgang. Was von Herrn Bezirksrabbiner Bamberg er in Würzburg und von uns gesammelt w-rden, erfahren die geehrteil Leser durch die betreffenden Extrabeilagen. Außerdem wurden bis jetzt gesammelt: vom Berliner Comitö (Präsident Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer) 6,000 Thaler, von der Redaction des H a m a g i d 3,000 Thaler, von Oderradbiner Stern in Hamburg 2,000 Thaler, durch das Counts in Frankfurt a. M, mehr als 5,000 fl., durch Herrn Menki Zimmer in Fürth und das dortige Comits über zweitausend Gulden, in Augsburg über 1000 fl. rc. Höchst annerkennenswerth ist auch das Ergebniß der in Bamberg stattgehabten Sammlung von 900 fl., worüber bereits berichtet worden. Es ist für die edlen Sammler und Spender ein beglückendes Bewußtsein, dazu beizutragen, daß Tausende Unglücklicher vom Hungertode gerettet worden. B. Aus Baden. Les extremes se touchent. Neben Württemberg, wo der despotische Druck eines neologen Oberkirchenraths die religiöse Temperatur auf den Gefrierpunkt gebracht hat, hat sich in Baden, das sich der Segnungen einer absolutistischen Regulative nicht zu rühmen hat, ein auf echtjüdischen Grundsätzen aufgcbautcs Gemeindeleben bis in die neueste Zeit erhalten. Bis in die neueste Zeit —, denn es scheint, daß auch uns die religiösen Kämpfe nicht erspart bleiben sollen. Die beginnende Gährung hat bereits in Karlsruhe ein Verhältniß religiöser Parteiung herbeigeführt, das auf die Dauer unhaltbar ist. Es liegt hier die seltsame Thatsache vor, daß die Mehrzahl der Familien

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