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Der Israelit · 1872-02-07 · Heft 6 (7.2.1872) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 6 (7.2.1872)
Date
1872-02-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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MWWWMWWWWW>WWW»WWWWWWWVMMMWW^>>«^>!^-t v. XHI. Jahrgang. Zweite Beilage za Rr. 8 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 2. Februar. Aus den jüngsten Debatten des „Hauses der Abgeordneten" geben wir folgende, für die Leser dieser Blätter interessante Stellen. Am 30. Januar sagte Fürst Bismark unter Anderem Folgendes: „Es war ein großer politischer Fehler, daß Sie (die Katholiken) eine solche Fraction hier bildeten und Ihre Glaubensgenossen durch allerhand Einflüsse nöthigren, dieser Fraction beizutreten. Alle übrigen Confessionen haben dieselben Rechte, sobald wir den Staat in konfessionelle Theile zertheilen; auch die jüdische Confession hat das Recht, und diese Confession besitzt Mitglieder, welche sich durch große Intelligenz und besondere Befähigung für Staatsgeschäste auszeichnen. Zum Titel: Besoldungen für den Oberkirchenrath nimmt am folgenden Tage das Wort der Abg. Dr. Ko sch unter Hinweis aus die .gestrigen Worte des Fürsten Bismark, daß allen Religionsgesellschaften eine gleiche Behandlung zu Theil werden solle, und daran die Vorlesung eines Erlafles des Consistoriums der Provinz Brandenburg vom Februar des vorigen Jahres knüpfend, welche den Uebertritt Evangelischer zum Judenchum behandelt und auf einen Beschluß des Oberkirchenrachs Bezug nimmt. Wenn (fährt Redner fort) man sich darauf beschränkt hätte, von dem Abfall abznrathen, so ließ sich dagegen nichts einwenden; aber der Oberkirchcnrath habe sich nicht gescheut, den gehässigen Erlaß aufrecht zu halten und die Bekenner des Judenthums schwer zu verletzen. Gegen den Erlaß seien Proteste erhoben; aber er habe das Recht und die Pflicht, auch hier Einspruch gegen eine unerhörte Verdächtigung der Bekenner des Audenthums zu thun. Der Erlaß sei noch dazu veröffentlicht kurz nach dem Kriege, wo Jeder Gut und Blut auf dem Altar des Vaterlandes geopfert: das sei kirchlicher Zelotismus, Muckerthum, Obscurantismus, durch die der Staat von der Höhe seiner Bildung herabgedrückt werde; einer solchen Behörde, die Zwietracht, Intoleranz, Haß predige, könne er die Lebensfrist nicht verlängern. Der Lebenssaden müsse ihr im Gegentheil möglichst rasch abgeschnitten werden. Ab. Strosser bedauert, daß der Abg. Kosch nicht eine andere Angelegenheit abgewartet habe, um zu sprechen. Ein Jude habe nicht das Recht, sich in innere Angelegenheiten der evangelischen Kirche zu mischen. (Die ferneren Ausführungen des Redners werden häufig von Heiterkeit, die sich oft bis zum schallenden Gelächter steigert, andererseits aber Rufe wie: Zuchthauston! provocirt, unterbrochen.) Redner sagt u. A., er habe die Rede des Ministerpräsidenten nicht zu vertreten und auf den Ruf: Hört! Hört! erwiederte er: „Hört! Hört! Ja, ich bin nicht der Ministerpräsident (Gelächter), wenn ich's einmal sein werde (Gelächter), so werden Sie ganz andere Worte hören." (Schallendes, anhaltendes Gelächter.) Redner tritt auch den Ausführungen des Abg. Müller entgegen; er apostrophirt ihn einmal: Herr Pastor! und wiederholte dies, wird deßhalb vom Präsidenten corrigirt und auf die Geschäftsordnung verwiesen; links hört man: „Zuchthausaufseher!" Redner wünscht, der Kirchenrath möge seine Schuldigkeit thun auch Pastoren im Amte gegenüber. (Ruf links: „Denunciant!) Frankfurt, 29. Jan. Ein Raubanfall in der Mittagsstunde und an einem der frequentesten Orte alarmirt die Stadt. Ein mit dem Gncassiren von Geldern für die Viehhändler schon lange Jahre beschäftiger, 70 Jahre alter Jsraelite, Hamburger aus Offenbach, unter dem Namen „Julchen" bekannt, nahm in der Mitze'schen Wirthschaft verschieder Jncassos vor. Ein bis jetzt noch unbekanntes Individuum , das sich in seiner Nahe herum trieb, verfolgte ihn bis in die Hausflur der „goldenen Luft" und brachte ihm mit der Rückseite eines schweren Beiles einen Schlag auf den Hinterkopf bei, in Folge dessen das Opfer betäubt zu Boden stürzte. Der Räuber ist entflohen mit einer Summe ca. 700 fl. Die Verwundung soll lebensgefährlich sein. (Der Unglückliche ist leider gestnrben.) O e ft e r r . - U n g a r. Monarchie. Wien, 2. Februar. Der Rabbiner vr. Güdemann hat sich mit dem vom Vorstande der israelitischen Gemeinde in Wien vorgefchlagenen Comprommiß in Betreff der Gebetsformen einverstanden erklärt und sein Entlassungsgesuch zurückgenommen. Dagegen beharrt der Rabbinatsafsessor Salomon Spitzer bei seinem Protest und seine Demission wurde vom Vorstande acceptirt. (F. Ztg.) Wien. Trotz Verhetzungen mehren sich doch in erfreulicher Weise die Fälle, daß die Angehörigen der verschiedenen Konfeffionen ihren Nochleidenden gegenseitig auf das Liebreichste beispringen. So sind in jüngster Zeit von jüdischer Seite namhafte Gaben

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