Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1872)
- Date
- 1872-02-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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111 tes zu gewinnen gewußt; er habe den auf festem Boden Wandelnden als Führer und den auf dem stürmischen Lebensmeer Umhergetriebenen als Steuermann vorge- . stünden, und der Menschheit fei ein bitteres Weh widerfahren, nachdem dieser erhabene Mann ihr entzogen wurde. In gleicher Weise müsse 'man ein bitteres Weh empfinden über den Verlust zweier Männer, die als hellleuchtende Sterne, als Führer und Steuerleute, nicht bloß dem engen Kreise der eigenen Gemeinden, sondern dem gesammten Israel, belehrend und rathend vorangingen. Bei der Armuth unserer Zeit an Männern von solch" hoher Bedeutung; bei der immer stärker hervortretenden Neigung unseres Geschlechtes zu einem materialistischen Streben müsse man mit dem heiligen Sänger rufen: ^ys Dy asTr vo D'jno Dy Dip' '2 tw. D’yio von yyn, das seien die Zerstörer, die das heilige Gesetz über Bord werfen möchten; p# Hys von 1'dr, das seien, die nach Nichtigem streben. „Wer rafft sich auf gegen diese Zerstörer; wer steht fest zum Widerstande und zur Abweisung gegen die, welche Nichtiges schaffend" Ein- Leben von solch inniger Frömmigkeit, wie solches bei den edlen Hingeschiedenen zu Tage getreten, das habe selbst den Gegnern Achtung abgenöthigt und dem Umsichgreifen einer verderblichen Zeitrichtung nicht selten Einhalt geboten, was sich in Wirklichkeit schon setzt kurz nach dem Tode des Baron von Königswarter zeige. Während seines Lebens habe dieser Edle sich den tiefgehenden Reformbeftrebungen in der Wiener Gemeinde mit Energie widersetzt. Kaum habe er die Augen geschloffen, so seien die Rücksichten geschwunden und gesetzwidrige Reformen zum Durchbruch gekommen, und es werde jetzt in Wien, wie schon anderwärts, eine Trennung notwendig werden, um den Gesetzestreuen ihr heiligstes Gut zu bewahren. Höchst ergreifend war die Erwähnung einer Episode aus dem Kindesalter des Oberrabbiners zu Preßburg t>y"r. Als Kind von 6 Jahren befiel ihn eine schwere Krankheit. Man hatte die Hoffnung auf Wiedergenesung bereits aufgegeben. Schon hatte man nach der Sitte des Landes zu noan rw's» die nvle^-Lichter angesteckt. Jammernd umstanden die Eltern das Lager ihres Kindes und der Vater ->sid twü 'n flehte in heißinnigem Gebete um die Erhaltung seines Lieblings, und wie, wenn er Jemanden vor sich sähe, rief er auf einmal aus: „Schenke mir meinen Sohn nur ein Jobel-Jahr!" Und siehe da! das Kind erholte sich und genas. Gerade 50 Jahre waren seit jenem Ereigniß verflossen, als der himmlische Ruf erscholl: dttqn 'n lansm innstPD »w mm» vi« sy\v laisyn nsio pD\jD Vnidsp wurde heimgerufen zu seinen Vätern, nachdem er das 56. Jahr vollendet hatte, und die alten, aufbewahrten ddeu - Lichter leuchteten auch zu nsrm mmDn moeu. Nachdem Herr Dr. Lehmann noch von den werthvollen literarischen Erzeugnissen der Verstorbenen gesprochen , wies er schließlich darauf hin, wie dringttch nothwendig es in dieser an großen Männern armen Zeit sei, die Worte der Weisen zu beherzigen, die da sagen: ehn M'.iv tnnpn e^n Dipoa, daß Jeder in seinem Kreise mit aller Kraft zu wirken suche, um die Religion der Väter und die Kenntniß der heiligen Thora uns und unfern Kindern zu erhasteN. Ein tiefer Ernst lag bei dieser erhebenden Gedächtnisfeier auf der andächtigen Versammlung und man erkannte, was die min in niD» ntens sagt, daß Israel eine nn« e?dj bildet, daß es mit gleichem Gefühle die Wunden fühlt, die ihm — wenn auch in entfernten Ländern, durch den Verlust feiner herrlichsten Männer geschlagen werden, nsjp man Dirn ypa*! Ungedanken (Prov. Hessen). — Jüngst feierten der -idid Jakob Liffauer und dessen Ehefrau Beile, eb. Gutkind, das Fest ihrer goldenen Hochzeit. DerJuilar beschäftigt sich seit seinem nuro na mit Brnpn natoo; und ist derselbe auch jetzt noch unter Mitwirkung einer seiner Söhne in diesem Fache thäüg; derselbe hat bis jetzt mehrere Hundert neue nmn nsD geschrieben. — Das Fest wurde im Zirkel ihrer Kinder und zahlreichen Enkeln in Freude verbracht. Von allen Seiten wurden dem Jubelpaare die herzlichsten Gratulationen dargebracht; auch wurden demselben mehrere Geschenke überreicht, unter anderen ein prachtvolles “)".iun von der Königin-Wittwe. — Aus Veranlassung dieser Feier schrieb der Jubilar sich selbst eine neue nmn nso, deren "jum am nivv 'd ttnip natr any unter großen Feierlichkeiten stattfand. — Schließlich sei noch erwähnt, daß das Jubelpaar noch ganz rüstig und sich n'ya einer steten Gesundheit erfteut. Salomon Lissauer, nviv. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Lemberg. Am 25. Dezember 1871 wurde der in Wolizka (bei Reßosch in Galizien) wohnende jüdische Schenkwirth Naphtali Orgel in seinem Wirthshause von Räubern überfallen. Sowohl er als sein Weib wurden zuerst durch mehrere Messerstiche verwundet, in ein enges Zimmer geschleppt und dann mit Stroh bedeckt, welches angezündet wurde. Der 17jährige Sohn wollte flüchten, allein der an der Thüre stehende Räuber versperrte ihm den Weg. Die Räuber verlangten nun von diesem Sohne die Herausgabe des Geldes. Ter Sohn nahm einen 5-Gulden-Zettel und 8 Gulden Silbersechser aus seiner Tasche und übergab dieselben den Räubern mit der Betheuerung, daß er kein Geld mehr habe, sie mögen ihm das Leben chenken und er wolle sie nicht angeben. „Hund!" chrien ihn die Räuber an, „4000 Gulden gib her.