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Der Israelit · 1871-12-27 · Heft 52 (27.12.1871) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 52 (27.12.1871)
Date
1871-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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966 bis zum letzten Hauch den Meinungen seines ganzen Lebens getreu blieb. *) Ich habe für Alle nur meinen armen Dank, aber meine Kinder werden den verhängnißvollen 30. November 1871 nicht vergessen, sie werden sich für das Volk hingeben, das ihren Vater geliebt hat und wie er, werden sie die Republick lieben, für die er gestorben ist. Meine Mission ist es, ihnen diese Gefühle emzuflößen. Das allein vermag mich an das Leben zu knüpfen. Wie wünschte ich, dies Allen sagen zu können! Aber Sie vermögen es, und ich weiß, daß man nicht umsonst an Ihre Güte appellirt. Reden Sie im Namen derjenigen, deren Sprache nur Thränen sind. Genehmigen Sie die Grüße derjenigen, welche nur mehr ist die Wittwe Cremieux. Donaufürstenthürner. Bukarest. Obschon die Regierung der Kammer ein Preßgesetz vorgelegt hat und die Votirung eines solchen angesichts des colossalen Unfuges, der mit der Preßfreiheit getrieben wird, unausweichlich geworden ist, tauchen immer noch kurz vor Thorschluß neue Blätter auf, welche die Galgenfrist, die ihnen noch geboten ist, emsig benutzen, um mit ihrer Einfalt und Gemeinheit Parade zu machen. Zu diesen Blättern gehört »Luveranitatea nationale“, welche in der Nummer fünf ihren Lesern folgenden Blödsinn auftischt: „Wir haben eine Handelsschule in Bukarest. Zeige man uns doch, welche Früchte dieses Institut seit seinem Bestehen getragen hat. Man durchwandere die Magazine und Comptoirs der Juden und frage die dort Angestellten, wo sie studirt haben, und alle werden antworten: In der Bukarester Handelsschule. Unsere Handelsschule dient also dazu, die Juden in ihrer besonderen Specialität auszubilden, damit sie den rumänischen Handel um so sicherer ruiniren können. Betrachtet man die Cataloge der genannten Schule, so erschrickt man, denn unter zwei Hundert Eleven, welche dieselbe besuchen, befinden sich nicht weniger als 150 Juden! Was wird aber aus jenen 50 Rumänen, welche die Schule besuchen? Die Glücklicheren und vom Schicksal Bevorzugteren schlagen die Licblingscarriere unserer Jugend ein, sie werden Beamte, und die andern, vom Schicksal Verfolgten sind angewiesen, die Hilfe der Juden anzurufen und in deren Geschäften zu dienen." Wenn wir auch von der Tölpelei ganz absehen wollen, die darin besteht, aus der Religion, welcher *) Univ. Isr. macht die treffende Bemerkung < daß der letzte Ruf des Hingerichteten wohl besser „Schma Israel" gewesen wäre. die Mehrzahl der Schüler angehört, auf die Leistungen der Schule zu schließen, so möchten wir der „Souveranitatea" bemerken, daß es für Rumänien weit ersprießlicher wäre, wenn sich ein großer Theil der rumänischen Jugend dem Handel widmete, und dadurch nützliche Staatsbürger würden statt die Carriere untergeordneter Beamten einzuschlagen, allen Wechselfällen dieses hier so undankbaren Standes ausgesetzt zu sein und theils als Hungerleider, theils alsMüssiggänger ein klägliches Dasein zu verbringen. Die „vom Schicksal-Verfolgten" die in den Comptoirs der Juden ein bereitwilliges Unterkommen finden, sind wahrlich besser daran und leben behaglicher, als manches Schreiberlein voll Dünkel, das sich, weil ihm die Wirklichkeit nichts bietet, in der Phantasie als künftigen Minister und Volksbeglücker sieht und dabei kaum über das A. B. C. des eigenen Glückes hinauskommt. Auch dürften diese „Verfolgten" Gelegenheit haben, einerseits etwas Toleranz zu lernen, denn in den Comptoirs der Juden ist es nicht üblich, Jemanden seiner Religion wegen anzufeinden, anderseits aber sich im Handelssache derart auszubilden, daß sie später, wenn es ihnen gelingt selbstständig zu werden, die Concurrenz der Juden nicht mehr zu fürchten haben. Wenn übrigens die „Souveranitatea" bedauert, daß sich so viele Juden dem Handel widmen, so braucht sie nur mit uns für die Emancipation der Juden zu plädiren und wenn diese erfolgt ist, wird sich die Zahl der jüdischen Handelsschüler in dem Grad verwinden, in welchem die Zahl der jüdischen Beamten wachsen wird. (Rum. Post.) Persien. Der „Times of Indra" zufolge wüchet die Hungersnoth in Persien noch immer fort und wird ihre wirkliche Ausdehung niemals bekannt werden. Eigenthümlich ist es, daß man nichts von einem organisirren Vorgehen der Regierung zur Milderung der Roth hört. Die hungernden Leute sind sich selbst überlassen. Diejenigen, welche im Stande sind, außer Landes zu gehen, thun dies: die Anderen müssen sterben, wenn nicht von irgend einer unerwarteten Seite Hilfe kommt. Wie aus Mdz und Bunder Abbas geschrieben wird, vollendet dort die Cholera, was die Hungersnoth begonnen. 500 ausgehungerte Zoroastrier trafen in Bunder Abbas ein: da sie aber fast sämmtlich krank waren, verweigerten die persischen Behörden ihnen den Einlaß und legten sie in Quarantäne, während die Eigenthümer der Karawane, mit der sie gekommen waren, ihre Kinder als Sicherheit für unterwegs gemachten Ausgaben festhielten, bis ein wohlthätiger Perser die verlangte Summe zahlte.

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