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Der Israelit · 1871-12-20 · Heft 51 (20.12.1871) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 51 (20.12.1871)
Date
1871-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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949 Leben lang. Möge dieser traurige Vorfall in feiner Zeit, wo das tin antaonw jdip ip’inm in Erfüllung zu gehen scheint, zur ernsten Vorsicht mahnen. Kurz ist der Wahn, die Reue lang. Altona. Die Beerdigung des Oberrabbiners Jakob Ettlinger fand am Sonntag Morgen um 11 Uhr Morgens statt, und wohl selten hat Altona ein Leichenbegängnis gesehen, bei welchem die allgemeine Thcilnahme ein beredteres Zeugniß ablegte von der allseitigen Achtung, welche dem Verstorbenen im Leben selbst von Andersdenkenden gezollt wurde. Unter den zahlreichen Leidtragenden, unter denen selbstverständlich die Vorstände der Altonaer und der benachbarten israelitischen Gemeinden nicht fehlten, bemerkte man u. A. die Oberrabbiner vr. Cohn von Schwerin, S t e r n von Hamburg, vr. Hildesheimer von Berlin, sowie die Rabbinen von Kiel, Rendsburg, Elmshorn, Wandsbeck rc. Der Altonaer Magistrat ,war im Gefolge durch die Herren Bürgermeister Vogler und Senator Hesse venreten. Schaarenweise strömten, als die Stunde der Beerdigung herannahte, auch die Glaubensgenossen des Dahingeschiedenen aus Hamburg herbei; Equipage reihte sich an Equipage-, und deren Aufstellung zog sich durch ganze Sttaßen hin, während eine dichte Menschenmenge das Sterbehans in der Papagoyenstraße umlagert hielt. In demselben wurden von seinen ehemaligen Schülern, Rabbiner vr. Hildesheimer und Schlesinger ergreifende Ansprachen gehalten. Bald nach 11 Uhr setzte sich dann der Leichen-Condnct in Bewegung, worauf eine größere Schaar Knaben, Schüler der israelischen Getueindeschnle mit ihren Lehrern, dann der Leichenwagen, gefolgt von einer nach Hunderten zählenden Menschenmenge, der sich eine Reihe weit über 60 Wagen anschloß. Nach dem üblichen Umzug um die Synagoge (durch die Papa goyeu- , Kirchen-, Breite- und Langestraße) bewegte sich der Zug durch die Lang-, kleine und große Prinzenstraße, Linden- und Langestrahe über den Rathhausmarkt die Königsstraße hinauf nach deni dort belogenen alten israelitischen Kirchhofe, wo, dem von der Regierung gewährten Wunsche zufolge, der Dahingeschiedene neben seiner ersten Gattin seine Ru bestatte finden sollte. Hunderte harrten hier bereits der Ankunft des Zuges und drängten sich um das Leichenhans. in welchem der schmucklose Sarg,' nachdem er aus dem Wagen gehoben worden, zunächst niedergesctzt wurde. Hier ergriff der Schwiegersohn der Verstorbenen, Landesrabbiner l)r. Cohn aus Schwerin, das Wort, um mit bewegter, oft von Rührung unterbrochener Stimme das Andenken des Mannes zu feiern, dessen irdische Hülle nach einem langen segensreichen Lebenswandel nun der Erde übergeben werden sollte. Er pries seine anspruchslose Bescheidenheit, seine ^milde freundliche Herzensgüte, seine tiefe, aufrichtige Frömmigkeit, wie eine große Gelehrsamkeit und anerkannte Autorität auf konfessionellem Gebiete. Der ausdrücklich ausgesprochene Wunsch des Tobten hatte alles Gepränge bei der Bestattung seiner Leiche, sogar die Rede am Grabe, untersagt und einfach und anspruchslos, wie sein Leben, war der Schluß der Feierlichkeit. Holland. Hoorn. Der hiesige Stadtrath hat unfern Glaubensgenossen, Herrn Dr. I. S. Speyer aus Amsterdam, zum Lehrer an der hiesigen höheren Bürgerschule ernannt, (di. I. W.) Rumänien. Bukarest. Der Bukarefter Landtag hat vor einigen Tagen den Beschluß gefaßt, eine rumänische Hafenstadt an der Donau zu gründen. Diese neue rumänische Hafenstadt wird den Nanlen „Koraoia" erhalten. In Bezug hierauf schreibt die rumänische' Zeitung „Trompetta - Krapatzilor" (Trompete der Karpathen) folgendes: Wir beglückwünschen diese neue Stadt mir ihrem schönen Hafen, doch beschwören wir sie, daß sie in ihren Statuten den Punkt aufnehme, daß in der neuen Stadt „Karavina" ein Jude auch nicht eine, einzige Nacht hindurch sich aufhaltcn darf: denn der Fremde soll hier nicht herrschen, und der Jude soll hier nicht eindringen! Wie gestern Abend eine Bukarefter Depesche meldet, hat die rumänische Regierung dem Landtag ein Gesetz borgelegt, nach welchen! die Ausschreitungen der rnmänischen Zeitungen lmit ihren ewigen Dentschennnd Jndenhetzereien» verhindert werden soll. A m e r i { o. Chicago. „Jew. Mess." fordert die Israeliten Anierika's zu weiteren Gaben für die hiesigen israel. Abgebrannten auf. Derselbe schreibt: Vor einigen Wochen, kurz nach dein furchtbaren Ereigniß, sprach Jeder nur von dem großen Unglück und alle andere Begebenheiten waren in den Hintergrund getreten. Jedermann gab mit Freuden sein Schcrstein dazu, unsere Städte! wetteiferten in ihrer Wohlthätigkeit mit einander. Jetzt; scheint Chicago ganz vergessen zu sein. Unsere Gaben j fließen in andere Kanäle. Und trotzdem ist die Noth j noch so groß, die gegebenen Unterstützungen reichten nur i auf eine gewisse Zeit. Die Winterszeit erfordert mehr! Ausgabe, die Geschäfte, besonders des kleinen Kaufmanns - wollen begonnen sein und da fehlen die Mittel. Am meisten leiden in dieser Hinsicht viele unserer Glaubensgenossen und eine weitere Unterstützung ist darum erforderlich. Chicago. Die Sinai-Gemeinde dahier hält, wie amerikanische Blätter melden, in der Olivet Presbytanim-Kirche ihren Gottesdienst ab, bis ihre vom Feuer

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