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Der Israelit · 1871-12-20 · Heft 51 (20.12.1871) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 51 (20.12.1871)
Date
1871-12-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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941 Enden der Erde, aus der Nähe und aus weiter Ferne kamen religiöse Anfragen an ihn, und sein Votum war überall entscheidend. Sollen wir das heilige, fromme, lediglich Gott geweihte Leben ^dcs Heimgegangenen schildern? Alle seine Tage und Stunden widmete er dem Thorastudium und. gönnte sich nur ganz wenig Schlaf; sein heißestes und eifrigstes Streben war zu lernen und zu lehren. Mit welcher Rigorosität, mit welcher peinlichen Aengftlichkeit, aber mit welcher freudigen Hingebung er Gottes Gebote zu erfüllen strebte, das ist nicht zu sagen, nicht zu schildern; der immer so liebenswürdige, sanfte Mann konnte in den größten Zorn gerathcn, wenn irgend etwas ihm bei Erfüllung der Gottesgebote hindernd in den Weg trat. Auch in Altona hatte er stets eine Jeschibah und wir brauchen unter seinen dortigen Schülern einzig Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin zu nennen, um zu zeigen, mit welchem Erfolge er auch hier lehrte. Und wie in mispi min so war er auch in non groß; stets war er bereit, wo er Jemandem sich gefällig erzeigen konnte, und die Armen waren seine Haus- und Tischgenossen. Auch seine Kinder erzog er in seinem Sinne und Geiste; seine fünf Schwiegersöhne sind sämmtlich Säulen des orthodoxen Judenthums; man braucht sie nur zu nennen, um sich ihrer Namen zu erfreuen; sie sind: Herr Landcsrabbiner vr. Cohn '"5 in Schwerin (Mecklenburg), Herr Rabbiner vr. Jsaakssohn '"j in Filehne (bis vor Kurzem Obcrrabbiner in Rotterdam, wo er in Folge _ von Seiten des Vorstandes beabsichtigter Reformen seine Stelle niederlegte), Herr Rabbiner vr. Frey mann ’"j in Ostrowo, Herrn Diftricts- Rabbiner M. L. Bamberg er '"j in Kissingen und Her? Meyer Ettlinger '"j, Kaufmann, in Carlsruhe. Und wie er seine Schwiegersöhne sich ausgesucht, so hat er auch seine Söhne erzogen, voll denen der Netteste in Mohilew in Rußland lediglich den: Talmudstudium und der zweite als Kaufmann in Altona lebt; die andern Kinder ’"n aus zweiter Ehe sind noch jung und werden unter göttlichen! Beistände zur Ehre und zum Ruhme ihres großen Vaters heranwachsen. Was wir noch besonders hervorhcben wollen, das ist die große Liebe, welche der Heimgegangene für das Land unserer Väter hatte und die er allzeit thatkräftig bewährte. Stets nahm er sich der Armen im Heilgen aufs Eifrigste an: das Central-Comitä für den Bau der Armen- und Pilgerwohnungen im heiligen Lande hat in ihm — noch ist die Wunde um R. Joseph Hirsch y'sr nicht vernarbt — seinen Präses verloren. Wann immer er des Landes der Väter gedachte, sei es im Gebete, in der Predigt oder auch nur im Gespräch, so übermannte ihn das Gefühl der Trauer', und seine Augen flössen von Thränen über, Sonntag, 10. Dccember, Vormittags 11 Uhr fand das Leichenbegängniß statt; Tausende'von Menschen! bildeten den Conduct; von Altona, Hamburg und Wandsbeck war wohl kein Glaubensgenosse zurückgeblieben; auch viele Nichtjuden hatten sich angeschloffen; namentlich die Behörden Altona's, der Magistrat rc. Im Trauerhause sprach der Schüler des Betrauerten, Herr Rabbiner vr. Hildesheimer, der von Berlin herbeigeeilt war; am Grabe hielt der Schwiegersohn des Verewigten, Herr Landesrabbiner vr. Cohn '"j, die Trauerrede. Ausnahmsweise wurde die Leiche auf dem alten Friedhofe innerhalb der Stadt beigesetzt, so da^ die irdischen Ueberreste Rabbi Jakobs neben denen seiner großen Vorgänger ruhen. Er weilt nicht mehr unter uns; aber das Wort, das er gelehrt, der Geist, der ihn durchdrungen, die Saat, die er gesäct — sie wirken fort und fort, und so können wir mit dem Talmud ausrufen; irziN apjr». nn »unser Vater Jakob ist nicht gestorben!" Rabbi Jakob Ettlingers segensreiches Andenken wird fortwirken für die kommenden Geschlechter. n"3"s"]"n! Zeitungsnachrichten und Corresponderrzerr. Deutschland. Mainz, 14. Dez. Die religiösen Wirren, welche bekanntlich unter unfern Glaubensgenossen in Ungarn in einer Weise wie in keinem andern Lande herrschen, treten namentlich in der Hauptstadt des Landes, in Pesth, am deutlichsten zu Tage. Der Vorstand der Gemeinde, der Majorität derselben entsprechend, ist reformistisch gesinnt. Es gibt dort eine große Orgelsynagoge mit zwei Kanzeln. Der verstorbene Rabbi-, ner vr. Meisel predigte abwechselnd auf der einen und auf der andern. In neuerer Zeit hat man zwei Reformprediger angeftellt, die Herren Kohn und Kaiserling; ob dieselben zu gleicher Zeit auf beiden Kanzeln predigen, wissen wir nicht. Nun gibt es in Pesth aber auch eine zahlreiche Minorität, welche aus orthodorem Standpunkte steht; um diese bei der Gemeinde zu erhalten, und eine Trennung zu verhüten, hat der Vorstand eine Synagoge nach althergebrachtem Ritus erbauen lassen und will für dieselben einen gesetzestreuen Rabbiner engagiren. Dieses Vorgehen wäre gewiß ein sehr löbliches und tolerantes zu nennen, wenn die Geschichte nicht noch ihren besonderen Haken hätte. Unsere Leser wissen von den Streitigkeiten, welche die Eongreß-Statuten in Ungarn heroorgerusen haben; die ganze ungarische 4 ■? 1 ■i : i

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