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Der Israelit · 1871-12-06 · Heft 49 (6.12.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 49 (6.12.1871)
Date
1871-12-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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904 genzutreten und sie zu beleuchten, damit unsere geehrten Leser, in deren Gegenden jener Schandartikel Verbreitung gesunden, Gelegenheit nehmen, in der liberalen Presse derselben Landstriche durch Wiederabdruck unserer Widerlegung entgegenzutreten. Der Verfasser jenes Schandartckels behauptet, er sei zufällig in den Besitz eines Lexicons der jüdischen Geschäfts- und Umgangssprache gekommen, herausgezeoen von dem „jüdischen" Schriftsteller Jtzig Feitel Stern. (Leipzig und Meißen 1859, Hocd'sche Buchhandlung.^) Der Verfasser beginnt sofort mit einer Lüge, denn ein „jüdischer" Schriftsteller Jtzig Feitel Stern existirt nicht; die angeführten Proben verrathen nämlich eine solche Unkenntniß, eine solche Unbekanntschaft mit Juden und Judenthum, daß es ganz unmöglich ist, daß ein Jude so etwas geschrieben haben kann, wie wir weiterhin Nachweisen werden. Cs ist dieser Name nichts Anderes als ein Pseudonym, den ein Judenfeind usurpirt hat. Schon die Bezeichnung der jüdischen Sprache als der „Lussierkoudischen" zeigt, daß es ein Nichtjude ist, der also spricht. Es ist dies offenbar ein Corruptel von „Laschon Hakodesch", di. „die heilige Sprache," mit welcher Benennung die Juden das Hebräische bezeichnen, die Sprache, in der sich Gott den Propheten offenbart hat. Dieses Corruptel: „Lussierkoudisch" existirt in der jüdischen Umgangssprache nicht. „Afres" soll Sünde heißen; dabei stehe die Nutzanwendung: „unnera größte Sünden sonn, aff mer dre Gojim nit genug meramene senn;" d. h. „unsere größten Sünden sind, daß wir die Christen nicht genug betrügen." Wir fragen, ob in der ganzen Welt ein Jude existirt, der also spricht und der solch einem verwerflichen Grundsätze huldigt? auch finden sich Worte wie „afres" und „meramene" in der jüdischen Umgangsspreche nicht. Der Verfasser führt auch das Wort „beschummeln" an; dieses Wort ist ein in der deutschen Volkssprache üblicher ordinärer Ausdruck; mit Juden und Judenthum hat er nichts zu schaffen. Die Nutzanwendung, „die Gojim recht beschummeln, ist a Gut Werk vor Gott," ist Juden und Judenthum ebenso fremd; es sind das uralte, wahnsinnige, durch Nichts begründete Verleumdungen, welche der Judenhaß ausgeheckt hat. Nicht als Lüge und Verleumdung! Mit „Bes Hakische" (Abort) bezeichne der Jude die christl. Kirche, ebenso mit „Bes Karge", was eigentlich „gemeines Haus" bedeute!! „Gomeekon" (Spitzbuben) sei eine Bezeichnung für die katholischen Geistlichen — Worte, die gar nicht existiren und nirgendwo gebraucht werden. „Haschmidim" sei der Vogelfreie, der zu Verfolgende, die Christen heißen *) Eine Hocd'sche Buchhandlung ezrstkrt weder in Leipzig noch in Meißen. auch so!! „Hifeleverik" (Nichtswürdiger) sei eine Bezeichnung für den Stifter der christl. Religion!! So viel ABorte, so viel Lügen! Wer kennt das Wort Hifeleverik? Welcher Jude hat jemals den Stifter der christl. Religion so genannt? Die niederträchtigste, aber längst ad absurdum geführte Verleumdung gipfelt in dem folgenden Satze: „Das gelungenste ist wohl das Wort „Kloma". „Dieses Wort heißt; Was ich gesagt und geschworen „habe, ist nicht wahr. Dieses Wort braucht der Jude „nur zu faden, wenn er einen Eid schwött, und der Eid „ist dann für ihn unverbindlich. Sollte er aber dieses „Wort „Kloma" zu sagen vergessen haben, oder sollte ihn „später der Eid reuen, so braucht er nur ein Gebet (es „heißt Kolbäddre) an Jon kipper zu richten, „wu alle „unnereAhdschwur dermit oufgelöst unn ze nix gemacht „wern" belehrt uns das jüdische Lexicon. Was kann sich „denn der Jude besseres noch wünschen für den gesell- „schaftlichen Verkehr, für Handel und Wandel? Mit ei- „nem Worte: den Christen gegenüber halten die Juden „Alles für erlaubt. Daher schelten sie die Christen ge- „radezu Malschinem, d. h. Verleumder, oder Moswim, „Verräther, während sie den Stifter der christl. Religion „selbst Momser benette betiteln, ein zotenhaftes Wort, ge- „gen dessen Wiedergabe in deutscher Sprache sich die Fe- „ der sträubt. Die katholischen Mönche heißen sie Götzen- „pnester und das Kloster Mauschef Fackenohrem, d. h. „Haus der Götzenpriester. Die katholischen Priester hei- „ßen sie außerdem noch Nablunem, d.h. Schinder; das „Christenkind heißen sie Schekezle, d. h. Scheusal, oder „Schkoziem, d. h. Unreine." Die Verleumdung, wie wenn das „Kol Nidre" (der Verfasser schreibt „Kolbäddre") irgendwelchen Eid, oder irgendwelches Versprechen oder Gelübde, insofern diese einem Menschen gegenüber geleistet worden sind, aufhebe, ist schon längst viele, viele Mal widerlegt: Jedermann weiß, daß das Kol Nidre sich nur auf solche Gelübde bezieht, die lediglich Gott gegenüber geleistet worden sind wie Fasten, kein Fleisch zu essen /keinen Wein zu trinken und derlei Dinge. Auf den gerichtlichen Eid, auf einen Zeugeneid, auf eine Betheuerung der Wahrheit, auf ein einem Mitmenschen gegebenes Versprechen und Derartiges bezieht es sich nicht im Entferntesten. — Was sollen wir zu dem „Kloma"-Unfinn sagen? Wie heilig gerade uns Juden der Eid, ist allbekannt. Oder wer kennt selbst Worte wie „Nablunem" und „Fackenohrem"? Es ist akso in dein ganzen Artikel nichts als Lüge, Schmutz und Verleumdung enthalten. Ein judenfeindlicher Scriöler hat unter einem jüdisch klingenden Namen vor vielen Jahren ein grauenhaftes Machwerk geliefert, welches die „Neue Augsburger Zeitung" aus der Vergessenheit hervorzieht, um die Juden als staatsgefährlich zu denunciren. Andere Blätter, für das unwissende Landvolk berechnet, beeilen sich, diesen ekelhaften

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