Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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866 der Kunst des Entbchreus und Duldens, die freudig ihr Leben für Gott kingegeben, fein Geschick in freudiger Ergebung hinnehmend, sie Huben sich gemein und unwürdig in ihrer Trauer gezeigt! Das der folgerichtige Schluß aus den Worten des Verfassers. Was nun aber die Citarc des Verfassers für seine neue Entdeckung, daß den Priestern das Zerreißen der Kleider verboten war, betrifft, so sind diese eben auf Täuschung berechnet, wobei die Ehrlichkeit in die Brüche geht. Denn an der ganzen Geschichte ist kein Wort Wahrheit. 3. B. M 21, 10, sind nur dem Hohenpriester die Trauergebräuche verboten, aber nicht, „um nicht gemein und unwürdig zu erscheinen," sondern weil er in dieser Beziehung eine Ausnahmsstellnng inne hatte; er sollte nämlich jeden Tag dienstfähig sein können, die Dienftfähigkeit wäre aber durch eine Trauer unterbrochen worden; fiel ja auch deshalb bei ibm das die nicht öffentlich gezeigte Trauer, fort. Was aber 3. B. M. 10, 6, gesägt wird, bezieht sich nur auf den momentanen Fall, die Freude der Einweihung des Stittzeltes durch Trauer nicht zu stören. Daß aber >en Priestern insgeiammt die Trauergebränche untersagt 'waren, ist unwahr. Der Lehrer des Verfassers in diesem 'Stücke ist Mannheimer, den er endlich noch in einer Note citirt. M. sagt nämlich in einem Vortrage, daß in unser» Trauerceremonien noch Manches fei, was ans einer rohen Zeit auf uns gekommen. „Ich bin nicht bestellt, so fährt er fort, zum Lösen und Binden, darum schweige ich. Aber was in der Schrift steht, das darf ich sagen, Den Priestern in Israel ward es ausdrücklich untersagt, „„sie sollen ihre Kleider nicht zerreißen und nicht wild wachsen lassen ihre Haare."" Dieses Schweigen ist nun allerdings kein Schweigen, man kann Einem nichts Böseres nachsagen, als wenn umn, über ihn gefragt, die Achseln zuckt und — schweigt. Doch wir haben hier nicht mit dem verstorbenen M. zu rechten, lassen tvir die Todten ruhen. Herr E. hätte aber besser gethan, den von ihm verehrten M. gar nicht zu citiren, als daß er einen Ausspruch von ihn: aufsrischt, von dem aus Mancher auf einen Wankelmuth und csne Zaghaftigkeit schließen könnte, die einem Manne von Uebcrz^itgung nicht gut anftcht, denn besser wie mit der Sprache heraus, als so zu schweigen. Wir haben aber gesehen, welche Bewandtrriß es mit dem Citat über die Priester hat. Doch noch Eines möchten wir den Verfasser fragen, warum er nämlich, während er zu allen Trauergebränchen Belegstellen ans der Bibel bringt, für das Zerreißen der Kleider nicht auch Jakob anführt, der als Trauerzeichen über den todtgeglanbten Joseph seine Kleider zerrissen hat? (1. B. M. 37, 31.) Freilich hätte er alsdann von jedem Schulknaben die Frage erwarten müssen: „Hat sich denn Jacob gemein und unwürdig hettagen?" Doch genug! Auch ohne noch die Opferthcorie des Verfassers zu beleuchten, ist wohl schon zur Genüge gezeigt worden, daß das vorliegende Religionsbuch keine erfreuliche Bereicherung unserer jüdischen Literatur ist. V Urogramwmfcharr. Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Unterrichtsanftalten der isracl. Äeligionsgcsellschüft zu Frankfurt a. M. Die dem Prüfungsprogramm heigegebene Abhandlung ons der Feder des Tirecwrs, Rabb. Hirsch, „Aus dem rabbinischen Schulleben," stellt einen großen Theil der in beiden Talmnden zerstreut verkommenden Aussprüche über Schule, Lehrer und „Wissenschaft" zusammen, um durch Sichtung und Systematisirung derselben uns einen Einblick in das Geistesleben der frühem jüdischen Welt werfen zu lassen. Wie sehr die jüdische Anschauung in der Wertschätzung des Geisteslebens, des Wissens und der „Wissenschaft" der nichtjüdischen voran ist, zeigt sich deutlich in den: Begriff des „Schiillebens" auf beiden Seiten. „Unser Schulleben findet innerhalb der Jahre der Kindheit und Jugend seinen Abschluß. Das rabbinische Schulleben cmsing wie bei uns das Kind, aber um noch den Jüngling, den Mann und den Greis durchs Leben zu geleiten. Unser Schulleben wird als Vorbereitung für das „wirkliche" Leben, für das Leben des „Berufes" betrachtet, und nur die Auserwählten, deren „Beruf" selber in die Pflege von Wissenschaft und Bildung anfgeht, finden sich noch als Männer des Berufes, lernend und lehrend ' > inmitten eines Schullebens. Der Zeit des rabbinischen Altertbums gehörte aber lebenslängliche Pflege der Wissenschatt und Bildung zum Berufe eines jeden Mannes." Es kann nicht genug aus die Größe unserer Geiftcsherocn, wie ans den tief sittlichen Gehalt und Inhalt des JudcnthumS, wie derselbe uns im Talmud aufbewahrt wird, hingewiesen, da einerseits verkehrte Leitung und Lehre bei den Söhnen des Judenthums selbst ialiche Vorstellungen über den wahren Gehalt des Judenthums und den Inhalt der talmudischen Schriften erzeugt haben, und andererseits sich wieder Unberufene einer schwarzen Rotte vernehmen lassen, die, das jüdische Blut, das für Deutschlands Einheit geflossen, nicht achtend, die Inden mit S Handlichkeiten begeifern, gegen welche die eines Eisenmenger wahre Kindereien sind. Um so mehr müssen wir uns mit vorliegender lichtvoller Abhandlung des Herrn Rabbiner Hirsch freuen, der wir einen grüßen: Leserkreis als den eines Schulprogrammes wünschen. Die Gaben find auch in diesem Jahre reichlich geflossen. Die Schnlfreguenz betrug im Winter (erstes Semester) 332 Knaben und Mädchen, im Sommer (zweites Semester) 343. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roirischen Hofbuchhandkung. I. Gottsleben's Buchdruckern in Mainz.