Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1871)
- Date
- 1871-11-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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jg 8. (Pädagogische Beilage z» Nr. 46 des „Israelit", xn. J-hrg.) DlAter für Schule und Haus Hleöer Töchterschulen und Wadcheu- UnterrichLi. Von einem Collegen wurde uns jüngst ein Aufsatz über Töchterschulen zur Veröffentlichung übersendet, den wir aber ablehnen mußten, weit die Arbeit nicht gegen einige Mängel, die unserer Akädchenerziehung anhaften, gerichtet war, sondern überhaupt gegen die vielseitige Bildung, wie sie unsere jetzigen höheren Töchterschulen im Allgemeinen anstreben, sich erging, namentlich aber den: Mittelstände das Recht absprach, seinen Töchtern eine höhere Bildung znkommen zu lassen, Behauptungen, die sich nicht mit jüdischen und den humanistischen Prinzipien unserer Zeit vereinbaren lassen, und die somit der Tendenz unseres Blattes schnurstracks znwiderlaufen. Die Crziehullgssrage des weiblichen Geschlechts ist durch unsere socialen Verhältnisse, welche auf eine gewisse Selbstständigkeit desselben hinzudrängen scheinen, und Mittel und Wege für neue, den Umständen Rechnung tragende Erwerbsquellen aufzusuchen erheischen, um einen! drohenden Pauperismus vorzubeugen, eine brennende geworden, und verfehlen wir daher nicht, einen Brief zu veröffentlichen, den der geehrte Verfasser des erwähnten Aussatzes an uns richtete, um seinen Standpunkt zu rechtfertigen, diese Gelegenheit benutzend, in der Erwiederung unfern Standpunkt darzulegen und zu begründen. Wir würden uns freuen, wenn es uns gelänge, durch diesen offenen Briefwechsel eine Discnffion dieses hochwichtigen Themas anzuregen. Der geehrte Herr College schreibt: O . . . „Durch den Briefkasten der geschätzten „Pädagogischen Beilage des Israelit" erfahre ich, daß mein Aufsatz „über höhere Töchterschule" sich keiner günstigen Kritik Ihrerseits zu erfreuen hatte. Erlaube nur, noch einmal darauf zurückzukommen, und zwar im Wege der Correspondenz. Keineswegs, geehrter Herr Doctor, ist die Ansicht, wie ich sie in dem betreffenden Aufsätze dargelegt, eine rein individuelle. Dittes, doch ein Pädagoge von gutem Klange, äußert sich in seinem „Grundriß der Erziehung»- und Unterrichtslehre" S. 201 folgendermaßen über dieses Thema: „In unserer Zeit leidet im Allgemeinen die Erziehung der Mädchen an ebenw großen, ja noch größer» Mängeln als die der Knaben. Während die letztere zu sehr nach dem Princip der praktischen Nützlichkeit gemodelt wird, ist die erstere vielfach auf Schein und Blendwerk berechnet. Die sog. seine Bildung unserer Damenwelt ist meistens ein klägliches Gemisch von leeren Redensarten, couveutiouelleu Manieren und verschiedenartigen Abfällen etlicher Wissenschaften, Sprachen und Künsten, sie scheint vorzugsweise dazu bestimmt zu sein, allerlei Gebrechen des Leibes, die Oberflächlichkeit und Ueberspanntheit des Geistes , . . . . die praktische Untüchtigkeit . . . zu verhüllen u. s. w." Diesem stimmen wir mit vollem Maße bei. Wenn wir auch niemals fiiv fcie preußische Regulative in die Schranken treten werden, so müssen wir uns jedenfalls der Stelle anschließen, die im Okwberhest des Centralblattcs für die gesammte lluterrichtsverwaltung in Preußen sich findet; „Nicht in der griechischen und römischen Mythologie und Geschichte, nicht in der französischen und englischen Sprache liegen die eigentlichen Bildungsquellen für unsere weibliche Jugend, sondern in den Lebenskreisen, denen sie angehört, u. s. w." Ich enthalte mich des Breitem, urtheilen Sie, geehrter Herr Doctor.' Es zeichnet hochachtungsvoll S., Lehrer." ^Hlecensionen. G. Jacob. Deutsches Lesebuch für Oberklaffen isr. Volksschulen. Zweite Abtheilung. Schleswig 1871. (Schulbuchhandlung. Helberg.) 8°. 346 S. Vorliegendes Lesebuch, dessen erste Abtheilung wir schon in einem srühern Blatte dieser Zeitschrift günstig beurtheitten, hat ebenfalls die Vorzüge aufzuweisen, die wir bei dem ersten Theile hervorhoben. Illustrationen, meistens gute Holzschnitte, vermitteln eine richtige Anschauung, namentlich auf natnrhiftorischent Gebiete. Die großen wetterfchütternden Ereignisse des Jahres 70/71 haben auch ihre Beschreibung im Lesebuch in einer gedrängten, jedoch frischen und schön geschriebenen Darstellung gesunden, die der Schüler recht gern lesen wird.