Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 45 (8.11.1871)
- Date
- 1871-11-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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824 unter anderen Völkern unter diesen hätte verloren gehen können; — ein solches Volk, welches, obschon oft verfolgt, jedoch immer Achtung einflößte, und. welches, so lange der Glaube an einen einzigen Gott, in seinem Herzen, auf Erden als ein ewiges Denkmal von Gottes Vorsehung dastehen wird. „Wo der Jude sich auf Erden zeiget," sagt der gelehrte englische Schriftsteller Elioth Warburton in seinen Rcisebilldern des Orients 4), indem er die Worte des berühmten Bischofs Walson citirt, „wo „der Jude sich auf Erden zeigt, sehen wir ein Wesen, „dessen Zeugniß und Charakter die Gegenwart mit „der ganzen Vergangenheit ineinander verschmelzen. „Von welchem Gesichtspunkte wir diesen von Gott „auserwählten Menschen auch betrachten, sehen wir „in ihm das merkwürdigste Geschöpf unter allen Erdbewohnern. „Seine Vollkommenheit, sowohl als seine wun- „derbar bewahrt gebliebene Selbstständigkeit, die Verfolgungen, welche er Jahrhunderte lang zu leiden „hatte, und wovon kein Volk auf Erden ein Beispiel „aufzuweisen hat; seine unsterbliche Hoffnung und sein „stolzes Vertrauen, daß er eines Tages wieder zu „einem großen Volke versammelt werden soll — das „sind seine Charakterzüge." Wir dürfen hinzufügen, daß die Juden wirklich aus wunderbare Weise auf der ganzen Erde verbreitet sind, wie die verschiedensten Flüsse ein ganzes j Land, und wie die Anzahl von Adern den menjchj lichen Körper durchströmen. Jedoch der Brunnen, worin alle diese Flüsse ihr Ursprung finden; die H e r zi aber, woraus alle kleinern Adern Lebenskraft schöpfen, > liegen bei dem Juden in seinem unerschütterlichen! Glauben an ein ewiges, einziges Wesen. Gerade dieser Glaube, welcher unser Dasein gründete, wird die Gottes heiligen Geboten treu gebliebenen Israeliten auf ewig dieses Daseins versichern. „Es ist wirklich bemerkenswerth", lesen wir in dem oben erwähnten Werke, „daß die physischen und „moralischen Züge, von dem Tage an, wo Israel „noch um den Tempel versammelt war, unverändert „geblieben sind. „Lebendige Zeugnisse der Propheten, bleiben sie, „und weigern sich, sich dem Glauben und den angeb- „ lichen Propheten anderer Confessionen zu unterwerfen, „selbst wenn dieselben behaupten, daß diese Prophetien in „ihm selbst erfüllet sein, weil die Israeliten sich an „dasjenige klammern, was noch fortdauernd stattsindet „und noch geschehen muß. „Zweimal war Israel im Besitze seines Tem- „pels; seine Stadt Jerusalem wurde sechsmal (?) zer- „ stört und noch ist sein Vertrauen auf den Wiederaufbau des ersteren eben so stark, wie es glaubt, daß „jeden Morgen die Sonne aufgeht. Es stützt sich auf „das Versprechen: „Gott wird sich Jocob wieder an- „„nehmen und Israel in sein Land zurückführen."" 2) Wenn wir Juden Bekenner anderer Confessionen auf solche Weise von uns sprechen hören, müssen denn auch wir selbst nicht überzeugt sein, daß unsere Dauer bis zum heutigen Tage betrachtet kann werden als 3) ram iSo eo »d uon nb o 'i nort Die tausendfältige Gnade Gottes ist es, die bewirkte, daß wir inmitten der vielen Völkern nicht untergegangen, denn unendlich groß ist sein Erbarmen. Und dieses gibt uns auch die Ueberzeugung, daß Israel eine große Sendung auf Erden zu erfüllen hat. Weift etwa die Weltgeschichte noch ein. Beispiel auf, daß ein über die ganze Erde zerstreutes Volk, seine Gesetze in Ehren gehalten und befolgt habe, wie dieses mit den heiligen Gesetzen Israels der Fall ist? Doch gerade dadurch ist die Dauer Israels gesichert; das ist zugleich die Sendung Israels. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Cprrefpo«- denzen. Deutschland. Bon der hessischen Bergstraße, im Rov Es ist in diesen gesch. Blättern Mn oft die Rede, gewesen von dein religiösen Standpunkte unserer Provinz. Man mag darüber denken, wie man will, so viel steht fest, daß es nicht so schlimm ist, wie man off anzunehmen berechtigt zu sein glaubt. Auf dem Lande ist natürlich im Großen und Ganzen, nuD immer noch reger Sinn vorhanden für ns-«*. Freilich thut es auch sehr Noth, daß wieder neues Leben zugeführt werde.' Denn das zuständige Rabbinät kümmert sich mn gär nichts. Wir wollen heute .nur einen Punkt ins Auge Men. Wir meinen die Jugenderziehung, denn sie ist «nd bleibt der Knotenpunkt alles Lebens, und-des jLdischen insbesondere. Uns find sehr viele Gemeinden bekannt, die entweder keinen Lehrer haben, oder mit Andern an Einem participiren. Der Lehrer gibt einige Stunden in dieser und einige in jener Gemeinde per Woche. Was soll und kann dabei herauskommen? Was am Sonntag gelernt wurde, ist bis Freitag wieder der- 1) IN« Crc*cent «nd the Qrosa. 2) Je«. XIV I. 3) Thren. UI. 21.