Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1871)
- Date
- 1871-10-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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785 rrer jahrelangen Selbstaufopferung seinen schwächlichen Körper bis zu seiner letzten Erkrankung nichts Er, der Vielen ein Netter des schwachen Lebens gewesen — er dachte an sich zuletzt, als bereits die Sichel des Todes über sein Haupt geschwungen war. — Doch genug! Ein kundigere Feder mag späterhin ein detaillirteres Lebensbild dieses Edelsten der Menschenfreunde entwerfen, als meine schwachen Kräfte es erlauben; stete Gefiihle der Pietät gegen Herz als Gelehrten und als Menschen waren es, welche Anlaß zu diesen flüchtigen Zeilen gaben. Er hat nun ausgekämpft einen großen Lebenskampf und ihn bestanden zu seinem ewigen Nachruhme. Sit terra levis! Berlin, im Oct. Ihr geschätztes Blatt hat seiner Zeit die Nachricht gebracht, daß das jüd. Berlin ini September die 200jährige Feier des Bestehens der hiesigen jüd. Gemeinde begeht. Ein spezieller Bericht hierüber war überflüssig. Worin bestand er denn? In der neuen Synagoge erging sich Herr Dr. Geiger in lauter Phrasen von der Zeit der Aufklärung; Lessing ward da gefeiert und Mendelsohn gepriesen; den lieben Berlinern ward gelobhudett comme il kaut — von Allem war die Rede — nur von Eine m nicht — von dem „Einst" und „Jetzt". Ja einst war die Gemeinde eine wahrhaft jüdische und jetzt *?! Muß da Geiger nicht davon schweigen? Ihm ist ja die liebe alte Jüdischkeil eine Schrulle, die nur noch in mittelalterlichen Köpfen spukt. Ach, es war gar nett zu sehen , wie er, seine Aeuglein himmelwärts wendend, der lieben Gemeinde den Segen gab! Auch Bileam segnete! - Daß Orgelion und deutsches Gebet x. das Ganze würzte — läßt sich denken. In der alten Synagoge ließ man jüdische Gebete rezitiren und Aub sprach zum Entzücken aller Hörer wie gewöhnlich bäuerisch — bayerisch wollte ich sagen. In einigen Kreisen hielt man Festessen — jedenfalls das beste vom ganzen Spektakel! Sabbat csyj 'd feierte die biocsM my dieses Fest in einfachster Weise durch eine gediegene Predigt des Herrn Rabb. Dr. Hildesheimer. Er entflammte seine Zuhörer und wies hin auf die Männer und Frauen des alten Berlin, was sie waren und wie sie lebten. Soll das Fest eine Bedeutung haben, ftihrte er aus, so muß das Entschwundene wieder zurückerobert werden, mm, n":i moy müssen die Pfeiler des Hauses, der Schule und Gemeinde sein und dann erst dürfen wir uns freuen, Zeugen der lichten Gegenwart zu sein! Der Säcularfeier ging eine Festschrift, „die Geschichte der Juden in Berlin" voraus, die der Vorstand von Dr. Ludwig Geiger hatte schreiben lassen par ordre du moufti! Wir kommen später, wenn der II. Theil uns vorliegt, auf dieses elende Machwerk einmal zurück. Wir gestehen, daß die Schamröche beim Lesen desselben nicht von unserem Gesichte wich; ein Denkmal für alle Zeit sollte es icin — und ist ein Schandfleck — ein Conglomorat von niyitn und Gemeinheiten, wie wir es von Judenfressern gewohnt sind. Ueberall blickt Hohn und Niederträchtigkeit durch. Kein Wort der Anäkennung, kein fteundlicherMoment; auf Alles und Jedes wirft der Verf. den Stein. Nun wir werden noch Abrechnung halten. Wenn Herr Landshut, der den Stoff geliefert, schweigt, — wir werden reden. Altona. Am Mittwoch-Abend, den 13. Sept., fand in der Synagoge der hiesigen portugiesisch israel. Gemeinde die Säcularfeier der Gründung derselben durch einen feierlichen Act statt, welcher um 5£ Uhr eröffnet wurde. Obgleich die Gemeinde selbst nur aus wenigen Familien besteht, hatten sich doch deren Glaubens- und Stammesbrüder von der hochdeutsch - israel. Gemeinde, den Ober-Rabbiner Ettlinger an der Spitze, sowie die Mitglieder der portugiesisch-israel. Gemeinde in Hamburg, so zahlreich eingefunden, daß das festlich erleuchtete und mit Blumeu und Guirlanden decorirte Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt war. Auch das Frauen- Empor war stark besucht. Der greise Vorsänger der Gemeinde, Herr Moses Piza, hielt die Festrede. Dem Ober - Rabbiner Jacob Ettlinger wurde die Ehre, bei der Herausnahme der kostbar geschmückten Gesetzrollen die Thüren des Allerheiligsten zu öffnen. Einen ganz besonderen Eindruck machten die von dem Chor der isr. Tempel-Gemeinde in Hamburg, unter Leitung des Herrn Eschwege, vorgetragenen Chorgesänge, zum Theil uratte, der portugiesischen Gemeinde eigene Weisen, reich an wunderschönen Melodien. Hierauf folgte eine Art Todtenamt für die Gründer und Gründerinnen der Synagoge, welche am 6. September 1771 eingeweiht wurde, und ein Chorgesang bildete den Schluß der gerade durch ihre Einfachheit so erhebenden Feier. Schweiz. Bern, 23. Sept. Der Bundesrath hat dem amerikanischen Consul in Bukarest, Herrn Peixotto, die, schweizerischen Consulargeschäfte für Rumänien übertragen. (Ung. isr. Wochenschr.) Oefterreichisch-Ungarnische Monarchie Pesth. Diese Woche wurde hier di Generalversammlung des ungarischen israel. Land^Lehrervereins abgehalten. In derselben äußette & em gewisser Kilani, daß die Schulftatutcn des isra^ Congrcffes sehr schlecht seien und beantragte eine AhUberung derselben. Herr Schön beantragte, man mö* überhaupt ein Gesuch an den Cultus - Minister \tö ungarischen Reichstag einreichen, wmenMic*?ie jüdischen Angelegenheiten zu regeln. Cohn au^EEsvar schilderte die Beschränkung und die groß Abhängigkeit der Lehrer in Folge der Schulstatuten v ' ®on9r<$cg und beantragte ebenfalls, daß ie Versammlung den Beschluss H