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Der Israelit · 1871-10-18 · Heft 42 (18.10.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 42 (18.10.1871)
Date
1871-10-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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784 Kränzen und Zwergen überdeckt, die von den verschiedensten Seiten aus der Nähe und Ferne gekommen waren. Aus Bonn am Rhein war ein Lorbeerkranz geschickt worden. Der geschmackvoll mit Blumen gezierte Leichenwagen war von einem prachtvollen Viergespann von Rappen aus den Ställen der Häuser Helbig und Kanz Erich gezogen und von einer Anzahl Studenten, Mitgliedern der Burschenschaft „Buveuruthia", die Fackeln trugen, umgeben. Das 6. Jagerbataillon hatte zur Anerkennung der Verdienste, die sich der Verewigte um die Verwundeten der Jahre 1866 und 1870 erworben hatte, sein Musikkorps zur Eröffnung des Zuges abgeordnet. Die Geistlichkeit aller Konfessionen, die Beamten, das Offizierkorps, die Professoren und Studenten der Universität, unzählige Einheimische und Fremde ohne offizielle Stellung, endlich die Mitglieder der städtischen Kollegien folgten dem Sarge. Eine stattliche Reihe von Wagen schloß den Zug. Es dauerte wohl über eine Viertelstunde, bis der gewaltige Menschenstrom vor dem Auge des Zuschauers vorüber war. So ging es in immer strömendem Regen durch die Stadt, die Fenster an den Häusern waren besetzt und in den Straßen standen, die Menschen zu dichten Spalieren gedrängt. Auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Bayersdorf konnten nicht alle zu dem eigentlichen Begräbnißakte Hinzukommenden Platz finden. Hier brachten die vereinigten Sänger von Erlangen die letzte Huldigung des Gesanges. Freysing, 4. Ott. (Zum Andenken an Professor Dr. Herz.) „Das Leben flicht — Gott sei's gedankt," — das waren die letzten Worte, mit denen unser edler Herz am 21. September d. I., Nachmittags 1 Uhr, seinen Geist aufgab. „Herz ist tobt!" so tönt es traurig allerwärts in Erlangens breiten Straßen, ..Herz ist todt!" und es feuchtet sich mit dieser Trauerbotschaft in vielen Gegenden, nicht bloß Bayerns, sondern auch des Auslandes, manches Auge, das ihn gesehen, das ihn gekannt. Von tiefem Schmerze gebeugt stehen nun in Thränen zerflossen seine vielen, vielen Freunde, Kollegen und Schüler um sein Grab, wohl wissend, daß mit Herz einer der edelsten Männer der jetzigen Zeit, eine Perle im Diamantschmuck der Erlanger medizinischen Fakultät, ein Mann von gründlichem deutschen Wissen durch den Tod der Welt entrissen wurde. Die Stadt Erlangen selbst hat sich in ihr Trauergewand gehüllt, da sie einen ihrer wackersten Ehrenbürger, einen bis zum letzten Athemzuge inuthigen und unerschrockenen Vorkämpfer für die Einigung des . gesummten Deutschlands verloren. Die Fortschrittspartei unseres engeren Vaterlandes sieht sich eines Gliedes beraubt, welches schon seit einer Reihe von Jahren mit bewunderungswürdiger Hingabe in Wort und Schrift für echt deutsche Politik zündend wirkte. Mehr noch aber, als durch seine politische Thätigkeit, hat Herz durch seinen Lebensberuf, dnrch seine Stellung als Arzt geleistet. Seine gründliche Gelehrsamkeit, seine reiche Erfahrung auf dem Gebiete der Medizin, sein genialer prognostischer Scharfblick, fein auf tiefen anatomischen Kenntnissen basirendes Operationstalent — diese glücklichen Eigenschaften waren es, welche Patienten aus den entferntesten Gegenden vcranlaßten, bei dem Manne Hilfe für ihre Leiden zu suchen, der, unscheinbar von außen, wie die Schale eines Kernes, trotzdem stets als glänzendes Gestirn am medizinischen Himmel galt. Und welche Sorgfalt, welche Liebe und Aufopferung bewies Herz, dieser edle Arzt, der Stolz der Israeliten Bayerns, seinen Patienten? Davon mögen und sollen nur die Tausende von Kranken lebendiges Zeugniß geben, welche seine ärztliche Hilfe suchten und auch fanden, wenn Glück und Segen von Oben die Meisterhand unseres Dahingeschiedenen, manchmal in der wunderbarsten Weise, begleiteten! Der Triumph seiner Eigenschaften aber gipfelte in seinem Charakter. Herz war ein Charatter in des Wortes eminentester Bedeutung. Nichts mehr komtte ihn von seiner Anschauung und feiner Überzeugung abwendig machen, wenn er sie einmal als die richtige und allein maßgebende erkannt hatte Der von Natur aus kleine, unscheinbare Mann mit seinem ruhigernsten und doch wieder alle Herzen gewinnenden Blicke glich dann einem Löwen, wenn es galt, mit seinem Mannesworte in offenem Kampfe für seine Überzeugung einzustehen. Ünvergeßlich wird auch für Alle, die ihm näher zu steyen das Glück hatten, seine Toleranz für Andersgläubige sein. Seine Wohlthätigkeit, seine Uneigennützigkeit, die oft mit völligem Selbstvergeffen endete, erstreckt^ sich in gleicher Weise und in gleich rührender philanthropischer Art auf alle christlichen Konfessionen ohne jeglichen Standesunterschied. Herz war der helfende rettende Arzt in den Palästen des Reichthums, wie in der dumpfen Hütte des Fabrikarbeiters. Nicht äußere Auszeichnung, nicht sein von Jahr zu Jahr wachsender Ruf waren es, welche sein rastloses und mühevolles, von Kämpfen verschiedener Art durchzogenes Leben einigermaßen versüßen konnten, nein — Herz fand als Charaktermann seine schönste Beseligung einzig und allein in dem tiefen Bewußtsein, feine natürlichen. schölwn Anlagen bloß der leidenden Menschheit und dem akademischen Unterrichte geweiht zu haben. Was Herz dem stndirenden Jünglinge war, weiß Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung, während seiner einstigen Universitätszeit in Erlangen — ein ariesternder, für die Wissenschaft durch seine herrlichen, beredten Vorttäge und Demonstrationen begeisternder Lehrer, dessen Name im Herzen aller seiner einstigen Schüler und Koulmilitonen ewig fortlebcn wird. Sein ganzes, leider nur zu frühe beschlossenes Leben wurde in den jüngsten Tagen von anderer Seite mit vollem Rechte „eilte ununterbrochene Kette von Selbstaufopferung und Wohlthun" genannt. Leider schonte Herz in dieser seii I < l t t 2 Q b fi Nr. 42, S. 785/786 und 787/788

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