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Der Israelit · 1871-09-13 · Heft 37 (13.9.1871) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 37 (13.9.1871)
Date
1871-09-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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709 Also von Vorwürfen über Sehen und Hören ist )ier die Rede. Wir werden zugleich damit den nacholgenden Vers erklären: nman n« rivvpi na"o w'n nauea;nu n*n lyopn Der Unterschied zwischen dem Sehen und Hören des Menschen und dem des Thieres ist der: Das Thier ieht jede ihm vor Augen stehende Sache, jeden ihm vor Augen gestellten Gegenstand nur theil - und stückweise; es sieht das Thier z. B. nicht einen ganzen Baum, nicht ein ganzes Haus, sondern es tritt ihm das Bild des Baumes oder des Hauses Theil nach Theil, Stück nach Stück in's Auge, und wie das Thier den folgenden Theil, das folgende Stück sieht, hat es schon den ersten vergessen, da es keinen Verstand, kein Reflectionsvermögen hat, um sich alle einzelnen nach und nach gesehenen Theile im Geiste zusammenzuhalten und daraus eine Gesammtsumme, ein Bild des Ganzen seiner Anschauungen zu constatiren, darum hat auch das Thier einen Begriff (von greifen, zusammengreifen, im Ganzen aufzufaffen). Der Mensch hingegen kann zwar immer auch nur Theil nach Theil, Stück nach Stück sehen, aber er hält alles Gesehene im Geiste zusammen und construirt sich daraus das Bild oder die Anschauung des Ganzen, er macht aus vielem Sehen nito nur ein Sehen. Umgekehrt verhält es sich beim Hören? Das Thier, wenn es ein Wort hört, vernimmt nur eine Stimme, einen Ton im dunkeln Ganzen, ohne die Buchstaben und Sylben dabei getheilt, zergliedert, artikulirt auszufassen; der Mensch aber, wenn er ein Wort, einen Satz, eine Rede hört, vernimmt alles zertheilt, zergliedert und sondert und scheidet es aufs Schärfste; daher hört er nicht bloß, sondern er versteht und begreift das Gehörte. Danach wirst der Prophet dem Volke vor, daß sein Schen und Hören bei Betrachtung der Thora große, bedeutende Mängel habe; man mto viel gesehen, es ist ein vielfältiges Schen, ein zerriffenes, zertheiltes und zerstückeltes, kein in sich vereintes, das Ganze zusammenhaltendes «vi. Man hat die gesehenen Theile nicht so lange im Geiste bewahrt, daß man zum Befrist des Ganzen gelangen konnte. Und wie es mit dem Schen ergangen, so hat es sich auch mit dem Hören gestaltet. owk nps man steht mit weit geöffnetem Ohr da, wo Alles im Ganzen wie ein weiter Strom, wie eine dunkle Stamme, wie ein dunkeler Ton hineinströmt, ohne zu verstehen, die Theile scharf von einander au gliedern, so daß das Hineingedrungene klar vom Geiste erfaßt werden könne, yoff' «tn. Dies vorausgesetzt, erhalten wir den Schlüffel zum Verständnisse der Andrücke ron und lyoarn iew in dem oben angeführten Verse. Das Wort n&o steht in der Einheit, pyown in der Mehrzahl. Das Sehen soll eine Einheit, ein Ganzes bilden; sdas Hören aber soll ein Vielfaches aus vielen einzelnen Theile«.. Bestehendes sein. Im onmn nsD finden wir die Anempfehlung zum Hören vor der des Anschauens nyvv mip. In apyi pnn&o finden wir: /»nw* yvv pyDtfn apy rvni lyopn yio» dn mro hier in nto kommt die göttliche Aufforderung zu schauen. Auch hierin hat uns die Thora Großartiges gezeigt. Wir wissen aus eigener Erfahrung, daß wir den Blitz früher sehen als wir den Donner vernehmen, obschon in der Natur der Sache der Donner dem Blitze vorangcht, denn nur durch den Zusammenstoß der Wolken — Donner — entsteht der elektrische Funke, der Blitz. Es ist dies schon in der heiligen Schrift ausgesprochen, wo es heißt: ban D'p-o rv«n a"ri«' ■pyn vip, erst Donner und nachher Blitz, so ist es in den höheren Sphären, und im noch höheren Kreise, im-Kreise der netto, steht erst vdriw' yviv und hernach ojn nto ima. Wie sieht es aber auf Erden aus für den Menschen mit seinem Sehen und Hören? Die Sehkraft des Menschen geht schneller, als die seines Gehörs, und eben darum, wenn die Thora zum Menschen spricht nach seiner Anlage, so ist sie mips ny’Dtto rptn — wdeti ->pn ron, schauet um zu hören. Aber noch etwas viel Bedeutenderes läßt uns die Thora hier hören: Man sieht bekanntlich sehr weit, ja. tausend Meilen weit, wenn keine Hindernisse im-Wege stehen, die den Blick aufhalten.' 'Darum sehen wrr re die Höhe, wo keine Berge und Wände den Blick aufhalten, Sonne, Mond und Sterne, die Tausende, ja Millionen Meilen weit von uns entfernt sind: wo aber Hindernisse uns den Blick verdecken, da können wir nüv in die Nähe schauen, nicht in die Ferne. Das Schicksal, Glück und Unglück rMpi nana, dieses halten die Menschen für eine Sache, die von oben herab kömmt, und dennoch kann Niemand sein Schicksal voraussehen! Beim richtigen Sehen aber, spricht die Thora, wirft Du Alles anders anschauen, ’aa« nm r6*?pi na-o orn jnu. Dein Schicksal liegt nicht über Dir, sondern vor Dir oa^st»; auf Deiner Carrisre und Laufbahn kannst Du Dir das Eine wie das Andere selbst schaffen, bereiten und bewirken, naaa 7ii>i>pi, Glück oder Unglück. So muß der Israelit die Sache ansehen, er muß erkennen, daß sein zeitlicher und ewiges Glück sich daran knüpft, daß er in oer richten Weise sehe und höre und daß er die Thora und ihre rnisD betrachte als die ewigen, unversiegbaren Quellen des Heils.

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