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Der Israelit · 1871-08-30 · Heft 35 (30.8.1871) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 35 (30.8.1871)
Date
1871-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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664 eine deßfallsige Conferenz zusainmentrete, und zwar in einer größeren Stadt und Gemeinde Süd- oder Norddeutschlands. Wohl bedürfen wir keiner Synoden und Versammlungen für das speciell-religiöse Gebiet — obwohl auch ans diesem der Satz angewendet werden könnt: a-6 mv C'pnst» dud — allein auf social - religiösem Gebiete dürste eine solche sehr Noth thun. Eine Aufgaae dieser Conferenz mußte auch darin bestehen, die Äction bezüglich des Ge me in de bundes vom orthodoxen Standpunkte aus zu ordnen und fefizustellen. Daß dieser Gemeindebund wohlthättg zu wirken im Stande sein wird, ist eben so begründet, als die in einer der jüngsten Nummern Ihres Blattes von Ihnen so herrlich motioirte Ansicht, daß das unzertrennliche religiöse Interesse dabei gewahrt werden muß. — In demselben Maße, wie der „Israelit" heilsam wirkt, indem er die Orthodoxie durch die Schrift zusammenfinden läßt, so wird eine derartige Conferenz die Kräfte durch das Wort einigen. Die Conferenz würde ihre Aufgabe im Voraus kennen müssen, die zu behandelnden Themate müssen durch den „Israelit" bekannt gegeben werden, so daß Jeder schon vorbereitet dafür erscheinen könnte. Die Schaffung eines ständigen Ausschusses für die Wahrung der orthodoxen Interessen — nach dem Vorbilde der „Alliance" — würde eine der wichtigsten Aufgaben der Conferenz sein. Das Bedürsniß eines solchen Ausschusses ist bereits zur Genüge bekannt, und sei nur noch dasselbe von folgendem Gesichtspunkte aus zu erwähnen gestattet. Leider sind die Fälle nicht mehr vereinzelt, daß verbotene Ehen in Israel eingegangen werden, derartige Ehen, denen d^jcd cntftammcn. Leider stehen auch die Fälle nicht mehr vereinzelt, daß der tsnip nna nicht mehr vollzogen wird. Würden alle or.hodoxen Kreise einen Centralpunkt ha- Heu, wo stets, wenn solchen Schäden nicht mit Erfolg entoegengearbeitet werden kann, diese wenigstens offiziell angezeigt würden, dann würde doch wenigstens vorgesorgt werden können 'nv'3 onroo? ttp&V. Detzhalb, geehrter Herr Redacteur, veröffentlichen Sie gefälligst diesen Vorschlag, und geben Sic Ihr Gutachten dabei ab, welchem gemäß noch weitere competente folgen werden, und wird der Allgütige dem Gelingen dieser wichtigen Angelegenheit seinen Segen geben, jcn. (Wir sind mit dem Vorstehenden vollkommen einverstanden und haben bereits einleitende Schritte zur Realisiruug dieser Angelegenheit gethan. D. Red.) Holland. Amsterdam. Ueber den Paragraphen im bürgerlichen Gesetzbuche, welcher bei der Eidesleistung eines Israeliten verlangt, daß derselbe bedeckten Hauptes dastehe, wird gegenwärtig in der hiesigen jüdischen Presse vielfach discutirt. Vis jetzt sieht das Gericht einen unbedeckten Hauptes geleisteten Eid der Israeliten als un= Mg an. Oesterrcichisch-Ungarische Monarchie. Brünn, 7. Juli. Vor ungefähr einem Jahre ward von unserem Rabbiner Dr. B. Placzek sowohl durch eine Predigt im Tempel, als auch einige Tage darauf in einer zahlreich besuchten Versammlung der achtbarsten Gemeindemitglieder, die derselbe in seine Wohnung eingeladen, die Gründung eines mährischen Israel. Waisenhauses angeregt. Dieser Gedanke fand eine solche allgemeine Bereitwilligkeit, daß binnen Kurzem nahezu 70,000 fl. zürn Fonde, und 2000 fi. Jahresbeittäge gezeichnet wurden. Die Familie Löw-Beer allein subscripirte 20,000 fl. Gründungscapital und 200 fi. Jahresbeiträge. Vor einigen Wochen sind die von einem Comite ausgearbeiteten Statuten genehmigt von der Statthalterei herabgelangt und es steht zu erwarten, daß dieses segensreiche Institut in einigen Monaten in's Leben treten werde. (Ung. Wochenschr.) Frankreich. Paris. Oberst See, Commandant eines Grenadien'egiments der früheren kaiserlichen Garde wurde zum Brigade-General ernannt. Es ist der erste französische Israelit, der zu einem so hohen Rang in unserer Armee gelangt. (Auch der erste isr. General in Europa.) (Un. Jsr.) Paris. Der „Un. Isr." schreibt: Wir erwarten immer, daß das Centralconsistorium sich mit der Reorganisation des franz. Judenthums beschäftigen werde. Folgende Maßregeln scheinen uns als die Geeignetsten: 1) die Regierung möge ersucht werden, daß sie in Belfort ein Oberrabbinat und ein Consiftorium errichte; 2) Weiter möge an sie die Bitte gestellt werden, daß sie bei allen Oberrabbinern Frankreichs und Algeriens Rabbineradjunkten anstelle, wie dies schon seit lange in Paris der Fall ist; 3) Ferner ist zu verlangen, daß in allen algerischen Gemeinden, unbeschadet der Rechte der eingeborenen Rabbi's, französische Gemeinderabbiner placirt werden. Auf diese Weise wird, trotz der Trennung von Elsaß und Lothringen, eine ziemlich große Anzahl junger Rabbiner Anstellung finden. Spanien. Madrid. Die amtliche „Gaceta de Madrid" vom 19. August enthält ein königl. Decret, nach welchem allen Israeliten, die darum ansuchen, das spanische Bürgerrecht ertheilt wird. Die einzige Bedingung dabei ist, daß sie früher den Eid der Treue gegen die Verfassung und Gehorsam gegen die Staatsgesetze mit Verzichtleiftung auf jede fremde Fahne beschwören.

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