Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 35 (30.8.1871)
- Date
- 1871-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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! XII. Jahrgang. M SS Der Israelit. Ein Gentrat - Grgan für das orthodore Kudenthum. Herausgegeben von Br. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 30. August 5631 (1871). Dicfe Zerrung erlchernt wöchentlich einmal. Mittwochs, in nrindefiens % Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. E. ouer ft. b. 1b kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Le« fc Zungen an. Inserate 2 Sgr. die Petrtzetle oder derm Raum. Oesterrerchische Banknoten laut Cours. Direkte Francozusendung unter Streifband pro. Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Expedition franco emzusenden. Inhalt r Leitende Artikel: Die Heilung der Seele. — Die israel. Gemeinde zu Worms. — Zeitungsnachrichten und EorreshondenzenrDeutschland: Pfungstadt. Düsseldorf. — Oesterr-Ung. Monarchie: Wien. — England: London. — Donaufürstenth.: Bukarest. — Rußl. u. Polen. — Feuilleton: Zur rechten Zeit. Met läge r Leitender Artikel: Liturgisches. üritungsnnchrichten und Eorrefpondenze«: Deutschland: Daimstadt. Würzburg. — i&oüanb: Wmfterbam. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Brünn. — Frankreich: Paris. Paris. — Spanien: Madrid — Amerika: New-Aort. Washington. — Australien: Sydney. Anhalt der Wissenschaft tiche» Meilage: Grätz' Hypothese über die Entstehung des Kanon. — Literarischer Bericht. — Leitende Artikel. Die Leitung der Seele. i Mainz, 22. August. III Wir haben es bereits im vorigen Kapitel ausgesprochen, daß das Wissen des Menschen kein wdtes Wissen bleiben danv daß es vielmehr Einfluß gewinnen muß auf seinen Handel und Wandel, auf sein Leben und Wirken, auf sein Thun und Treiben. So man Jemanden fragt: „Weißt Du, daß der Schöpfer, gepriesen sei Sein heiliger Name, stets bei Dir gegenwärtig ist, Deine Gedanken kennt, Deine Reden vernimmt und Deine Thaten schaut?" so wird er gew.ß diese Frage bejahen. Und wenn man weiter fragt: „Weißt Du, daß Gott allmächtig, vollkom»Wl Wd.M«r alle Vocheü»ng«chaben ist?" so wird er auch diese Frage bejahen. Und fragt man nun zum dritten Male: „Erkennst Du auch Deine eigene Unbedeutendheit und Schwäche dent König der Könige gegenüber?" so wird auch auf diese Frage eine bejahende Antwort erfolgen. Aber, wenn alle Welt das Altes weiß, wie kömmt es denn, daß die meisten Menschen stets der Gegenwart Gottes vergessen, daß sie die unlauteren Gedanken nicht sofort verjagen, daß sie ihre Lippen bestecken mit unreiner Rede, ihre Hände mit sündiger That? Ach, das kömmt daher, daß dieses Wissen nicht immer dem Menschen irr's Bewußtsein tritt, daß es ihn nicht beherrscht imrnerwährend, daß es ihm ein todtes und kein lebendiges Wissen ist. Deßhalb ist es uns heilige Pflicht, dafür zu sorgen, darauf;u sinnen und zu, trachten, daß das Wissen von Gottes Allgegenwart nichk^bloß in unserm Kopfe wohne, sondern auch in unserm Herzen Wurzel schlage, damit es alle Leidenschaften und bösen Neigungen aus diesem verdränge, oder doch wenigstens sie schwäche und bezähme. Nicht zu allen Zeiten ist der Mensch dem Wahren und Guten gleich zugänglich,' Leidenschaften verblenden gar oft, und das Getriebe des Lebens zerstreut. Ja, noch mehr, selbst zu Zeiten der Empfänglichkeit ist diese nicht für Alles gleichartig; so haben wir z. B. hundertmal einen Vers aus der heiligen Schrift oder den