Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 34 (23.8.1871)
- Date
- 1871-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XII. Jahrgang. Der Israelit. j\s Ein Henlrak - Grgan für das orthodore Zudenlhum. Herausgegeben von I>r. LeHmavn in Mainz. Mittwoch, den 2 3. August 5631 (1871). Duft Zeitung erschein: wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. L. »Li« fl. ö. 1b kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen ve» -rrLungm an. Inserate 2 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut CourS. Direkte Francozn» sendung unter Streifband pro. Jcchrgang 4 Thlr. pr. E. oder 6 fl. österr. an die Expckition franco einzusenden. Inhalt r Leitende Artikel: Die Heilung der Seele. — Literarischer Bericht. — JnnmaftnoAtiditcn und Correfpondenzen:Deutsch!and: Volkmarsen. Aus der Wetterau. Heilbronn a. N. Aus dem Ries. Feuilleton: Zur rechten Zeit. Inhalt der Aeilage: tkeitung-uachrtchtr« u«d Correspondenzen rDeutschland: Bensch««. WMerstein. Würzburg. Berlin. Berlin. Frankfurt a.M. Köln. — Oesterr-Ung.Monarchie: Pesth. — Frankreich: Paris. — England: Oxford. — Inhalt der Ertra-ZSeitage: Für dje Rothleidenden im hl. L. — Spenden für die Armen de§ hl. L. — Bau jüd. Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem. — Für die Wittwen u. Waisen im hl. L. — Alliance Jsr. Univ. — Für den leidenden Rabb. Natonek. — Für den unglücklichen Fufelier Rothgietzer. — Für israel. Soldaten im Felde. — Für den verunglückten Cantor Hirsch in Mühlhausen. — Für die Bedürftigen in Fegersheim (Elsaß). — Für die Synagoge in Labiau (Westpr.) — Für invalide israel. Soldaten. — Leitende Artikel. Die Kettung der Seele. Mainz, 15. August. II. Durch die Verbindung des Körpers mit der Seele ist ein Widerstreit im Menschen gegeben. Ein alter hebräischer Dichter schildert denselben in so ergreifender Weise, daß wir uns nicht enthalten können, seine erhabenen Worte in deutscher Übertragung hierherzuftcllen: „All die Tage, in denen die KönigstochM (die Seele) mit dem Körper verbunden ist, erbeben Are Gedanken, und ihr Kummer ist groß; denn es Mlt die Uebereinstimnmng zwischen beiden, und sie streiten und kämpfen, und die Hilfe ist fern. Wehe dem Hause, in. welchem Gatte und Gattin in Unfrieden leben, in welchem die Dornen des Streites, die Disteln der Zwie--- tracht ihre Stätte finden, in welchem das verzehrende Feuer emporlodert an allen Enden und Ecken — also ist der Streit zwischen Körper und Seele, solange sie aneinander gekettet sind; er liebt, gleich Eßaw, die Jagd, sie erkürt sich, dem Jakob ähnlich, edlere Beschäftigungen; sie sttebt zu Gott empor und möchte sich reinigen von allem Unreinen, er aber wünscht vor Allem zu genießen; dem Vergnügen und der Habsucht ergeben, möchte er das Heilige aus dem Hause räumen, während sie zu schöpfen wünscht aus den Quellen des Heils, um den Brand im Hause zu löschen." Dem Geiste aber wohnet die Kraft innc, den Körper zu beherrschen und ihn zu lenken nach dem, wasdie Seele als wahr, recht und gut erkannt hat. Dieses Erkenntnihvermögen nennen wir die Vernunft; sie muß dem Willen die Gesetze vorschreiben, nach denen, er sich, wenn auch häufig widerspenstig gleich einem aufrührerischen Sclaven, zu bilden, zu richten hat. Den. Willen aus die Bahnen zu lenken, welche die Vernunft als die richtigen erkannt hat, ihn dahin zu bannen, auf ihnen aber ihn zu kräftigen, das ist die eigentliche Aufgabe des Menschen. Zu diesem Zwecke ist es nothwendig, daß die Vernunft, der Verstand selbst groß und bedeutend genug seien, das Wahre vom Falschen, das Gute vom Bösen, das Rechte vom Unrechten zu unterscheiden. Es ergibt sich daher für den Menschen eine doppelte Pflicht: die Klärung und Vervollkommnung >