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Der Israelit · 1871-07-19 · Heft 29 (19.7.1871) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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564 ora's- Cbajün - Schule wohl kaum hebräisch Lesen gelernt, von oet Reiigwn nur die dürftigstem Begriffe erlangt haben, wenn sie überhaupt in der überfüllten Gemeinde-Knaben-Schule Aufnahme gefunden hätten. Letztere Schule erzicht ihre Zöglinge stricte für die neue Synagoge; daß. da von dem Cultus der jüd. Religion und vom jüd. Wissen nicht viel herauskommen kann, begreift Jeder, der die hiesigen Gemeindeverhältnisse kennt. Gerade als ob wir noch in Zeiten der Ghetti's lebten, wird hier an das Wachsthum der jüdischen Bevölkerung in schulunterrichtlicher Beziehung nicht gedacht, denn von gemeindlicher Seite gibt es nur eine jüd. Schule; der Ertrag des Schulgeldes ist von der ärmeren Clafse schwer zu erschwingen, was übrigens bei der Ueberfüllung der Schule kaum besprochen zu werden verdient. Wenn da die von Herrn Commifsionsrath Hoff gegründete Schule ein unabweisliches Bedürfnis war, und der Gründer den Dank des Berliner Judenthums verdient, so ist sein Verdienst um so höher anzuschlagen, als er durch das sehr billige Schulgeld genöthigt wird, in jedem Quartal das Fehlende aus eigenen Mitteln zuzulegen. Es wäre gewiß sehr wünschenswerth, wenn bemittelte Israeliten, welche für Erhaltung des alten Glaubens und der alten Religionsgebräuche ein Interesse haben, dies Interesse durch Sperren und Vermächtnisse bethätigten. Es wäre schon ein gemeinnütziger Vorcheil errungen, wenn dahin gewirkt würde, daß die jüdische Gemeinde die Thoras-Chajim-Schule anerkenne. B. Dänemark. Copnhayeir, 10. Juli. Am jüngst verfiossenen 5. d. M. feierte der kgl. Commercienrath I. W. Heymann und dessen Gemahlin, eine geborene Levysohn aus Hamburg, das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Das genannte Ehepaar hat diese Gelegenheit benützt, um eine wahrhaft fürstliche Mildthätigkeit nach verschiedenen Richtungen hin zu entfalten; dasselbe hat an diesem Tage eine Stiftung errichtet, und zwar durch ein Haus, in welchem würdige, nothleidende, unverheirathete Personen, ohne Unterschied des Glaubens, freie Wohnung finden, jedoch so, daß die Hälfte der Wohnungen, im Ganzen 18, Juden Vorbehalten bleibe. Das Haus, welches m der Nahe der Synagoge belegen, war kurz vorher neu eingerichtet worden und die neuen Bewohner sind am 4. Juli eingezogen. Da aber die Zahl derjenigen, die sich um solche Wohnung bewarben, überaus groß (man sagt gegen 700) und eine große Anzahl von diesen besonders würdig und respectabel war, so haben. Herr Heymann und Frau vorläufig auf 5 Jahre ein Kapital bestimmt, von welchem 100 Personen jährlich eine Unterstützung zur Hausmiethe im Bettage von 10 bis 50 Thaler dänischer Reichsmünze erhalten, die halbjährlich ausbezahlt wird. Neben diesem großen Wohlthätigkeitswerke hatte Commercienrath H. durch die Zeitungen sämmtlichen bedürftigen Ehepaaren, die am 5. Julr 1846 im Königreich Dänemark, Herzogthum Schleswig und in Hamburg getraut waren und so am 5. Juli 1871 ihre silberne Hochzeit feierten, jedem eine Unterstützung von 100 Thaler dänische Reichsmünze zugesagt. Der Aufforderung wurde sehr reichlich nachgekommen, und so hat diese immense Wohlthätigkeit vielen Familien nicht allein einen fröhlichen Hochzeitstag, sondern auch eine kleine Stütze für die Zukunft verschafft. Die Armen des Bezirks, in welchem Commercienrath H. ein Landgut besitzt, wurden an diesem Tage gespeist und mit Geldgaben unterstützt; reichliche Spenden wurden den Armen unserer Stadt vertheilt, und an sammtliche armen Juden der Stadt und Umgegend wurden anschnliche Summen in ihre Wohnungen geschickt. Obgleich Commercienrath H. in einer Entfernung von anderthalb Stunden von der Stadt auf dem Lande sich aufhält, begab er sich doch am Feste der silbernen Hochzeit mit seinen Söhnen zum rvnV-Gottesdienst in die Stadt, und erst, von dort zurückgekehrt, empfing er von seiner großen Familie, Verwandten und Freunden Glückwünsche und zahlreiche Beweise der Liebe, Aufmerksamkeit und Dankbarkeit in Wort und Schrift, in Briefen und Telegrammen, kostbare Geschenke, prachtvolle Blumen u. s. w. Commercienrath H., der warmes Interesse für unsere Religion hat und vom ersten Anfang Vorsitzender und Errichter der jüdischen Religionsfchule hier und der jüdischen theologischen Unterstützungsgesellschaft, so wie Vorsitzender der jüdischen Krankenpflegegesellschaft, der ni«p-uD-j muri und Direktor mehrerer wohlthätigen jüdischen Gesellschaften ist, erhielt an diesem Tage von allen diesen Vereinen durch ihre Deputationen Kundgebungen der Liebe und Hochachtung, die er durch sein rastloses Wirken für das Gedeihen dieser religiösen Institutionen erworben. Auch von Mitgliedern anderer Confessionen wurden auf mehrfache Weise dem Commercienrath H., der beispielsweise Mitglied der Bürgerreprasentation und vieler gemeinnützlicher Vereine ist, Ehrenbeweise zu Thöil; so hatten dw Handwerker, hie er durch seine großen Bauarbeiten und auf andere Weise beschäftigt, und als Anerkennung für sein Wirken für die Errichtung der „Industriebau!", welche hauptsächlich dem Handwerkerstande Nutzen leistet, in seinem Garten eine prachtvolle Statuette aufftellen laffen, die dem Jubelpaare durch eine Deputation nebst einer kalligraphischen Adresse überreicht wurde. Mittags versammelten sich die eingeladenen Gäste, gegen 200, in einem überaus geschmackvoll decorirten, eigens dazu errichteten Zelte beim Landhause, und der Commercienrath leitete das Festessen mit einer Danksagung zum Allmächtigen ein, indem er dabei nun tot, spe-

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