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Der Israelit · 1871-07-19 · Heft 29 (19.7.1871) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 29 (19.7.1871)
Date
1871-07-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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548 Dr. Hirschmann aus Augsburg, vr. Vogelftein aus Pilsen, vr. Kompert aus Wien, vr. Desfauer aus Bamberg, Simon Kohner aus Leipzig, vr. Josephthal und Bettmann aus Nürnberg, Rosenbusch, Max Obermayer, Moritz Bauer, Herrm. Kohn und Heinrich Landauer aus Augsburg. Zum Präsidenten wurde Pros. Lazarus aus Berlin, zu Vicepräsidenten vr. Geiger aus Berlin und Kompert aus Wien erwählt. Das sind also die Leute, die sich „Israelitische Synode" nennen! Daß solche Männer, die ihrer großen Mehrheit nach mit dem Judenthum sactisch längst gebrochen haben oder doch die geringste Sach- und Fachkenntniß nicht besitzen, — daß solche selbst bei Neuerungssüchtigen auf Credit und Einfluß nicht rechnen dürfen, steht außer Zweifel. Das einzig Passende an der ganzen Geschichte scheint mir der hiezu gewählte Zeitpunkt onson zu sein, denn jedenfalls ist es eine traurige Erscheinung, der nichtjüdischen Welt gegenüber erklären zu müssen: Diese unsere Mitbrüder sind deni Judenthum entfremdet, sic find jeder Befngniß bar, in reliiösen Dingen ein Votum abzugeben. Wir bedauern as aus der Tiefe unseres Herzens. Heute Vorwittag erwtgte im goldenen Saale des Rachbanfes die feierliche Eröffnung.' Nach einem Choralgesange begrüßte Herr Rosenbusch von hier die Vepfammlung. Der neugewähltc oder vielmehr wiedergewählte Präsident hielt dann die Eröffnungsrede. Er dankte zuerst der Stadt Augsburg für die bereitwillige Überlassung des Saales. Es ist wahr, die Stadt Augsburg verdient für diesen Act der Toleranz jegliche Anerkennung — allein, die großen und gräßlichen Judenverfolgungen, die einst in Augsburg statthatten, boten kaum eine schmerzlichere Erscheinung als diese Versammlung von Dnso, D’m* **)’ Um dem Ganzen die Krone anfzusetzen, beantragte Herr vr. Adler ans Kassel: Herr vr. Geiger aus Berlin, der bekannte Leugner des göttlichen Wortes, der Großvater unbeschnittener Enkel, der sich weif'te, seinem Schwiegersöhne gegenüber auch nur den unsch auszufprechen, daß die Beschneidung an seinen Enkejn vollzogen werde, möge durch ein Gebet den Segen und den Beistand Gottes für die Synode erflchen. Der Antrag wurde angenommen und diese Pwianatton des göttlichen Namens fand wirklich statt!!! Augsburg, 12. Juli. In der heute Vormittag stätchehabten zweiten Sitzung der sogen, israel. Synode wurden von dem Herrn Prä/identen mehrere Anläufe bekannt gegeben, jo eine Einladung der Verwaltung der hiesigen israel. stMusgemeinde zu einem nwrgen, Donnerstag , Nachmittags 5 Uhr im Hotel „Zu den Drei Mohren" stattfinhestde» Festdiner. Zur Berathung kamen die von Wl. Rabbiner vr. Aub a;w Berlin schon auf der ersten Synode eingebrachten Anträge, welche die Ehegesetzgebung und beziehungsweise die Formen der Eheschließung betreffen. Es entspann sich hierüber eine umfangreiche Debatte, daß nur ein Theil der Anträge in der Vormittagsfitzung erledigt werden konnte und die Debatte heute Nachmittags 4 Uhr fortgesetzt werden wird. Der Antrag, „es sei zu gestatten, daß bei Trauungen statt einem Ring wie bisher, auch zwei Ringe verwendet werden — daß nicht nur der Bräutigam der Braut, sondern auch diese dem künftigen Gatten einen Ring überreicht," wurde angenommen. An die Synode sind ii. A. folgende zwei Anträge gelangt: 1. Antrag des Dr. Jellinek ans Wien: In Anbetracht, daß die Satzungen der christlichen Confessionen und die Gesetze der modernen Staaten das Verbot der Verwandtschaftsgrade fast noch strenger als das jüdische Eherecht geltend machen, die Ehe als eine sittliche Lebensgemeinschaft betrachten und demzufolge bei der Schließung derselben Alles verbieten, was die Sittlichkeit verletzt, erklärt die israel. Synode in Augsburg, daß das talmudische Eherecht in Beziehung auf Pwselytcn, welche ans der Mitte des Heidenthums stammen, keine Anwendung auf solche Personen finden, welche aus einer der christlichen Kirchen zum Judenthume übertreten. *) 2. Antrag des Joseph Ritter v. Wertheimer aus Wien: Die israel. Synode in Augsburg erklärt, daß sie im Geist sich Eins fühlt und weiß mit der Gesammtheit des jüdischen Volkes, daß sic voll die Fortentwickelung (!) und die Läuterung if) des Judenthums anstrebt und für unerläßlich hält, um dasselbe zu kräftigen und auf die Höhe seiner Mission in einer neuen Geschichtsepoche zu versetzen, jede Trennung aber in den Gemeinden, insofern sie über die gleichzeitige Existenz verschiedener Gotteshäuser hinausgeht, nicht billigt und die Theilung der Juden in Orthodoxe und Reformer zwei Bezeichnungen, welche nicht jüdischen Religionskreisen entlehnt sind, in der-Geschichte und im Wesen des Judenthums aber keine Begründung finden, entschieden zurückweift. *‘vv) Augsburg, 12. Juli. Die sogen, israel. Synode hat in heutiger Abendsitzung die Berathung über die die Eheschließung betreffenden Anträge fortgesetzt. Zunächst wurde wach, kurzer Debatte der Beschluß gefaßt: daß Niemand wegen Nichtbeachtung eines Ritualgesetzes als Zeuge bei Trauungen oder Ehescheidungen beanstandet werden solle. Die Annahme dieses Beschlusses war mit Einstimmigkeit erfolgt. Ein weiterer Antrag, den vr. Geiger vor- *) Wtt andern Worten: es soll dem Kohen gestattet fern, eine Proselytin zn heirathen. **) Mit andern Worten: man will thun, was Gott verboten hat, das ganze Judenthum und seine heiligsten Institutionen über den Haufen werfen -und dennoch -ein guter Jude heißen.

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