Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1871)
- Date
- 1871-08-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XU. Zührgang. Beilage;« Nr. 32 des Zsraelit. gertirngSnaehrichte« und Eorrefpondenzen. Deutschland. Mainz, 6. August. In den größeren Städten Deutschlands werden durch riesige Plakate die Concerte des Herrn U l l m a n n aus Paris für den bevorstehenden Herbst angekündigt; Herr U. vereinigt nämlich eine größere Zahl Künstler und Künstlerinnen ersten Ranges, mit denen er in den verschiedenen Städten Gastvorstellungen gibt. Was uns veranlaßt, hiervon unfern Lesern Kunde zu geben, ist der Name Maria Monbelli, der in Fuß-großen Lettern an der Spitze des Programmes prangt. Es wird gewiß vom Interesse für unsere Leser sein, zu erfahren, daß diese Künstlerin eine Schwiegertochter unseres berühmten Glaubensgenossen, des Herrn Adolph Cremieur, der zweimal Mitglied der Regierung seines Vaterlandes war und noch heute Präsident der Alliance Jsr. Univ. ist. Maria Monbelü ist eine Spanierin und eine entfernte Verwandte der Er-Kaiserin Eugenie. In früher Jugend heirathete sie den zum Christenthume übergetretenen Sohn des Herrn Cremieur; aber schon nach 2 Jahren mußte die Ehe aus uns unbekannten Gründen getrennt werden. Irr Frankreich findet jedoch keine eigentliche Scheidung, sondern nur eine Trauung statt, so zwar, daß den getrennten Eheleuterr die Wiederverherrathung nicht gestattet wird und immer noch ein gewisses Verhältniß dieselben aneinander bindet. Aus diesen Gründen wiedersetzte sich die Familie Cremieur, als Frau C. ein Engageurent anr Theater annehmerr wollte. Es kam zu einem Proceffe, den die Familie in erster Instanz verlor, beim obersten Cassationshose jedoch gewann. Interessant ist, daß Jules Favre als Anwalt der Frau und Ceemieur als Anwalt seines Sohnes sich bei diesem Processe einander gegenüber standen. Earls ruh", im August. Noch ist in aller Herzen der traurige Ruf: „Die Synagoge steht in Flammen?" in lebhafter Erinnerung, noch steigen in unserem Gedächtniß die dicken Rauchwolken und funkenfprühenden Feuersäulen auf-öde liegt sie jetzt da die Stätte, zu der wir so lange gewandert, um unser Gebet zu Gott zu richten, kahl und leer ist sie so plötzlich geworden. Die Flammen sind ausgelöscht und der Qualm ist verflogen. Die Flammen sind ausgelöscht? — Als vor 38 Jahrhunderten der zweite Tempel in Asche gelegt,! zum zweiten Male schm^zvolle Galuthwanderung ange- I treten werden mußte; ad), da lobexten im Geiste lange! Jahrhunderte hindurch fortwährend von Neuem die Lohen zum Himmel, die Juda fast vernichtet, ihm eine Wunde geschlagen hatten, die nimmer versiegte. Aus der Zerstörung ist aber, G. s. D., ein Leben erwachsen, das kein Brand mehr hinwegfegen konnte. Sie hat die Herzen gekräftigt, gesammelt, entzündet für die Wiedererrichtung des Tempels — des geistigen, der Wer Zeit und Raum erhaben, das Gotteswort ward gepflegt, im Leben geübt, und getröstet fchritt Israel der Zukunft entgegen. Die Flammen glühen noch, die voni Tempel ausgegangen, wenn auch nicht allwärts in gleicher Stärke. Und hier? Es ist bekannt, wie der Tempel schon am verzehrenden Feuer litt, noch ehe das grause Element sich feiner bemächtigte; es ist bekannt, wie eine Anzahl G.-Mitglieder sich sonderte aus Furcht, es würden Institutionen , die ihnen heilig, dem wahren - Judenthume entftemdet werden, es würden neue eingeführt werden, die voll denk Gesetzestreuen als ~*d\x zu betrachten sind. Damals hielten sich Viele, die gleichen religiösen Standpunkt theilen, von solchem Schritte zurück, mit der Devise: „Noch zu früh." Mit einem Male ist es aber klar geworden. Was die Einen gefürchtet wird Wahrheit, was die Anderen gehofft, — ist Täuschung. Das Streben des Vorstandes tritt von Tag zu Tag offener, bestimmter hervor. Ein tragisches Geschick hat alle Zweifel gelöst. Der Vorstand hat, statt auf heiliger Brandstätte zu geloben, den Frieden neu und fest "zu begründen durch den Bau eines echt jüd. Gotteshauses, das alle Anhänger in inniger Eintracht umfassen soll, k a u u — — seine höhnische Freude nicht unterdrücken können über die so plötzliche Lösung des langjährigen Streites.- Im Lyceum haben wir schon en miniature, was uns bevorsieht. Die Orgel wird gebaut, der Gottesdienst geändert werden und so manches Andere wird Nachfolgen. Cs schmerzt gewaltig der Gedanke, daß in Carlsruhe nun auch der unvernieidliche Riß so schnell eingetreten, hier, wo so lange der Sitz der wahren Religiosität, wo Männer, wie p-9 R. Tiah, R. Ascher y'SJi gelehrt unb gewirkt haben. Wer hätte gedacht, daß man so schnell der Vergangenheit vergeben, ja sie höhnen könne! Die Flammen sind ausgelöscht? O nein, verzehrend wirken siefort. da, wo man glaubt, daß sie das Heil gebracht. Die Flammen werden aber n"’N bei uns auch wieder erwärmen, leuchten, werden uns den Weg zeigen, den wir, die wir noch tteu und fest halten an dem Vennächtmß unserer Ahnen, gehen müssen. Wir glauben darum auch nimmer dem