Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1871)
- Date
- 1871-06-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Frankreich. Parts, 11. Juni. Vom Central-Comits der All. isr. ist uns nachstehender Bericht zugekommen: Den 3. April fand in der von der All. isr. in Bagdad gegründeten und von Herrn Marx dirigirten Schule eine glänzende Prüfung statt. Säinmtliche Autontäten der Stadt waren anwesend; der Generälgouverneur de l'Frak, Prinz Mouza Khan, Bruder des Schah, der Generalkommandant der Truppen der Provinz, begleitet von seinen höhern Offtcieren, die französischen und englischen Consuln, der Präsident des Handelsgerichts, das Jngenieurcorps und die Telegraphenbeamten, sowie sälnmtliche Notabeln der israel. Gemeinde. Das ganze Judenviertel war in Bewegung. Man drängte sich, um die von Gold glänzenden Kleider der höhen Beamten zu sehen. Die Schule war prächtig oecorirt und hatte ein festliches Ausschen. Der Gouverneur prüfte selbst die Kinder in der türkischen, der englische Consul in der englischen Sprache. Die Prüfung erstreckte sich hierauf über alle Unterrichtsgegenstände. *) Man versichert uns, daß die erzielten Resultate überraschend waren. Der Gouverneur hat einen der Notadeln der Gemeinde gerufen und ihm in den wärmsten Ausdrücken seine Zufriedenheit ausgesprochen. Der Bruder des Schah hat, als er sich zurückzog, unter den Schülern eine Geldvertheilung vorgenommen. Der englische Consul, Oberst Herbert, war besonders zufrieden von der guten Aussprache des Englischen Seitens der Schüler. Man darf Herrn Marx in Bezug auf die die erzielten Resultate gratuliren. Rußland und Polen. Odessa. Der Erzbischof von Odessa hat aus Anlaß der stattgehabten Judenverfolgungen einen Hirtenbrief erlassen, in welchem das Vorgehen seiner „Heerde" energisch getadelt wird. Das Schreiben schließt mit den Worten: Der unwürdige, die unglückliche Verblendung und Verirrung seiner ihm von Gott anvertrauten Kinder bitter beweinende Hirte Demetrius, Erzbischof zu Cherson und Odessa." Donaufürstenthümer. Bukarest Das „Echo Danubien" schreibt: In Nr. 172 unseres Journals haben wir mit Ver¬ *) Anm. der Red.: Der Bericht zählt hier sämmtliche Unterrichtsgegenstände auf, ohne zu erwähnen, ob auch im Hebräischen unterrichtet wird. Dieses sollte doch in einer jüdischen Schule den ersten Rang einnehmen. gnügen die Ankunft unseres Glaubensgenoffen Herrn Peixotto, diplomatischen Geschäftsführers der Vereinigten Staaten Nord-Amerikas begrüßt. Der Lärm, welcher bei dieser Gelegenheit in allen europäischen Zeitungen und hauptsächlich in der jüdischen Presse entstand, hatte unsere Aufmerksamkeit derart erweckt, daß wir es uns zu Aufgabe stellten, zu prüfen, ob die vorausgegangene Lobpreisungen des neuen Consuls die Folge einer Unüberleguna oder einer auf die höchste Stufe getriebene amerikanischen Reclame sei. Die Ankunft des Herrn Peixotto traf gerade zusammen mit den Verfolgungen der Israeliten St. Moineschti, woselbst es verboten wurde, das Vieh nach mosaischem Ritus zu schlachten und die israelitischen Metzger mißhandelt und verhaftet wurden. Es erfolgte sofort unsererseits eine schriftliche Bitte an Herrn Peixotto, seinen Einfluß zu Gunsten der Opfer dieser ungerechten Verfolgungen geltend zu machen. — In Antwort unserer Bitte, erhielten wir die Einladung, uns zu dem neuen Consul zu begeben, wo dieser uns durch Vermittelung eines Dolmetschers (denn Herr Peixotto spricht weder Deutsch, noch Französisch, noch Italienisch, noch Rumänisch) erklärte: 1. daß in der Sache, um die es sich handelt, keine amerikanische Interessen im Spiele seien, und 2. daß er von der rumänischen Regierung noch nicht das Exequatur habe. Wir waren deßhalb gezwungen, die Sache bei dem Minister des Innern vorzubringen. Unser Besuch bei Herrn Peixotto hat einen unangenehmen Eindruck auf uns gemacht. Wie, sagten wir uns, konnte Herr P. eine so delicate und wichtige Mission, die Verbesserrrng des Zustandes der Israeliten in Rumänien zu bewirken, übernehmen, ohne daß er die Sprachen, die in dem Lande gesprochen werden, in welchem er feinen Einfluß geltend machen will, versteht, und wie konnte er einwilligen, daß die Israeliten von Washington (soll heißen in den Städten der Vereinigten Staaten) 150,00 Dollar ihm zur Verfügung stellen, während er seine Jntervelttion nur zu Gunsten amerikanischer Israeliten, deren es aber in ganz Rumänien keine gibt, ausüben kann'? Bei den Verfolgungen der Israeliten zu Huschi that Herr P. wiederum nichts für die Unglücklichen, und zwar aus dem Grunde, weil es keine amerikanischen Unterthanen seien, und gegenwärtig die Minister zu viel mit den Wahlen beschäftigt seien. Wir glauben nicht, daß Herr P. auf diese Weise im Sinne seiner jüdischen Mitbürger in den Vereinigten Staaten handelt. AS Z E Labiau in Ostpreußen, im Mai 1871. Geliebte Glaubensgenossen in Israel! Wir wenden uns an Euch mit der Bitte: uns I G E ff. zur Erlangung einer Stätte der Gottesverehrung behülflich zu sein. Soweit unsere Erinnerung reicht, wurde in unserer