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Der Israelit · 1871-06-07 · Heft 23 (7.6.1871) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 23 (7.6.1871)
Date
1871-06-07
Page
– (sequence 20)
Language
German
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454 T ■> i'- y f t. Drei Tagereisen über Ebenen mit Dünen und Gexölle bringen von Sefya nach Telyg, wo man 140 Brunnen zählt, und noch eine halbe Tagereise nach den Salzminen von Taudeni *), wo einige kleine Häuser noch bewohnt sind, andere größere, von Mauern umgebene dagegen leer sichen und von hohem Alter zeugen. Auf der 12 Tagereisen langen Strecke von Taudeni nach Arauan trifft man nur den einzigen Brunnen Unan, 2 Tage von Taudeni, und 2 Tage jettfeit dieses Brunnens beginnt eine ungeheure, meerähnliche, vollkommen todte Wüstenfiäche von 8 Tagereisen Breite. Hier würde man vergebens nach dem kleinsten Steinchen suchen. Diese Wüste hat nur das eine Gute, daß sie wegen Mangels an allen Lebensbedingungen keine Räuber beherbergt. In Arauan hatten zwar die Strapazen der Reise ein Ende, aber Bedrängnisse und Gefahren nahmen nun erst eigentlich ihren Anfang. Die Todesdrohung des Scheichs der Berabisch-Araber konnte Mordokhai augenblicklich nur mit dim Versprechen, zum Islam überzu- Iteten, abwenden, und vor die Thomas geführt befreite er sich von der Erfüllung dieses Versprechens durch Herausgabe seines halben Vermögens und die Zusage einer jährlichen Zahlung von 10 Misen Gold (125 Francs) per Kopf. So blieb er ein Jahr in Arauan, erwirkte sich aber 1859 durch ein Opfer von 100 Misen (1250 Franks) vom Scheich Mohammed el-Habyb von Arauan die Etlaubniß, mit einer Karawane nach Timbuktu abzureisen. Hier angelangt fand er die erbittertsten Feinde an seinen Landsleuten, den mohammedanischen Kausleuten aus Marokko; er wußte sich aber beim Sultan Arned Ahmadu von Hamd-Allahi, der damals die Hauptgewatt in Timbuktu hatte, gegen das Versprechen einer jährlichen Abgabe von einer Kameel-Ladung Schwefel (über 2000 Francs Werth) die Erlaubniß zum Aufenthalt in der Stadt zu verschaffen, ja er durste sogar Aiidere seines Glaubens Nachkommen lassen. Seine Feinde brachten es zwar 1860 dahin, daß er ins Gefängniß geworfen wurde, doch entfloh er zugleich mit Sidi-Mohammed, einen Bruder des edeln, durch Barth berühmt gewordenen Scheich el-Bakkay, nach Hamd-Allahi und fand dort so kräftigen Schutz, datz er nun mit seinem Bruder einige Jahre ruhig seinen Handelsgeschäften nachgehen konnte. Es gibt oies wiederum einen Beweis, daß der für europäische Reisende so gefährliche Fanatismus der mohammedanischen Bevölkerung leicht durch Geld unschädlich gemacht werden kann. Fast alle wissenschaftlichen Reffenden aber sind mit sehr geringen Mitteln nach dem Sudan gekommen, und dies hat hauptsächlich ihre Verlegenheiten und das Mißüngen ihrex Plane verschuldet. Darum sollte man keine neue Expeditton dahin unternchmen, wenn nicht reichliche Geldmittel zur Verfügung stehen' mit solchen aber dürften manche bisher stets gescheiterte Pläne leicht ausführbar sein. Mordokhai war Anfangs außerordentlich vom Glück begünstigt, 1863 ging er selbst nach Akka und kehrte mit 28 Kamel-Ladungen nach Timbuktu zurück, acht andere Juden, meist Verwandte, folgten ihm dahin, und 1864 reiste er abermals mit einein großen Waarentransport nach Marokko, setzte ihn in Mogädor ab uud begab sich nach Genua und Venedig, um Glasperleit und andere bei den Negern beliebte Artikel einzukaufen. Das in so großartiger Weise betriebene Geschäft warf reichen Gewinn ab, doch bald sollte er die Unsicherheit der Handelsfpekulationen in jenen Ländern bitter empfinden. Schon gegen Ende des Jahres 1863 plünderten die Arib, die theils im Draa, theils auf marokkanischem Boden leben, feinen jüngsten Bruder aus, der mit Straußfedem, Elfenbein und anderen Sudanwaaren imWerthe von 50,000 Francs unterwegs war. Er selbst erlitt nach seiner Rückkehr aus Italien auf dem Wege nach Timbuktu ein gleiches Schicksal von Seiten anderer Räuberstämme, und als er mit geborgtem Gelde eine neue Waarenfendung ausgebracht hatte, fiel auch diese in die Hände der Räuber. Scheich el-Bakkay, der im März 1863 die Fellata von Hamd-Allahi geschlagen und seitdem wieder die Oberhand in Timbuktu hatte, bemühte sich vergebens, ihm Schadenersatz auszuwirken, und nachdem Mordokhai noch das ganze Jahr 1868 im Sudan verweilt hatte, kchrte er 1869 als rninirter Mann nach Akka zurück. Keineswegs entmrithigt dentt er demnächst wieder nach Timbuktu zu gehen und verspricht europäischen Reisenden bei sich und seinen Brüdern bereitwilligste Aufnahme. Durch Vermittelung des Cvnsul Beaumier würden mithin Europäer einen vielleicht sehr wichtigen Anhaltepunkt in Timbuktu haben. Die Reise von Afta dahin bietet nach Mordokhai's Versicherung keine ungewöhnlichen Schwierigkeiten, man kann sich entweder der großen jährlichen Karawane anschließen, die wegen ihrer Stärke vor Räubern sicher ist, aber freilich 65 bis 80 Tage auf dem Wege zubringt, oder ohne Maaren in 23 Tagen dahin reisen (von Akka nach Jgidi 5, nach Ergeschasch 4, nach Taudeni 4, nach Arauan 5, nach Timbuktu 5 Tage), was viel angenehmer und ziemlich eben so sicher ist, denn gepäcklose Reisende werden in der Regel nicht von Räubern belästigt. Die Miethe eines KaMeels kostet 250 Francs hin und 150 FraücS zurück, das Gewicht der Ladung darf nicht 450 Kilogramm übersteigen. Ein Courier erhält für die Reffe von Akka nach Timbuktu und zurück, zu der er höch-f stens 50 Tage braucht, 750 Francs. * *) Mordokha! schreibt Tauadny. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofhuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.

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