Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 23 (7.6.1871)
- Date
- 1871-06-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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445 sprechen, daß ein '-ciivtr irgendwo keinen vos wußte. In seinen Reden und Vortragen, die non Phrasen, Ausfällen auf Rom und politischen Schlägwörtern strichen, damit das Ganze Nicht trocken wie ein Herbarium aussehe, oder den Andlick einer Worischen RumpelkarstMer und eines Sammelsuriums darbiete, citirt er sehr oft Maimonides als Gewährsmann, der sich sicherlich für diese zweifelhafte Ehre bedangt hatte; wohlweislich vergeht man solche Stellen Mit Stillschweigen, wo eine entgegengesetzte Ansicht ausgesprochen ist «v so- -.Lpwo Besonders gerne reitet Herr vr I. sein Steckenpferd, die Proselytenmacherei, und da schwärmt er von einer jüd. Weltreligion, die alle ceremonielle Zuthat aufgegeben und mit den bloßen Ideen die Menschheit erobern muß. Da eröffnet sich ihm ein weites Feld zur Thätigkeit Und er hat die Hände vollauf zu thun, um die Paare zN trauen, von denen ein Theil in den Schovß des Jndetühums sich aüfnchmen ließ, daher er auch in den rni'tzO UNd f'd nicht unterbricht. Die Cönfirmation der Mädchen wurde auch unter H. I. eingefÄhrt; was kann man also noch mehr verlangen. Dieser erste Kabbalist von Brockhaus Gnaden will aber seinem Ehrgeize fröhnen, seinen Ruhm auf billige Art noch erhöhen. Das Rezept dazu ist sehr einfach. Man gründet eine Lehranstalt für Rab.-Candidalen, wozu es an Geld nicht fehlen dürfte. Die Bibliothek ist zusammengewürfelt aus den verschiedensten Büchern von reichen Leuten, denen das Hebräische terra incognita ist, die also den unnöthigen Ballast von ihrem Hause ausräumen wollen, um sich nicht an die Vergangenheit erinnern zu müssen. Uebrigens entspricht auch die Bibliothek ihren Zwecken nicht, da die Lesestunden sehr beschränkt sind und man in diesen jedes einzelne Buch verlangen muß, wozu der Custos, ein wahrer Cerberus, nicht immer freundliche Mienen macht. Kurz und gut, wir haben diese Anstalt genügend betrachtet und ihr auch heimgeleuchtet; sie ist gerichtet; man erkennt ihre absolute Unfähigkeit und Unwürdigkeit, eine Vorschule zur Facultät zu bilden; überhaupt kann eine Facultät keine Rabbiner heranbilden, wenn nicht die Hörer zuvor eine gute Jeschibah besucht haben und gründliche Vorkenntnisfe mitbringen. Die Seminarien leiden auch an dem Gebrechen der Talmudschwäche und wer weiß, ob die cisleich. Regierung veranlaßt gewesen wäre, eine Facultät ins Leben zu rufen, wenn die ung. Rabbiner seinerzeit etwas Nachgiebigkeit an den Tag gelegt hätten und für Creirung eines Seminars aus dem ung. jüd. Fonde eingestanden wären, wo sie Männer nach ihrem Wunsche und ihrer Richtung hätten anstellen können. Leider ist das vorbei und rö rmyo» Doch Pflicht ist es der wahrhaften Juden einem noch größeren Uebel vorzubeugen, daß nicht unwissende Rabbiner heranwachsen, und wir fühlen uns in unseren religiösen Gewissen gebunden, den cisleich. Gemeinden, von denen die Regierung Gutachten forderte, wie auch fungirenden ehrlichen Rabbinern ein vickvant oonsulvo zuzurufen. Mögen sie Anstalten treffen, daß das Judenchum in der Zukunft nicht geschädigt werde und Garantien fordern, daß die Facultät wahrhaft religiöse und gründlich gelehrte Rabbinen mit jüd. Wissen heranbilde. Ebenso ergeht ein Mahnruf an die Curatoren der mähr, böhm. Und galizischen Landesmassefonds, daß sie behutsam zlt Werke gehen und wohl überlegen mögen, ehe sie Liese jüdischen Zwecken dienende Fonde zu der Errichtung einer theol. Facultät bewilligen, wenn sie nicht die sichere UeberZeugung haben, daß diese 'Staatsanstält wirklich nur das Beste und Nützlichste fürs Judenchum wirken wird. Sv dies nicht der Fall ist, haben sitz das Recht und die Pflicht, ihr Veto bei der Abstimmung einzulegen und dahin zu streben, daß mit diesem jüdischen Gelde nur echt jüdische Zwecke realisirt werden, daß lieber wie bisher Rabbiner, Lehrer ustd kleinere Gemeinden daraus Subvention erhallen ustb auch Jünger der talm. Wissenschaft damit unterstützt werden, welche an bewährten Jischiboth sich zum Rabbinate ausbilden. Pesth Der hiesige isr. Friedhof ist seit lange ziemlich überfüllt Vor einem Jahre schon wurde der Gemeinde vom Magistrate ein angemessener Raum zu diesem Zwecke versprochen. Das Versprechen wurde jetzt eingelöst. Merkwürdig ist, daß dieser neue Friedhof eine Art Garten erhalten soll als Begräbnißplatz für reiche Leute! Sollte also auch da ein Standesunterschied herrschen! Nein!!fcin Dtf?rui pop mon Dra pv-v pw! Soweit darf der irdische Stolz nicht zur Geltung kommen. (Pesther. israel. Ztg.) Pesth In dem ung. Reichsrath sind nun drei Israeliten; jüngst wurde nämlich von der Stadt Arad der Sohn des ehemaligen Rabbiners zu A. Herr Franz Chorin zum Abgeordneten gewählt. Holland. Haag. Der hiesige Stadtrach hat den Herrn vr. L. Bleekrode als Lehrer am Gymnasium dahier angeftellt. (N. I. W.) England London. Es hat sich dahier zur Unterstützung der so hart bedrängten Glaubensgenoffen in Odessa, ein Comitö gebildet. An der Spitze desselben stehen die angesehensten und einflußreichsten Männer, so die Herren C. v. Rothschild, von Worms, Goldsmid,Bischoffsheim u. A. Bereits sind für diesen Zweck 36,000 fl. eingegangen. (Jew. Chr.)