Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 20 (17.5.1871)
- Date
- 1871-05-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Umständen ihre Pflicht thun, und das ihr übergebene Kind durch Unterricht in den Stand setzen, später, wenn es selbstständig ist, den Ansprüchen der Religion gemäß leben zu können; den Conslict mit dem Hause hat sie umsoweniger zu berücksichtigen, da sie es nicht ist, die ihn Hervorrust." Aus der Uebersicht der durchgenommenen Pensa ersehen wir, daß die angeführten sreimüthigen Worte des Leiters der Anstalt bereits in die That übersetzt worden sind, und wollen wir hoffen, daß die Schule aus dem neubegonnenen Wege rüstig fortschreite, um in dem Bestreben immer besser zu werden, endlich wieder zu den Urquellen des jüdischen Gesetzes, zum Talmud und Schulchan Aruch tn der Ursprache zurückzukehren. Ein ehrliches und redliches Streben wird gewiß all die Uebelstände beseitigen, die rabbinische Mißleitung während einer dreißigjährigen Amtsführung hervorgerufen hat, nnd welche die kurze Thätigkeit des Vorgängers Or. Rahmer's nicht beseitigen konnte. Es ist traurig genug, wenn es dahin kommen mußte, daß, wie wir aus vorliegendem Programm ersehen, eine Schule sich in die Nothwendigkeit versetzt sieht, die Liturgie als Lehrobject aufznnehmen, und die Schule gänzlich in religiöser Beziehung an die Stelle des Elternhauses treten zu lassen. Wir begreifen diese Nothwendigkeit, wenn wir die von B. Jacobsohn dem Programm vorgedruckte Abhandlung „Die Liturgie als Unterrichtsgegenstand in der Religionsschule" lesen, aus welcher wir erfahren, daß die Schüler nicht im Stande waren, new oder die selbstständig im Gebetbuch aufzusuchen. Möge mau aber auch dort mit der unjüdischen Confirmation tabula rasa machen; jedenfalls aber freuen wir uns, der vorliegenden Schrift zu entnehmen, daß, während von 74 Mädchen 11 sich in der Conffrmandenclasse befanden, von 71 Knaben die Confirmandenclasse nur 4 aufzuweisen hat. Die Schülerzahl beträgt, Knaben und Mädchen zusammengenommen, 145. 8) Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung 'der Religionsschule in der Gemeinde Adaß Jisroeü Director: Rabb. vr. I. Hildesheimer. Mit der Gründung der Adaß Jisroel beginnt für das Judenthum Berlins eine nelie Aera. Es war ein thatsächlicher Protest, die Grüdnng dieser Gemeinde gegen das unjüdische Gebühren des Berliner Gemeindevorstandes und eine Emancipirung von dem Bebormundungssystem desselben und dem Gewissensdruck, den er ausübte. Sollte aber die mannhafte That nicht nur eine momentane, sondern eine für die Zukunft bleibende Bedeutung haben, so mußte auch für die Zukunft gesorgt werden, itnb das konnte nur geschehen, wenn man j die Heranwachsende Jugend zu den Urquellen unseres jüdischen Heiligthums zurückfuhrte, wenn man unser heiliges Erbgut, die Thora, das Einzige, das wir aus den Stürmen der Zeiten herübergerettet, und das, indem wir es für uus erhielten, uns als Juden erhalten hat, in die Hände der Kleinen legte. Und das hat man in Berlin gethau, in dem Berlin, dessen Abfall sprichwörtlich geworden ist. Wenn aber auch früher wohl Männer bemüht waren, durch Gründung einer Schule das Studium des Gesetzes zu erhalten, für welche der wackere vr. Friedländer so Unendliches geleistet, au welche er mit uneigennütziger Hingabe seine besten Kräfte gesetzt, so stand doch diese Schule in so loser Verbindung zu einer Gemeinde, war so sehr auf die Kraft eines Einzelnen angewiesen, daß das Fortgehen des Dirigenten von Berlin hinreichte, das ganze Institut zerfallen zu lassen. Jetzt ist die Sache anders geworden: es hat sich eine Gemeinde gebildet, die Schule ist eine Gemeiudeiustitutron und trägt schon dadurch die Garantie des Bestandes in sich. Die Adaß Jisroel kann sich aber auch ganz besonders Glück wünschen, daß es ihr gelungen ist, einen Mann von dem Ruse nnd der Lauterkeit der Gesinnung, von der Energie und Thätigkeit eines vr. Hildesheimer, an ihre Spitze stellen und seiner bewährten Hand nicht allein die Erwachsenen, sondern, was viel mehr bedeuten will, die Jugend zur Erziehung anvertrauen zu können. Wir sehen, aus vorliegendem Programm, daß alles Mögliche aufgeboten wird, neues Terrain für unsere heilige Gotteslehre in Berlin zu gewinnen, und schlagen es für Berlin doppelt hoch an, daß man, woran früher Niemand gedacht, auch den Mädchen die Möglichkeit einer genaueren Keuntniß der heil. Schriften im Urtexte bietet. Die Nothwendigkeit und die Wichtigkeit, dem Mädchen den Urtext der Bibel zu öffnen, legt die dem Programm vorangehende Abhandlung „Etwas über den Religionsunterricht der Mädchen" dar. 7 Lehrer, der Director einbegriffen, unterrichten an der Anstalt, welche 5 Knaben- und 3 Mädchenclaffen hat, und denen in diesem Jahre noch eine Classe 'zugefügt werden wird. Die Knaben werden bis zum Unterricht des Talmud geführt. Möge die Anstalt immer mehr gedeihen, mögen sich namentlich recht bald die Geld - Calamitäten heben, an denen das junge Institut noch leidet! Briefkasten. Herrn O. in Biblis: Ihre Arbeit erscheint in einer der nächsten Nummern. WM*' Correspondenzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung m diesen Blättern wolle man gefälligst adrefsiren an vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Verantwortliche Redaclion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buchdruckerei in Mainz.