Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1871)
- Date
- 1871-05-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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381 Kopfe und das Brusttuch mit Flittergold umgenommen. Der Tisch wird gedeckt, die Lichter werden angezündet. Die Frauen verrichten das Lichtgebet, Die „Schil" is aus" und mit einem „Git Schabbes" betreten die Söhne Zions ihre Behausungen. Der Herr des Hauses „macht Kidesch", genäßt sich die Hände, macht den rituellen Brodanschnitt, die „Moze", und vertheilt Weißbrot. Man verzehrt langsam die Fische, die Suppe mit „Lokscheu", das Fleisch und das „Zimes". Die Zwischenpausen füllen fromnre Gesänge, an denen sich der „Orech", der arme Tischgast, der selten fehlt, wacker betheiligt. Am Sabbat-Morgen sehen die Städte Galiziens ausnahmslos verödet, entvölkert aus. Nach der „Schul" wird das „Scholet" verzehrt. Auch dieses Mal wird mit Gesängen nach hundertjährigen Melodien garnirt. Die Frommen lesen sodann im Talmud. Die Andern promeniren gravitätisch im Schabbesstaat durch die Straßen. Die allzu frühen Heirathen, wie sie in Galizien noch immer an der Tagesordnung sind, dürften kaum auf den Beifall des Ministers vr. Schäfele zu rechnen haben. Fünfzehnjährige Mütter, achtzehnjährige Väter, also der genaue Gegensatz der Schaeffle'schen Maxime: „Die privilegirte Vermehrung der Menschheit auf ein möglichst geringes Maß zu reduciren." Wenn auch nicht von diesem originellen Standpunkt, so doch aus anderen Motiven ist diese Gewohnheit nicht immer zu rechtfertigen. Man kettet willen - und urtheilslose Kinder aneinander und gibt sie der Noth und dem Elend preis. Bei den Schwiegereltern „Kost essen" kann man ja nicht ewig. Die Bedürfnisse sind zwar äußerst gering, aber was frommt das, wenn auch das Wenige unerschwinglich ist? Damit hängt die in der Regel mangelhafte Erziehung der Kinder theilweise innig zusammen. Wir haben bei unserer fluchtigen Schilderung zwar speziell von Lemberg gesprochen, allein was wir skizzenhaft mitgetheilt, trifft eben so gut in Brody, Krakau und den meisten anderen Städten Galiziens zu. Die Lage der Juden trt diesen von der Natur sonst reich gesegneten Landen hat sich — von einzelnen Existenzen selbstverständlich abstrahirt — seit Jahrhunderten leider kaum gebessert. A IV Z E | Nekrolog.] Kaum begegnen wir in der Beilage zu Nr. 16 des „Israelit" der Trauerbotschaft über den in Frankfurt a. M. dahingeschicdenen frommen Jüngling Joseph Plaut aus Schenklengsfeld, als wir auch den Tod seines Bruders Jisaschar Plaut in Schenklengsfeld, zum unaussprechlichen Schmerz seiner Eltern und Geschwister und zum Leid aller Verwandten und Bekannten, erfahren. Am hdd n^on ^ln nascr, den 8. April, entschlief derselbe in seinem 25. Lebensjahre, als eben die Dwb® um seinen Bruder zu Ende waren, zu einem besseren Leben und wurde den 3. Tag lywn bin zu Grabe getragen. Nachdem die beiden älteren Söhne des ior 'in von ihrem Vater dem Thora - Studium gewidmet waren, wurde dieser dritte Sohn zur Mitwirkung tut väterlichen Geschäfte angehalten. So oft aber derselbe ein Stündchen erübrigen konnte, wandte er solches zu min an und suchte, unterstützt von seinen Eltern, soviel es ihm nur möglich war, sich in dieser heiligen Wissenschaft dvd® nwb Kenntnisse anzueignen. Nach Vollendung seiner Tagesgeschäfte konnte man ihn gar oft noch in der spätesten Nacht, ermüdet I GE N. von des Tages Last, am Lerntische bei ’tsn qj? poin oder Di« "n beschäftigt sehen. Nie versäumte er nms ndsn und war stets einer der Ersten und Letzten in der Synagoge. Mochte ex noch so große Eile haben und mochte noch so stark in ihn gedrungen werden, er wich nicht eher aus dem nonn n^, bis auch das Gebet vollständig zu Ende war. Auf seinen Geschäftsgängen trug er stets fern kleines a’rnn bei sich und betete so, gehend oder fahrend, das ar b® cp^nn. Wo es eine msa zu thun gab, fehlte er nicht; dies Alles war er, und noch vielmehr umschloß sein reiches Herz. Unersättlich im Gutesthun, war er immer nicht zufrieden mit sich selbst. Sein ganzes Leben und Streben war nur nun v'ivv D'tpyoi mm Möge er droben seinen Lohn finden. Seine trauernden Eltern möge Gott trösten ob des herben Verlustes zweier so frommer gottseligen Söhne. Wir aber können nicht umhin, unsern Schmerz auszudrücken mit dem Rufe: xu prnvrn by Schenklengsfeld, im April 1871. Herz Spiro. ine gesetze, reinliche, iSraelitisbe Köchin wird gesucht bei M. Ransburg, in Mainz.