Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 14-15 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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*423. (Pädagogische Beilage p9lt.14u.15 des „Israelit".) xn. J°hrg. Blätter für Schule UN- Haus Mf welche Weise wird die Gehaltsaufbesserung der jüdischen Weligionslehrer zu erstrebw sein? Von M. S. Wenn im Allgemeinen der Lehrerstand seine Klagen über seine schlechte Besoldung in die Oeffentlichkeit dringen läßt, theils durch Abhandlungen in politischen und pädagogischen Blättern, theils durch Petitionen an die Landtage rc., so behalten die jüdischen Religionslehrer ihre Klagen bei sich und nur, wenn hie und da zwei gleichgesinnte Religionslehrerseelen Zusammenkommen, dann läßt man Jeremiaden ob der schlechten pecuniären Stellung in der Einsamkeit ertönen. Es darf uns deßhalb nicht wundern, wenn so mancher Religionslehrer neben seinem Schulamte noch ein anderes übernimmt, das lucrativer ist, wenn mancher Religionslehrer die Bahn des merkantilischen Lebens betritt. Was ist aber die Folge von diesen Zuständen? Die Schule wird dadurch zur Nebensache herabgedrückt, während daö neue Geschäft ohne Firma zur Hauptsache wird. Die Kinder werden vernachlässigt, Eltern und Lehrer bilden stets Opposition gegen einander und diese mißlichen Verhältnisse müssen lange Zeit fortbestehen, denn der betreffende Lehrer hat ja die Stelle definitiv übernommen. Wie sind nun diese faulen Zustände zu ändern? Palliativmittel «erden hier von keiner dauerhaften Wirkung sein, Universalmittel müssen angewendet werden, und ein solches Universalmittel ist die Gehaltsaufbesserung der jüdischen Religionslehrer. Wenn wir eine statistische Tabelle der Dotation der jüdischen Religionslehrer anfertigen würden, so fänden wir gewiß das Resultat, daß die meisten Religionslehrer ein jährliches fixes Einkommen von 250 fl. haben. Wir fragen nun die ganze Welt, ob ein Mann, der noch eine starke Familie besitzt, mit 32 3/4 kr. täglich in der civilifirten Welt ausreichen kann? Allerdings kommen noch viele Nebenverdienste hinzu; da aber solche nur von dm örtlichen Verhältnissen nnd von anderen Motiven abhängig sind, so werden solche in vielen Fällen von keiner glänzenden Natur sein. Wie ist nun diesem Uebel abzuhelfen? Wie ist die materielle Stellung des jüdischm ReligionSlehrerö zu verbeffern? Fast alle jüdische Lehrer besitzen jetzt eine pädagogische Bildung, ebenso wie ihre andersgläubigen Mitbrüder. Die neueste Zeit hat auch dem alten sog. Bachurimwesen ein Ende gemacht. Natürlich findet man noch in unserm aufgeklärten Jahrhundert manchen Unberufenen, der sich ins Schulamt schmuggelt, die falsche, unbegründete Redensart vorschützend: „Kinder unterrichten kann Jeder." Mancher unvollendete Schneider, mancher Halb-Schuhmacher läuft in das Reich der Schächter über und schwingt sich endlich zum Schulmeister empor; aber solche Eingeschmuggelte und Ueberläuser bilden immer nur ein kleines Häuflein. Nun sind in den meisten Ortschaften, wo Israeliten wohnen, solche Einrichtungen getroffen, daß die jüdischen Kinder christliche Schulen besuchen. Die Eltern macken sich keinen religiösen GewiffenSserupel daraus, ihre Kinder in solche Schulen zu schicken. Man muß es auch gestehen, daß es viele solche confesstonelle Schulen gibt, die das religiöse Gefühl der jüd. Confesston achten, indem nichts specifisch Christliches in Anwesenheit der jüdischen Schüler vorgenommen Wird. Gehen wir aber hinaus aufs platte Land, so werden die Verhältnisse anders. Die jüd. Kinder müssen ebenso im neuen Testament lesen wie die christlichen; sie müssen dieses Gelesene schreiben re. Welcher Schaden diesen zarten Kinderseelen daraus erwächst ist leicht begreiflich und gar noch in der jetzigen Zeit! Und geschieht dieses vielleicht umsonst? Nein, eS muß gut honorirt werden. Wie wäre es aber, wenn der jüdische Religionslehrer auch den profanen Unterricht übernehmen würde? Von großem Nutzen würde dieses sein. Der Gehalt deS Lehrers wird dadurch wesentlich aufgebeffert, da ihm auch diese Geldbeträge zufließen; die Jugend wird vor schädlichen Einflüffen bewahrt sein; die Kinder könnten entschieden mehr lernen. Allerdings wird zur Ausführung dieses Projektes manche Schwierigkeit zu überwinden sein, doch Ausdauer und Muth überwindet alles! Nerufsfrerrden des «Fehrerstandes. Von L. Grünstein. Jeder Stand hat sein Betrübendes, seine Schattenseiten und wandelt der Träger deffelben „nicht immer auf Rosen." Auch der Lehrstand, also die Lehrer-