Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 14-15 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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275 eine- Widerspruchs, indem sie einerseits den Tempelgottesdienst wegen der Opfer verwerfen, andererseits sich auf ihn stützen, weil sie es gerade so brauchen, und die musikalischen Instrumente als Beleg benutzen, die Zulässigkeit der Orgel zu beweisen. Auf diesen Punkt übergehend, meint Redner, es sei hinsichtlich der Orgel schwer und leicht zu sprechen. Die Orgel in einer Synagoge sei eine contradictio im adjecto. Diese Verbindung ist eine Mißheirat, als Mischehe für uns Juden unzulässig. Sie paßt nur für einen Cultus, der darnach angethan ist, vor Allem auf die Sinne zu wirken, durch farbige Fenster, Weihrauch, sentimentale schwärmerische Gefühle den Gedanken zu betäuben und in Fesseln zu schlagen, die Sinne zu benebeln; für die Bekenner dieser Confession entspreche die Orgel, nie und nimmer aber für uns Juden, die wir auch im Gebete Gott erkennen müssen, unser Gottesdienst beschränkt sich nicht aufs Gebet, sondern erstreckt sich auf Alles und Jedes im praktischen Leben. Redner weist den Vorwurf zurück, daß er in seiner früheren Gemeinde die Orgel duldete und sogar befürwortete, es sei. dies eine Unwahrheit, eine absichtliche Lüge. Im Gegentheil, er sei immer energisch dagegen aufgetreten, obwohl er bei ihr im Gebete (HildeSheim) aufgewachsen ser. Er könne daher aus Erfahrung sprechen; der eitle Vorwand, man wolle dadurch einen zahlreicheren Besuch erzielen, man handle im Interesse der Jugend und für die Zukunft, sei nichtig und bloßer Köder, denn er wisse es aus augenscheinlicher Uebexzeugung, daß in Reform-Gemeinden in Wahrheit nichts für die religiöse Erziehung der Jugend geschehe, daß auch ihre Tempel an Feiertagen leer stehm, während unsere Synagogen an gewöhnlichen Sabbaten überfüllt sind, worüber sich schon viele Ausländer lobend äußerten, und wenn wir auch Manches von Deutschland lernen könnten, so können wir bezüglich des Gottesdienstes mustergiltig sein. Redner ermahnt zur Ueberlegung und schließt mit dem Verse: abvz loy cwpa» 't;rv ivpv ny 'i. Es waren n1? nrppo 'nm, man sah es an der begeisterten und Alle begeisternden Sprache, welche die Zuhörer mit sich fortriß, so daß sie bis zum Schluffe den gediegenen Worten des Redners mit Spannung lauschten. Wien. Herr Religionslehrer Hammerschlag hielt die Directoren der Schulen in Wien davon ab, die iör. Schüler am Purim freizugeben, so daß Manche des Morgens die Megillah zu hören verhindert waren. Die Studenten sind schon an die „Mucken" dieses Hammerschlags gewöhnt. Möchte doch der Herr Professor lieber sein Augenmerk auf einen gehörigen Unterricht im Hebräischen richten! Auch dürfte er zu verhindern suchen, daß so viele Studenten öffentlich den Sabbat entweihen. Aber um Dergleichen kümmert sich der brave Mann nicht, und die Eltern sehen, hören rs von ihren Kindern und schweigen leider dazu! öfm. Ihre Majestät die Kaiserin beehrte gestern (19. d.) das Waisenhaus des israelitischen Frauenvereines mit einem Besuch. Von der Vice-Präsidentin des genannten Vereines, Frau Bischitz, und dm Ausschußfrauen ehrfurchtsvoll empfangen, besuchte die hohe Frau, begleitet von der Frau Gräfin Julius Andraffy und dem Obersthofmeister Baron Ropcfa, alle Räume der Anstalt, erkundigte sich um alle Einzelheiten, um die Verpflegung und den Unterricht der Waisen und kehrte nach einem Aufenthalt von reichlich einer halben Stunde, geleitet von Segenswünschen aller Anwesenden, nach Ofen zurück. Ihre Majestät äußerte sich beim Fortgehen durchaus befriedigt übe-' die Einrichtungen dieser Anstalt und lauschte gerührt der Ansprache eines der Waisenkinder, welchem der Auftrag geworden war, der hohen Frau einen Blumenstrauß zu überreichen. Während der Anwesenheit Ihrer Majestät in der Anstalt war die Bevölkerung auS; allen benachbarten Gaffen herbeigeeilt; laute Eljens folgten dem Wagen Ihrer Majestät. Preßburg Der Haupttreffer von 40000 fl. deS hiesigen „Poel-Zedek-Vereins" ist, wie wir schon berichtet, doch unter die Vereinsmitglieder selbst vertheilt worden. Nachdem Fr. Singer, welche dieses Loos dem Vereine geschenkt, auf jeden Anspruch verzichtet, erhielten 130 Mitglieder je 275 fl., 9 Wittwen je 1000 fl., 30 weitere Mitglieder je 30 fl. und 50 andere je 25 fl., außerdem sind 3000 fl. dem Fonde diese Vereines verblieben. Erfreulich ist es, daß diese Vertheilung meistens armen Leuten zu Gute gekommen; viele reiche Mitglieder schenkten ihren Antheil den Armen. Italien. Rom. Die officielle Zeitung von Rom veröffentlicht eine Liste der Beiträge zur Unterstützung der hiesigen Nothleidenden durch die jüngste Ueberschwemmung. Unter den größern Gaben ist auch die Summe von 600 Lire von Sir MoseS Monteflore verzeichnet. Frankreich. Paris. Das Central-Comitö der Alliance israelite universelle hat an die Präsidenten in dm einzelnen Ländern und an die Lokal-Comites folgende Zuschrift ergehen laffen: Paris, den 23. März 1871. Herr Präsident! Sie kennen die schmerzlichen Ereigniffe der sechs Monate, die verflossen sind. Die Verbindung der