Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 14-15 (5.4.1871)
- Date
- 1871-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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272 kann das brennende Haus nicht mehr verlassen, der furchtbare Tod ereilt ihn . . . Oder wenn gar die Erde, die wir als das Festeste zu betrachten gewohnt sind, anfängt zu beben, wenn die auS Stein erbauten Häuser beginnen zu schwanken und das Grab ihrer Bewohner zu werden drohen? Oder wenn die Ströme ihr Bett überfluthen und ihre Wogen senden in die Wohnungen der Menschen, ein nasses Grab? Daß wir nur einen Augenblick lang ruhig und freudig das Leben genießen können, das verdanken wir einzig und allein dem Bewußtsein, daß wir im Schutze des Höchsten leben, dem wir in jedem Augenblicke das Pfand unserer Seele wiederzugeben bereit sind. Und wenn uns als Menschen schon täglich und stündlich viele Gefahren bedrohen, so sind wir als Israeliten noch viel größeren und zahlreicheren ausgesetzt. Unsere ganze Geschichte vom Anbeginn bis zum heutigen Tage beweist das. Wa unser Volk gelitten, hat kein Volk der Erde zu leiden gehabt, aber auch kem Volk der Erde hat all die Gefahren,- all die Bedrängniß und all die Noch zu überwinden verstanden wie Israel. Noch heute, was würde aus unS werden ohne den besonder» Schutz unseres Gottes? Selbst in den gebildetsten Völkern schlummern nur die schrecklichsten Leidenschaften, die bald hier, bald dort unter allerei Gestalten hervortreten, bald in Herrenhäusern zum Ausdruck gelangen, bald in Conflstorien sich durch Rundschreiben kundgeben, bald in judenseindlichen Zeitungen zu Tage treten. Erst jüngst haben uns die Gräuel des Krieges gezeigt, wessen die Menschennatur noch immer fähig ist — suchen wir des Schutzes unseres Gottes würdig zu sein; dann brauchen wir nichts zu fürchten. Um aber des Gottesschutzes würdig zu sein, müssen wir vor allen Dingen auf unser» Gott vertrauen in allen Lagen des Lebens. Ist der des Gottesschutzes würdig, welcher fürchtet, sein und der Seinen Nahrung nicht gewinnen zu können, ohne daß er die Sabbate und die Feiertage entweicht, der so wenig seinem Gotte vertraut, daß er dessen heilige Gebote verletzt, um des Lebens Nothdurft zu erringen? Wie viele GlaubenSgenoffen haben doch in der großen, ehemals so glänzenden Hauptstadt Frankreichs immerwährend behauptet, sie könnten ihre Existenz nicht sichern ohne die Entweibung des Sabbats! Fünfzehnhundert jüdische Läden und Geschäfte waren am Sabbat geöffnet und kaum einhundert waren geschloffen. Und jetzt, haben jene Leute nicht hundertmal mehr verloren, als sie in den Sabbaten vieler Jahre gewonnen hatten? Gibt es etwas Wirksameres als Gottes Hilfe, etwas Beglückenderes als das Bewußtsein von Gottes Schutz? Da gibt es Leute, die für das Wohl ihrer Kinder zu sorgen vermeinm, wenn sie dieselben Alles lernen lasten, was für den Proderwerb nützlich sein wird — sie lasten sie aber ohne Kenntniß des Iudenthums und seiner heiligen Pflichten aufwachsen und geben sie später in Geschäfte, in welchen der Sabbat entweiht wird! Verblendete Eltern, bedauernöwerthe Kinder! Oder Andere vermeinen ihre Töchter gut zu versorgen, wenn sie dieselben an Männer geben, die sich der Religion Israels entfremdet haben! Heißt das auf Gott vertrauen, heißt das, sich des GottesschutzeS würdig machen? Kurzsichtige Menschen, die um des materiellen Wohles willen, die Zukunft ihrer Kinder und Enkel untergraben! Und können sie in materieller Beziehung ohne Zuversicht zu Gott, unserm ewigen Schützer, für die Zukunft sorgen? Ist es nicht Gott, der arm oder reich macht, und ist es nicht oft der Reichthum selbst, der des Menschen Unglück begründet im Diesseits wie im Jenseits? Hat der Reichthum irgend welchen Werth, wenn er durch Schuld erworben und anders angewendet wird, als Tugend und Pflicht es gebieten? Der Aermste aus Erden ist der leibeigene Sclave; er besitzt nicht allein Nichts von den Gütern außer ihm, er besitzt nicht einmal den eigenen Körper. Leibeigene Sclaven waren unsere Väter in Ägypten, und Gott hat uns befreit, hat uns fr« und groß und reich gemacht und hat uns emporgehoben zu Sich und hat uns beschützt die Jahrtausende hindurch. Ein sclave ist der Mensch solange er seine Freiheit von etwas Anderem erwartet denn von Gott. Nur das Gottesgesetz vermag uns die wahre Freiheit, und nur das Bewußtsein von dem besonder» Schutze Gottes vermag uns die wahrhafte Sicherheit zu geben. Wo wir auch fein mögen, sind wir bei Ihm, in j?glicher Noth und Gefahr ist Er bei uns, Er schützt. Er stützt, Er rettet uns, Er führt uns über den Tod hinaus zum ewigen Leben, seien wir nur Seines Schutzes würdig und wir können immerdar getrost der Zukunft entgegen schauen "paff, noy nnt< >3 waru* non Du bist bei mir, Dein Stab und Deine Stütze, sie werden mich trösten/ Militaria. i. Mainz. 26. März. Wir haben bereits in einem Extrablatte zu Nr. 13 den Erlaß des König!. Preuß. Kriegsministerium mitgetheilt. Wir geben im Nachstehenden unsere mit Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer in Berlin hierüber gepflogene Correspondenz. Wir richteten an den Genannten das nachfolgende Schreiben: