Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 12 (22.3.1871)
- Date
- 1871-03-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XU. Ja hrgang. Zweite Beilage z« Rr. 12 des Israelit. Aeitrrngsnachrickten und Correfpondenzen. Fran kreich. Paris. Mau erfährt, daß Herr Ernest Hendl«, Advokat, Secretär des Herrn Jules Favre, zum Präfecten in Lille ernannt worden sei. Herr Hendl« hat sehr tapfer gekämpft vor Paris in einem der Bataillone der Nationalgardk, welche eine sehr große Nolle bei der Vertheidigung der Hauptstadt gespielt. Herr Hendl« ist Cckwiegersohn des Herrn Albert Cohn. STie Nationalversammlung zahlt drei Israeliten: Die Herren Leopold Javal, Adrien Leon und Alfred Naquet. ' Der „Gauloiö", welcher kurze biographische Notizen über die Deputaten veröffentlicht, sagt von Herrn Javal: Er ist geboren den 1. Dezember 1804. Sein Vater ist der Schöpfer unserer ersten Eisenbahnlinien. Er machte den Feldzug in Algerien im Jahre 1830 mit und erwarb sich durch seine Tapferkeit die Auszeichnung der Ehrenlegion. 1852 wurde er zum Mitglied des Generalraths von Jonne erwählt, welche Position er bis 4861 inne hatte. Im gesetzgebenden Körper war er 1857, 1863 und 1869 Deputirter. Sehr ruhig auf der Tribüne weiß er die Majorität zu fesseln und behandelt «x xrok«88v die finanziellen Fragen. Er hat gegen das Gesetz der allgemeinen Sicherheit und gegen die Expedition nach Mexiko gestimmt. Zu Offiz'eren der Ehrenlegion wurden ernannt: Herr Emil LiSbonne, Ingenieur erster Klasse in der Marine; Herr Theophile Cahen, Bataillonschef des 42. Regiments der Infanterie. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt: Herr A. Boas, Ingenieur; Herr L. Worms, Fähnrich, Herr Caen, chirurgischer Hilfsmajor im 110. Bataillon. Mit der militärischen Medaille wurden dccorirt: die Heren I. David, Mobilgardist, A. Kahn, Lieutenent der Freiwilligen, A. Manass«, Unteroffizier, Salomon, Sergeant im Geniecorps, Levi Nationalgardift, Klotz, Sergeant im 10. Bataillon. (Un. Jsr.) Biroflay*) den 9. März. Gegenüber den *) Die Wahl eines Israeliten, des Herrn Ludwig Bamberg er, zum Reichstagsabgeordneten in Mainz hat hier bei einer der unterlegenen Parteien zu Auslassungen in devielfacken Beweisen der Intoleranz, die in nicht lange verflossener Zeit die Spalten der Mainzer Blätter mit unliebsamer Polemik füllten, erlaube ich mir, Ihnen davon Mittheilung zu machen, in wie herzlichem, kameradschaftlichem Verhältniß wir hier im Felde mit! unseren jüdischen Kampfgenossen stehen und den ganzen Feldzug gestanden haben. In unserer Kompagnie befinden sich zwei Israeliten, beide mit dem eisernen Kreuze decorirt, beide geliebt und geachtet von allen Kameraden, nicht nur wegen ihres unerschütterlichen Muthes vor dem Feinde, sondern auch wegen ihrer Selbstverleugnung im Ertragen aller Strapazen oes Krieges. — Unterofsiz. Bibo war während des ganzen i Feldzuges unausgesetzt bei der Kompagnie, jedem alteren tüchtigen Soldaten ein Freund, jedem jüngeren ein freundlicher, liebevoller Berather. Nicht nur sein persönlicher Muth, sondern namentlich seine allgemeine Beliebtheit wurde dadurch anerkannt, daß er bei schwierigen Unternehmungen stets zum Führer erwählt wurde. Jeder gönnt ihm die ehrenvolle und seltene Auszeichnung des eisernen Kreuzes. — Gefreiter Herzheimer wurde in der Schlacht bei Wörth verwundet, aber erst der dritte Schuß, den er empfing, konnte ihn veranlassen, das Gefecht zu verlassen. Auch ihm gebührt der Ruhm, allen Strapazen kühn die Stirn geboten zu haben; er begnügte sich nicht mit der Anerkennung, die ihm über sein Verhalten in der Schlacht bei Wörth zu Theil wurde, sondern unterwarf sich freiwillig den Strapazen des Winterfeldzuges, um auch vor Paris seinen Kameraden als Vorbild zu dienen, indem er, kaum von seinen Wunden genesen, zur Kompagnie zurückkehrte. Heute erhielt er die Decoration. Bei allen Kameraden beliebt, versieht er die Stelle eines Unteroffiziers, und seine Liebenswürdigkeit läßt keinen Neid auskommen. Sie ersehen hieraus, daß uns hier keine Religionsverschiedenheit hindert, die Verdienste Anderer anzuerkennen und in bester Eintracht zusammenzuleben. Selbst das immer noch nicht ausgestorbene, nicht zu leugnende Vorurtheil der niederen Volksklaffe geht hier im Felde auf in dem Unicum: „Wir glauben Alle an einen Gott und streiten Alle für die gerechte Sache Deutschlands." Möge nun fernerhin das einige, vorurtheilslose Zusammenleben aller Confessionen eine der Errungenschaften dieses glorreichen Krieges sein; mögen nie ren Organen Anlaß gegeben, die unsere wackere Soldaten im Felde tief geschmerzt haben. Dies zum Verständnisse des obenstehenden Schreibens für unsere auswärtigen Leser. — Redact.