Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 12 (1871)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1871)
- Date
- 1871-03-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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T XI Jahrgang. Wissrnschastliche Äeilagc m Ar. 11 -es Israelit Herwanen. Germania ist wiedererstanden, und auch die Gelehrten feiern in ihrer Weife das Auferstehungsfest von Kaiser und Reich, indem sie Hypothesen auf Hypothesen über den Ursprung des Wortes „G e rmanen" ausstellen, die aber sämmtlich von der Wahrheit noch weit entfernt sind. Wenn auch wir im Nachstehenden eine Erklärung des in Rede stehenden Wortes mittheilen, so hat dieselbe wenigstens das für sich, daß sie die ä teste und zugleich in der deutschen Gelehrtenwelt unbekannteste ist. Zn der Völkertasel der Genesis wird C. 10, V. 2 als der älteste Sobn Japhets Gomer genannt. Eine der ältesten aramäischen Uebersehungen der Bibel, der fälschlich dem Jonathan ben Usiel zugeschriebene TargumZeruschalmi nennt Germania als eins der Länder, in welchen die Nachkommen Gomer's wohnen. Daß aus „Gomer" durch eine einfache Mtthatesis Germania geworden, ist Jedem einleuchtend, welcher die hebräische Spracke kennt. Auch der babylonische Talmud (Joma f. 10) und der Talmud Zeruschalmi im ersten Abschnitte des TractatS Megillah bezeichnen Germania als den Wohnsitz der Nachkommen des Gomer. Wir können hier nicht unerwähnt lassen, daß als der älteste Sohn des Gomer in der Bibel l. c. Askenas (ijdkw) genannt wird, und daß in der jüdischen Literatur sowohl wie im Volksmunde dieser Name allgemein für Deutschland gebräuchlich ist. Die Askanier aber sind eins der ältsten, vielleicht das älteste der deutschen Dynastengeschlechter; sie herrschen noch heute in Anhalt und beherrschten vor den Hohenzvllern die Mark Brandenburg; einer von ihnen, Al brecht der Bär, oder nach Andern desien Enkel, Albrecht II., gründete Berlin. Dir Ueberreste der Burg ASkanien liegen auf dem Wolfberge bei Aschersleben, welches die jüdische Sage als die älteste Stadt Deutschland bezeichnet, indem sie behauptet, Aschersleben sei schon zu Josua's Zeiten eine mit Mauern umgebene Stadt gewesen. *) Demnach würde sich Folgendes ergeben: die Nachkommen Gomer's, nach diesem ihrem Stammvater Gomranen oder Germanen geheißen, nahmen unter Anführung des ältesten Sohnes Gomer's, des ASkenaS, *) In Aschersleben wurde deshalb früher die Megillah mn 14. und am 15. gelesen; es gibt in Deutschland nur drei Städte, von welchen dasselbe behauptet wird: Aschersleben am Harz, Xanten a. Nh. und Prag m Böhmen. ihre Wohnsitze in dem Lande, daß sie dann Germania nannten. Merkwürdig ist, daß vor 650 Jahren ein Askanier Berlin gründete, welches in unfern Tagen denn endlich zur deutschen Kaiserstadt geworden. KngcSkicheKnechtschaft der Jude« i« England oder Harket Jew. Jew’s houses. Max Müller, der sprachkundige Professor der Oxforder Universität hat bekanntlich seine kleineren Schriften unter dem Titel „Späne aus einer deutschen Werkstatt" (Chips from a German workshop) zu veröffentlichen begonnen und kürzlich den 3. Band auf den Markt gebracht. In diesem Bande nun widmet M. Müller der Frage, ob vormals Juden in Cornwallis gewohnt haben, eine eigene Abhandlung. Dieses schwer zu lösende Problem knüpft sich an die an der Spitze dieses Aufsatzes stehenden Worte an, und wir erhalten hierdurch auch ein Beispiel, auf welche Weise Fabeln entstehen. In Cornwallis werden nämlich die alten Schmelzwerke Jews houses („Judenhäuser") genannt und die Ortschaft gegenüber von St. Michaels Mount heißt noch Marazion oder Market; Jew’s („Judenmarkt.") Phantasiereiche Legendefabrikanten kamen nun auf die Idee dieses Marazion für ein hebrä scheS Wort zu halten; p'S *id „ Bitterkeit Zion'S" und brachten dies in Verbindung mit Jew’s houses und behaupteten , in jenen Schmelz- oder Hüttenwerken, den Jew's houses von Cornwallis haben Juden als Sklaven gearbeitet und deßhalb ihren Wohnort Marazion „ZionS Bitterkeit" genannt. Man wird unwillkürlich an ihre egyptischen Leidensgenossen erinnert, von denen eS heißt: -iDro rwp mraya on”n ret mon -wk ormay — *>a n« mffa miay — ^>aai D’ja^ai -psa ona nay. (Ex. I. 14.) Hören wir nun aber, wie Max Müller unsere GlaubenSgenoffen, ein zweiter Moses, aus der Knechtschaft in Cornwallis befreit. Die Form Marazion, sagt Müller, ist ganz neu; Camden nennt den Ort Merkin, Carew ihn Marcaiew, William v. Worcefter schreibt Markysyoo, Marchew und Margew; dann kommt derselbe Name 1595 als Marghastewe, 1313 als Markesion, 1309 als Mar-