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Der Israelit · 1871-03-01 · Heft 9 (1.3.1871) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 9 (1.3.1871)
Date
1871-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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171 tung des von einem Legat bezahlten Erbschaftsstempels wird zur Tagesordnung übergegangen, nachdem Äbg. Kosch die bestehende Gesetzgebung, welche nur die Sternpelfteiheit für die vom Staate aufgenommenen Kirchen kennt, nicht die der Synagogen, als eine der zahlreichen verwitterten Ruinen vezeichnet hat, welche dre Gegenwart entstellen. Denn wie weit man den Begriff „Kirche" auch ausdchnen mag, ein Gotteshaus ist die Synagoge doch jedenfalls, und sie finanziell schlechter zu behandeln als das Gotteshaus einer christlichen Consession, ist des modernen Staates nicht würdig. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der Obercommerzienrath Israel Simon (aus Hannover) hat dem Bürgermeister Vr. Felder einen Betrag von 600 fl. zum Ankauf von Holz für die Armen Wiens übergeben. Wien, 30. Januar. Es dürfte vielleicht den Lesern Ihres geschätzten Blattes nicht bekannt sein, daß ein Israelit in den Delegationen am Regierungstische sitzt und ein gemeinsames österreichisches Ministerium vertritt. Es ist dies der Fregatten Kapitän Funk. Derselbe stammt aus Proßnitz in Mähren, trat, wenn ich nicht irre, im Jahre 1848 in die Marine ein, und gelangte durch seine Tüchtigkeit zu der hohen Stellung, die er jetzt einnimmt. Er soll ein Liebling des Vize-Admirals Tegethoff sein. (Ung. iSr. Wochenschr.) Frankreich. Herr Albert Cohn zu Paris theilt uns mit, daß vom iSr. Wohlthätinkeits - Comits während der Belagerung täglich 2000 Portionen Kofcher- Effen, zu neun Zehnteln an Fremde, namentlich an die Familien der ausgewiesenen Deutschen und an in Paris sich aufhaltende Polen, unentgeltlich vertheilt wurden. Leider sind viele Todesfälle zu beklagen; namentlich starben viele Greise und Kinder, welche die ungewöhnliche Kost nicht vertragen konnten. Sofort nach Aufstellung der Belagerung hat man in Paris daran gedacht, die nmv für das herannahende NOL-Fest zu beschaffen. ES war dies namentlich deßhalb schwierig, weil Arttarrgö nur Nahrungsmittel für die nächsten Bedürfnisse, nicht aber für den April beschafft werden durften. Nichtsdestoweniger hofft man die Erlaubniß bald zu erlangen; einstweilen hat man 330 Säcke Waizen. ü 280 Pfund, verarbeiten lassen. Elf jüdische Bäcker sind bereits in voller Thätigkeit, das Mehl, das aus diesem Waizen genommen ist, in nisto zn verwandeln. Herr Albert Kohn und die Seinen befinden sich sämmtlich wohl. Dasselbe theilt uns Herr Oberrabbiner Isidor mit, der sein Schreiben mit dem Wunsche schließt: neu» pbo'i petn b2 101b» roio Dnö’ .mjni Owin mnNi nan« onwa pon o'Djn pao „Möge Gott das Zelt seines Friedens aus spannen über die ganze Erde; möge Er den Haß der Völker verschwinden laffen und pflanzen in ihrer Mitte: Liebe, Brüderlichkeit, Friede und Freundschaft." Herr S. Bloch, der Hauptredacteur des Univ. ISr., theilt unö mit, daß er seine vorzügliche Zeitschrift trotz ungeheurer Kosten im Anfänge der Belagerung noch hat erscheinen laffen Noch sind diese Nummern nicht in unsere Hände gelangt. Wir haben die vorzüglichen Publikationen des Herrn Bloch während des jüngst verflossenen Halbjahrs ungern entbehrt; wir sehnen uns danach, sein ebenso gefinnungStüchtiges wie geistvolles Journal bald wieder zu lesen. Was namentlich diejenige jüdische Bevölkerung von Paris, die sich nicht gut verproviantirt hatte und die Nicht Ne Hand ausstreckte, um zu nehmen, gelitten, kann man aus dem Nachfolgenden entnehmen. Mit Mitte Deeember hörte das frische Koscher-Fleisch gänzlich aus; ein Huhn kostete 30 Fr., eine GauS 6 > Fr., ein Ei lL/y Fr. (42 kr. oder 12 Sgr.), ei« boisseau Kartoffeln, ungefähr 50 Pfund, 30 bis 36 FrS., ein P und Butter 45 Frs. Am ^uckoth - Feste haben di.' Dünnet vollständig gefehlt. „Die jüdische W o blthätigkeit." schreibt uns Herr Bloch, hat wahrend dieser schrecklichen Zeit in Paris eine Höhe erreicht, wie si: vielleicht in der Geschichte ihres Gleichen nicht hat. Durch die Güte des Herrn N. Kahn in Egels - bach bei Darmstadt wird uns der nachstehende Brief seines im Felde stehenden Sohnes mitgecheilt: Orleans, 12. Februar. Lieber Baler! Gestern, am 11. d. M., hatten wir Israeliten der hessischen Division einen glücklichen Tag — wir waren in der Synagoge und haben gemeinsam andächtig gebetet. Der durch die Vermittelung des Herrn Rabb. Dr. Lehmann in Mainz bei der isr. Division angestellte Feldprediger, Herr Ehrmann, hat am gestrigen Sabbat die erste Predigt gehalten. Ja, geliebter Vater, der gestrige Tag war der glücklichste, den wir im ganzen Feldzug bis jetzt gehabt haben. Kein Mensch kann sich die herzinnige Freude vorstellen, die wir empfanden, da es uns vergönnt war, gemeinsam am ttnip na» mit Andacht in der Synagoge zu beten! Wir waren, sämmtliche Juden der Hess/Division, auf Antrag des Herrn Ehrmann vom Dienste befreit. Da unsere Division nicht blos hier, sondern in der weiten Umgegend vertheilt liegt, so hatten unsere jüdischen Brüder, so weit es anging, Ordre bekommen, sich schon Freitags hierherzubegeben und waren theilweise aus einer Entfernung von 6 Stunden per

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