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Der Israelit · 1871-02-22 · Heft 8 (22.2.1871) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
12 (1871)
Issue
Heft 8 (22.2.1871)
Date
1871-02-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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JS 2. (Pädagogische Beilage zu Nr. 8 des „Israelit".) XII. Jahr,. Blätter für Mule un) Haus ßonfejstonelke oder confqstonstoje Schute? (Fortsetzung.) ''V" Eine zweite Partei verlangt nach consessionsloser schule aus — sagen wir es frei heraus —- Religionslosigkeit. Man müßte sich selbst täuschen, wollte man die Thatsache leugnen, daß ein nihilistischer Zug durch unsere Zeit hindurchgeht, welcher Viele ergriffen hat, so daß bei einem nicht kleinen Bruchtheil unserer Mitmenschen ein Verlangen wie religiöser Unterricht perhorrescirt wird. In wiefern der Vorwurf begründet ist, daß der gewöhnliche Religionsunterricht dem Kinde Unverdauliches und Unverständliches biete, da er zum größten Theil im Auswendiglernen von Bibelsprüchen und unverstandenen Gesangbuchliedern bestehe, können wir nicht ermessen, da sich dieser Vorwurf nur auf den christlichen Religionsunterricht bezieht — der wahrhafte jüdische Religionsunterricht ist nicht Gedächtnißkrämerei, sondern Geiftesthätigkeit — wir lassen also diesen, von Christen dem christlichen Religionsunterricht gemachten Vorwurf unbesprochen. Aber einen andern Einwand, der noch immer mit großer Prätension gegen den cons. Religionsunterricht gemacht wird, müssen wir näher beleuchten. Ist es Täuschung oder falsch verstandene persönliche Freiheit, wenn gesagt wird, daß eine cons. religiöse Erziehung ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht, in die Gewissensfreiheit des Menschen sei, daß der Mensch, wenn er herangewachsen, sich selbst zu entscheiden habe, welcher Confession er angehören wollet Wenn dieses wahr wäre, so dürsten wir überhaupt nicht erziehen, wir dürsten nur unterrichten und zwar so objectiv wie möglich. Jeder Vater will das Beste seines Kindes, jeder Lehrer das Beste seines Zöglings, was Vater und Lehrer für das Wahre, Richtige und Heilbringende erkannt haben, dahin wollen sie auch ihre Kinder und Zöglinge führen. Unser Unterricht, unsere Erziehung ist danach angelegt, die Kinder, die uns anvertraut sind, zur sittlichen und zur Reife für die politische Freiheit zu erziehen, und wenn wir nun den Kämpfern für die oben geschilderte scrupulöse Freiheit des Gewissens und der Person zurufen wollten: Wie dürft ihr das Kind zur Freiheit erziehen, wie dürft ihr demselben zur Anseuerung und Ereiferung Beispiele von Männern vorsühren, die ihre Freiheit auch Königen gegenüber wahrten, wie dürft ihr von Perfaffungsformen sprechen u. s. w.? so würdet ihr mit Recht sagen: „Das haben wir als das wahrhaft Gute und Menschenwürdige erkannt, und in dieseni Sinne zu wirken und zu erziehen, gebietet uns unser Beruf!" und dasselbe Recht soll nicht dem jüdischen Vater und Lehrer wie dem christlichen Vater und Lehrer zugestanden werden, die ihre Religion als Wahrheit und Heil erfahren und erkannt haben? Wer sagt euch denn, daß das Kind, sich selbst überlassen, oder nicht unter eurer Leitung, sich für die Regierungsform, die ihr so hoch hinstellt, begeistert haben würde, vielleicht hätte es keine behagliche Ruhe in einer andern, welche sie auch sei, gefunden? Wir erziehen unsere Kinder für die Freiheit, unsere Erziehung zielt daraus ab, daß sie keine Heloten und keine Mameluken werden, daß ihr Freiheitsgeft'ihl und das Bewußtsein ihrer menschlichen Würde sich gegen Despotie und Absolitismus sträube, weil wir darin das Glück der Menschheit erblicken, wir erziehen sie aber auch mit denrselben Rechte und mit demselben Pflichtbewußtsein für das religiöse System, dem wir angehören, und in dem wir die Bestimmung und die Wohlfahrt des gesellschaftlichen Kreises erblicken, dem das Kind durch seine Geburt zugewiesen ist. Allerdings wollen die meisten den oben besprochenen Partei es nicht hören, daß sie keinen Religionsunterricht wollen, sie wollen nur keinen consessioneUen, wünschen hingegen einen allgemeinen Religionsunterricht. Denen geht es damit, wie jenem Manne, der einen Bauern bat, er möchte ihm einen Vogel einfangen, aber nicht Sperling, Buchfink, Drossel, Anisel, sondern einen ganz allgemeinen Vogel. Was nun schließlich der so oft gemachten Vorwurf gegen die confessionellen Schulen betrifft, daß in diesen die Kinder zum Glaubenshaß, zur Verachtung Andersgläubiger gebracht werden, so wollen wir über denselben das Urtheil eines gediegenen, vorurtheilslosen Schulmannes hören. In seinem Schulprogramm von 1870 spricht vr. F. A. Finger, Oberlehrer der mittleren Bürgerschule zu Frankfurt a. M., sich folgendermaßen überden angeführten Vorwurf aus: „Das (daß die Schule den Glaubenshaß nähre) ist eine häufig gehörte, aber völlig grundlose Behauptung. Wer sich von ihrer Grundlosigkeit bisher nicht überzeugen konnte, mag nach unserm Frankfurt kommen; da leben Juden und Christen, Katholiken und Protestanten recht friedlich nebeneinander; von Glaubenshaß oder Verachtung Andersglaubender ist keine Rede. Und wir haben seit langer Zeit confessionelle Schulen. Ich bin überzeugt, daß in keiner einzigen * i £ £ i V i

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