Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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952 Eigenthum erworben, und dem Untergang entzogen werden, dem es seit der Zeit der Nachgrabungen mehr denn je ausgesetzt ist. Man weiß, daß die Araber in der That eine Art fanatischer Eigenliebe darein setzen, alle von Europäern angestrebten Monumente zu zerstören. Herr Guerin möchte nicht, daß eine andere Nation sich die durch die Forschungen eines Franzosen erreichten Resultate aneigene. UebrigenS drängt die Zeit: das Gelüste nach diesen ehrwürdigen Resten werde mehr und mehr erwachen, und der Erstehungspreis wird im Verhältniß zur Zögerung stch steigern. Die Kommission theilt die Ueberzeugung des Herrn Guerin bezüglich der Wichtigkeit der Endeckung; sie theilt ferner seine Besorgnisse über die wahrscheinliche Steigerung des Erstehungspreises, und unterstützt seine Bemerkungen. (I. K) Hin Weitrag zum Werständniß der raMnischen Hregese. Zu den schwierigsten und am Wenigsten verständlichen Partien des Talmud und der Midraschim gehört derjenige Theil der rabbinischen Exegese, der die Worte nicht so ausfaßt, wie diese in der heiligen Schrift vorliegen, sondern sie verändert, verdreht, verrenkt, um daraus Dinge zu folgern, die dem biblischen Texte scheinbar ferne liegen. Nur die Unwissenheit und Oberflächlichkeit kann mit vornehmem Lächeln über diese manchmal so befremdende Exegese hinweggehen; wer in den Geist des Talmuds und der Midraschim eingedrungen, der weiß, das alles Willkürliche den großen Männern des Judentums fern lag. Wir begrüßen daher mit wahrhafter Freude die Erscheinung, daß hervorragende Geister in jüngster Zeit sich speciell mit dieser Art der rabbinischen Exegese beschäftigen. Da liegen uns zwei bedeutende Werke vor, von denen das eine, in diesen Blättern bereits annoncirt, den gelehrten Distr.-Rabbinen Bamberger zu Würzburg zum Verfasser hat. Da aber bereits einer unserer Mitarbeiter uns eine ausführliche Besprechung des Werkes niMO aviflrt hat, so wollen wir von diesem heute abstrahiren, und uns mit einem andern, ähnlichen beschäftigen, das uns vor einigen Monaten zugegangen. D»vvn vyi iöd ist der Titel eines vom Rabbiner zu Iareslow in Galizien, Samuel Waldberg, edirten Werkes, das, sich tief in das Wesen der hebräischen Sprache versenkend, auf die Art und Weise der mit dem Bibelworte von denRabbinen vorgenommenen Veränderungen, Licht zu werfen bemüht. Der Verfasser bringt die Verwechselung der Vokale und der Consonanten in verschiedene Klassen und weist mit vielem Scharfsinn nach, wie dieselben in dem Gerste der hebräischen Sprache begründet sind. In der That finden wir bereits in der heiligen Schrift eine große Menge von Buchstabenverstellungen; so rfrm (1. B. M. 9, 23) und note (2. B. M. 22, 8), dvd (3. B. M. 3, 7) und vdd (das. 4, 32), D^arrun (5. B. M. 25, 18) gleich D^pron nach Ansicht des Aben Esra. Am Deutlichsten geht diese Methatesis aus folgendem Verse hervor usyu »n-fc» ij pay» im n*np idw (1 B. d. Ehr. 4, 9). Wir finden aber auch Beispiele in der heiligen Schrift, daß nicht nur zwei, daß sogar drei Buchstaben in ihrer Stellung geändert werden; so nJön (Josua 13, 3) und D"in ruion (Richter 2, 9), rpr6 für nt>np (1. B. Sam. 19. 20) nach Targum Jonathan, niü ty (Psalm 9, 1) für pnj nach Aben Esra. Aber nicht allein für die Umstellung, sondern auch für die gänzliche Verwechselung und Vertauschung der Buchstaben finden wir viele Analogien in der heiligen Schrift. Indem der Verfasser nun alle diese Beispiele anführt und sie nach den Anschauungen der größten und bedeutendsten Grammatiker und Interpreten beleuchtet, wobei er auch die verschiedenen Targumim zu Hilfe nimmt, sucht er die Grundsätze festzustellen, die unsere Weisen bei ihrer hier in Rede stehenden Exegese geleitet haben. Es würde den Raum dieses Blattes überschreiten, wollten wir auch nur annähernd diese Grundsätze darlegen. Wir begnügen uns, den für gelehrte Forschung sich interessirenden Leser auf ein Werk aufmerksam gemacht zu haben, das geeignet ist, System in Dinge zu bringen, über die bisher wenig Auskunft zu finden war. Die Gelehrsamkeit, der Fleiß und der wissenschaftliche Sinn des Verfassers sind nicht genug anzuerkennen. Verantwortlicher Redacteur: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.