Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1870)
- Date
- 1870-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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934 nun saßen wir und weinten .... denn dort verlangten von uns unsere Bedränger Lieder und unsere Unterdrücker Freude!" Schmachteten wir doch damals noch unter den schmählichsten Ausnahmsgesetzen, waren doch damals noch unsere Glaubensgenossen „Schutzjuden" in den meisten deutschen Landen, durften nur im beschränktesten Maaße Eigenthum erwerben, waren in Bezug auf Niederlassung und Verheiratung in der abscheulichsten Weise behindert, waren von vielen Erwerbszweigen ausgeschlossen und lebten meistens in der größten Erniedrigung. D'ny nJPD Gepriesen sei Gott, der die Zeiten ändert! Jetzt sind wir freie Bürger eines großen, mächtigen Reiches, zu dessen Gestaltung und Verherrlichung wir in demselben Maaße beigetragen haben wie die Bekenner der andern Religionen. Und wenn euch noch heute sich mit Wehmuth füllet unser Herz und mit Thränen unser Auge, da wir Zions gedenken, so geschieht das deßbalb, weil wir den Zustand des Friedens, des Glücks und der Wohlfahrt für die ganze Welt ersehnen; und dieser Zustand, da Zank und Hader und Streit und Krieg verschwunden sein werden von der Erde, wird eintreten, wann Gott uns sendet den erhofften Erlöser, der da sammelt unsere Zerstreuten von allen Enden der Erde. Dann wird Gott allein sein unser Herr und König und Kaiser, und alle Bewohner der Erde werden sein eine Familie vor» Brüdern, die nicht mehr wider einander das Schwert erleben werden. Bis dahin aber sind wir Deutsche mit Herz und Seele, mit unserm Denken und Fühlen, mit aller unserer Kraft und allem unserm V rmögen, und freuen uns innig ob Kaiser und Reich, ob der Größe und Herrlichkeit des geliebten Vaterlandes. Kott in der Keschichte. Mainz, 13. December. III. Nachdem die Mackabäersiege die Neubegründung des jüdisches Staates ermöglicht hatten, so mußte sich dieser Staat als ein vom 'Gottesgeiste tiesdurchdrungener gestalten. In den Mackabäerkämpfen hatte es sich nicht um die Erringung oder den Schutz irdischer Güter gehandelt; die Religion Israels und damit die Existenz des jüd. Volkes war gefährdet worden; die muthige und aufopferungsvolle Abwendung der Gefahr belebte den Gottesgeist in Israels Mitte aufs Nene. Die Helden, welche mit geringer und schlechtbewaffneter Kriegerzahl die großen, mit allen Mitteln der damaligen Kriegführung ausgerüsteten Heere des Syrerkönigs schlugen, waren Helden des Glaubens, der Tugend, der Gottesfurcht b-r moon DT3 ni’ö’D mm djhm „Ruhm Gottes in ihrer Kehle und zweischneidig Schwert in ihrer Hand," und als nun der Feind wieder vertrieben war, da wurde rüstig auf dem Boden fortgeöaut, den Esra und Nechemja so herrlich zu bebauen begonnen hatten. Josua ben Parachja, Schimeon ben Schetach, Schemas«, Abtalion, Hillel Schammai und die Schulen, welche die Letztgenannten gegründet — sie wuchsen aus dem Mackabäergeiste hervor und machten die mündliche Lehre zum Gemeingute Israels. Es war eine wunderbare Zeit, die Zeit der Suggoth und Tannaim! Inmitten innerer und äußerer Kämpfe, als selbst die letzten HaSmonäerfürsten sich von Gott abgewandt und dadurch ihren Untergang herbeigeführt hatten, ja, inmitten solcher Zeiten, da Alexander JanuäuS und später Herodes fast alle Weisen in Israel tödten ließen, als der Römer die nationale Selbstständigkeit Juda's vernichtete, als Secten über Secten entstanden, von denen eine sogar bestimmt war, einen großen Theil des Erdballs zu erobern — inmitten jener furchtbaren, entsetzlichen Zeiten, da das Heiligthum unseres Gottes zerstört, das Volk des Herrn dahin-, geschlachtet, seine Städte verbrannt, seine Jünglinge und Jungfrauen zu Sclaven verkauft wurden, da römische Tyrannen: Titus, Trajan, Hadrian sich im edelsten jüdischen Blute badeten, wurde trotz alles' Ungemachs, trotz aller Widerwärtigkeiten, der ReligionSschatz Israels in beispielloser Sorgfalt bewahrt, erhalten, ausgebaut fnnm nupn) und gekräftigt. Aus den Trümmern des zerstörten Jerusalem zieht Rabbon Jochanan ben Sackai hinweg und rettet die Thora nach Jabne, und trotz des Abgrund-tiefen Schmerzes, trotz der Himmel-hohen Trauer, trotz unsagbarer Verfolgungen und Leiden, die nur zu oft mit dem Märtyrertode enden, haben die großen Männer Israels keine andere Sorge, keine andere Mühewaltung als die Thora aufs Genaueste und Sorgfälligste den Nachkommen zu erhalten. Die Geschichte keines Volkes hat Aenhlichcs aufzuweisen, und wir, wir haben kaum eine Vorstellung, einen Begriff von der Geistesgröße dieser Männer. Jerusalem und der heilige Temp l werden zerstört, die Flüsse des heiligen Landes röthen sich von dem in Bethar stromweise vergossenem, edlem, jüdischem Blute, die Helden des Volkes werden wilden Thier n in der Arena vorgeworfen oder müssen in den römischen Steinbrüchen elend verkümmern, und die Jochanan, Elieser, Josua, Gamliel, Akiba laffeu sich nicht niederschmettern von Trauer und Schmerz, lassen sichnicht einschüchteru von den römischen Tyrannen, die das Studium der Thora mit dem Tode bedrohen, und unter sichtlichem Beistände des Höchsten gelingt es ihnen, das heiligste Gut Israels zu retten aus dem allgemeinen Verfalle,