Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1870)
- Date
- 1870-12-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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930 jedenfalls (auch wenn der Friede nicht gesichert Hei* den sollte) seine letzte Mission der Art. -ES sei nur tki erwähnt, Haß Herr Pletl-ch diese Gelegenheit abermals zu Schmeicheleien niedrigster Art gegen die höchsten Personen benutzte und damit der ruhmvollen Bescheidenheit unserer Königsfamilie fast ebenso wehe that, wie seiner eigenen Menschenwürde. Daß er seine Thätigkeit zu tactlostn Ausfällen gegen unsere baierischen Bundesgenossen benutzte, die er selber zu bedauern genöthigt wurde, ist bekannt, bekannt ferner sein Tadel über Vertheilung von Liebesgaben und dergleichen; von Mißgriffen der Johanniter, wie sie andere Zeitungen meldeten, scheint ihm nichts zu Ohren gekommen zu sein. Seine sämmtlichen Briefe vom Kriegsschauplatz waren aber wieder in diesem eigenthümlich französischen Tone gehalten, der mit anmuthiger Gefälligkeit und keckem Humor, oder wie die Redaction der Voss. Ztg. sich ausdrückt mit „übermüthiger Laune," das gräßlichste und entsetzlichste in diesem mörderischen Kriege, etwa wie ein Jagdabenteuer oder wie eine Pikanterie im Orpheum geschildert. Dennoch sollten die Briefe des Herrn Pietsch das völlig erstorbene Interesse des Publikums noch einmal, wenn auch nur vorübergehend, erregen. Am 4. November erging sich Herr Pietsch in einer drei Spalten langen Excurston über die ihm begegneten Pferdejuden. Das wimmelte da von „Nasencurven," „heißt'n Geschäft," „Gott gerechter" und dergleichen mehr — und eine derartige Unterhaltung wagt Herr Lndwig Pietsch den Lesern der ältesten Zeitung der deutschen Metropole, als einen Bericht aus diesem furchtbaren Kriege, der viele Tausend Menschenopfer gekostet, zu bieten! Wir hätten am liebsten jenen Artikel hier reproducirt, wenn es uns nicht ein gewisser Ekel verböte, darauf zurückzukommen. Wehe dem Schriftsteller, der in solcher Zeit eines solchen Humors fähig ist! Was wirft Herr Pietsch jenen Pferdejuden vor? Daß sie menschenunwürdiger Weise dm Feldherren und den Soldaten tüchtig schmeicheln? Aber hat Herr Pieksch das nicht in Kriegs- und Friedenszeiten selbst göthan? Daß ste stch mit Hm Eombattantm identisieirten, ohne es zu sein — thut es Herr Pietsch nicht in jedem seiner Briefe? „Schachern und Handeln" freilich, das thun sie, ohne daß er es ihnen nachmacht, sie sehen, „wo e Geschäftche zu machen ist", sie schaffen Pferde, Kleidungsstücke , Lebensmittel nach dem Kriegsschauplatz, verdienen 500 „Prozent", aber ihre Thätigkeit noch so eigennützig, ihren Werth noch so gering angeschlagen, sie nützen doch dem Hungernden, dem Frierenden, dem seines Pferdes beraubten Cavalleristen. Kann Herr Pietsch selbst von stch sagen, in diesem Kriege auch nur den geringsten Nutzen geschafft zu haben? Im Gegentheil. Somit bleibt von seinem neuesten Angriff Nichts übrig, als die Nasencurve und — sollen wir aufrichtig sein, wir gestehen, daß uns dies der eigentliche Zweck seines Briefes zu sein scheint; nach unserm Dafürhalten wollte Herr Pietsch die Juden in ihrer Gesammtheit angreifen und wählte als Angriffspunkt diejenigen, die schwerlich ihm irgend welche Satisfication abverlangen oder ihm in anderer Weise schaden könnten. Aber Schmach und Schande dem, der in dieser Zeit in einem Organe, wie die Vossische Zeitung, den confessionellen Hader heraufbeschwört! Solche blühende Schilderungen, wie Herr Ludwig Pietsch in dem genannten Briefe entfaltet, sind durchaus malerischer Natur. Solche „Cohn undLevy" und „Abrahamsohn und Obernheim", solche krummen Beine und Nasencurven eignen sich mehr für die Malerei als für Poesie. Möge Herr Pietsch mit solchen Bildern in seiner Weise den Schlachtenruhm der deutschen Heer zu verherrlichen suchen, wie Camphausen und Bleib treu in ihrer Weise; möge Herr Pietsch die Feder wegwerfen und wieder zum Pinsel greifen, zu dem er eigentlich geschaffen ist! Berlin, November 1870. Otto Löw'enstein. ANZEIGEN. tüchtiger Talmudist, junger Mann, der namentvl> sich in D’pD'3 gut bewandert ist, sindet Engagement bei freier Station nebst 70 Thlr. pro anno. Franco - Anmeldungen mit Einsendung von Originalzeugnisfen nimmt entgegen Pyritz, December 1870. Stern, Religionslehrer. c2Ser „Israelit" Nr. 47 und 48 enthalt eine mit W. Unterzeichnete Anfrage unb Antwort. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erkläre ich hiermit, daß ich mit keinem dieser Inserate in Verbindung stehe. Altona. J 8. Wltlkower