Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1870)
- Date
- 1870-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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894 Streben dahin zielt, den bemittelten Israeliten recht viel Geld abzupressen, was ihnen am edeftett dadurch gelingt, wenn sie gegen die Armen falsche Anklagen schleudern. Leider fanden sie in dem jetzigen Vorstande der brit. Kanzlei zu Damaskus das bereitwilligste Werkzeug. Herr Burton ist eben Alles eher denn ein Consul. Er kümmerte sich seit seiner Ankunft in Damaskus nur um Baalbek, Palmyra und andere historisch wichtige Punkte Syriens, wohin er stets reist; jede amtliche Beschäftigung scheint er zu hassen. Da es aber in Damaskus mit Ausnahme der jüd. Schützlinge fast keine andere englische Protegirte gibt, so hatte Cap. B. nichts Besseres auszudenken gewußt, als der engl. Regierung den Vorschlag zu machen, allen Israeliten den Schutz zu entziehen. Hiezu mußten jedoch triftige Gründe angegeben, und zu diesen ein Anlaß g funden werden. Cap. Burton, ein weitschweifiger Schriftsteller zwar, dagegen ein mittelmäßiger Diplomat, glaubte den Ausbruch des gegenwärtigen Krieges zur Ausführung seines Planes schon um so eher benützen zu können, da er den längst erwünschten Augenblick angekommen wähnte. ein politisches Talent zu simuliren. Der ganze Vorgang in Damaskus war eine schurkische Verleumdung, die jedoch die schlimmsten Folgen für die Unsrigen haben könnte, wenn die engl. Consuln in Beirut und Damaskus nicht bald, sehr bald durch andere judenfreundliche Elemente ersetzt werden. Zn beiden Städten herrschen die Missionäre und die von denselben erkauften arabischen Christen, welche durch den Uebertritt zur protestantischen Religion die einflußreichsten Posten in den Consulaten erhalten. Ich kenne diese Herren persönlich und habe leider oft deren Haß gegen Juden constatiren müssen. Darum, Ihr Brüder in England, säumet nicht, den syrischen Glaubensgenossen auf das Wirksamste beizustehen. Lasset Euch nicht beruhigen durch bloße Versicherungen, so ernst gemeint diese sein mögen. Hier muß rasch Hilfe geschafft werden, da gerade das engl. Consulat bis jetzt md) die einzige Behörde war, welche zu jeder Zeit hie Juden gegen die Gehässigkeiten der arabischen Christen und den Fanatismus der Muhamedaner vertheidigt Hatte. Der Artikel in der „Times" steht nicht vereinzelt da; schon am 14. September d. Z. erschien in einem pqr freisinnigsten Blätder der Türkei, im „Levant Herold" (in Constantinopel gedruckt), ein Aufsatz aus Damaskus , worin den Juden geradezu porgeworfen wird, die Urheber der Gräuel von 4860 gewesen zu seim Solche aus der Feder autoristrter Personen entfließende Artikel erfüllen selbst die Europäer mit den unbegründetsten Vorurtheilen gegen unsere Glaubensgenossen. Es ist hier nicht der Ort zu politischer Controverse, sonst hätte ich dem ehemaligen Afgahnen-Osfi zier, dem vermuthlichen Verfasser des erwähnten Artikels, den Rath aegeben, nickt zu gewissenhafte Recherchen über die Urheber und Mithelfer der sechziger Revolution zu veranlassen! Wenige werden das Unglück bemessen können, das unsere Brüder in Damaskus treffen wird, wenn Cap. Burton noch länger dort als Vorstand des brit. Consulats fungirt. Schon hat er es öffentlich an der Tafel des dortigen 'Hotels ausgesprochen, daß er im Begriffe stehe, in einem Werke nachzuweisen, daß die Juden im Jahre 1840 wirklich den PeterThomas getödtet hätten!!! Darum nochmals der Aufruf an Euch, Ihr hochgestellten Männer Englands, auf, ihr Adler, Rothschild, Montefiore und Goldsmith zur Rettung einer großen, so oft schon verfolgten und fälschlich verleumdeten jüdischen Gemeinde. Wir stehen am Vorabende großer Ereignisse: der Krieg zwischen dem Russen und dem Türken, morgen kann er ausbrechen und mit ihm die schrecklichste und fanatischste ^Bewegung in Syrim. Die Christen finden überall Schutz, wer wird aber unsere an und für sich muthlosen Brüder unter seine Hut nehmen, wenn die Vertreter der freien Albionö den Haß gegen dieselben nähren? Ich erlaube mir auch, die löblichen Redartionen der Israel. Blätter Londons um das Uebertragen vorftebenden Artikels in deren gesch. Zeitschriften zu ersuchen; vielleicht wird das Interesse der englischen Zudenheit rege für eine Gemeinde , die durch ihr Alter sowohl wie durch ihre Sch cksale unsere Theilnahme im vollen Maße verdient. Sollten einflußreiLe Männer weitern Aufschluß über die Mittel zum Handeln -in dieser Angelegenheit wünschen, so bin ich gern bereit, in Privatbriefi n alles Nähere mitzutheilen, was sich an die neueste Damasker Geschichte knüpft. Ein längerer Aufenthalt in Syrien und zwar mitten unter unseren Glaubensgenossen hat es mir möglich gemacht, deren Verhältnisse und politische Beziehungen mehr als oberflächlich kennen zu lernen , und würde ich mich glücklich schätzen, wenn es mir gegönnt wäre, noch auf heimathllchern Boden Meine 'dort gemachten Erfahrungen und Beobachtungen zum Besten meiner syrischen BrÄ>er verwerthm zu können. Die löbliche Redactlvn des „Israelit" wird so freundlich sein, etwaige unter untenstehendem Namen einlaufende Briefe dem Schreiber dieser Zeilen zu übermitteln. B e n D a v i d.