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Der Israelit · 1870-11-30 · Heft 48 (30.11.1870) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 48 (30.11.1870)
Date
1870-11-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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887 Namen: Jos. Jacob Israel aus Oberrad. Dies beruht, nach eingezogener Erkundigung bei dessen Hinterbliebenen im Pfarramte, auf einem Jrrlhum. Er hieß: Johann Jacob Israel, war aus Oberrad und gehörte der lulherUcken Confessivn an. In Oberrad wohnt kein einziger Jude. M. AeitttngSVachrrchten und totief»»» dsnzen. Deutschland. Mainz, 25. Nov. Die Zahl der hier rnternirten französisch. Kriegsgefangenen ist jetzt auf 27,000 gestiegen; darunter sind 165 Juden. Diese Letzteren sind bis auf 40 als Arbeiter hier und in der Umgegend bei Israeliten untergebracht. Diese 10 isr. Kriegsgefangenen werden nicht als Arbeiter abgegeben, da sie als Dolmetscher, Aufseher rc. von den Militärbehörden selbst verwendet werden.*) □ Münch n, im November. Bekanntlich ist der Literat, vr. Juris Josef Sigl, Redakteur des „Vaterland" dahier, einer der wnthendsten Judenfeinde. Sigl hatte beim Ausbruch dieses Krieges nach Frankreich telegraphirt, daß Baiern zum Kriege kein Geld bewilligen werde und dergl. Diese Depesche wurde von den Deutschen in St. Cloud aufgefunden; Sigl ist nun des Vat e rl ands v e rraths angeklagt, und hat sein Vergehen bereits eingestanden. D Lichtenfladl Die katholische Ortschaft Lichtenstadt in Böhmen hat in ihrer Gemeindeschule einen jüdischen Lehrer angesteüt. Berlin. Vor einigen Tagen lasen wir in der hiesigen Dossischen Zeitung eine dem Charakter dieses geachteten Organs durchaus nicht angemessene, vielmehr höchst unwürdige Beschreibung, auf welche Art und Weise jüdische Lieferanten auf dem Kriegsschauplätze ihre Thätigkeit entwickelt haben sollen. Unter dem Titel „Kriegsbilder" hatte sich daselbst ein so verwerflicher im Stil und Geist des Mittelalters auftretender Hep-Hep-Ton vernehmen lassen, daß wir ihn in keinem andern Sinne erklären konnten, als zu dem Zwecke geschaffen, die Aufmerksamkeit auf unverdauliche Kriegsbilder zu lenken, die schon durch den kleinern Druck das Publikum belehrten, daß sie um Gotteslohn ausgenommen worden waren. Wir sind nun wahrlich die letztens, die dem Redacteur einer täglich erscheinenden Zeitung zumuthen könnten, alles zu lesen, was an feine Adresse gelangt, ja wir haben die Gewißheit, daß der Chef-Redacteur *) Es melden sich jedoch täglich neue. Hr. Vr. Klettke diesen unsaubern Wust nicht gelesen hat; um so auffallender muß uns deßhalb die Thätsache erscheinen, daß derselbe Correspondent einige Tage nachher als wäre gar nichts vorgefallen, seine Krieg^bilder fortsetzt. Wir sollten denken, daß der jetzige Krieg, der die schmerzlichste Trauer in so manche jüdische Familie trägt, nur zur Sühne gegen das Judenthum und dessen Bekenner auffordern könnte; statt dessen versucht man durch solche provokatorischeHallucinationen eine ganze Religionsgesellschast in den Schmutz zu ziehen. Man zeiht die Juden von liberaler Seite einer zu großen Empfindlichkeit, aber wir müssen dem Liberalismus denn dock einmal das Geständnitz machen, daß die Juden gegen die heimtückischen Nackenschläge dessen, der unter der liberalen Fahne gegen sie auftritt, vollkommne Ursache haben, empfindlich zu sein. In diesem Augenblick sogar liegt dem deutschen Volke nicht allein die Pflicht ob, solchen Nichtswürdiakeitcn gegen die Inden entgegenzutreten, sondern mehr noch gebietet es die Klugheit. Es wird uns nämlich aus der Volksstimmung des Elsaß und Lothringens berichtet, daß die Juden daselbst, die einen großen Theil der Bevölkerung ausmachen, vor allen fürchteten, daß sie ihre volle und gleichberechtigte Staatsbürger-Stellung, die sie in Frankreich zu den höchsten Staatswürden berechtigte, aufzugeben hätten, sobald sie Deutsche würden. Sie wollen durchaus nicht, wie sie sich ousdrücken, Unterthanen zweiten Grades werden. Wenn nun ein liberales Organ aus der Hauptstadt Preußens die Juden des Elsaß und Lothringens mit solchem Willkommen begrüßt, dann dürften dieselben von ihrer Meinung wahrlich auf keine leichte Werse aufzubn'ngen sein. Berlin, 16. November. Ter hiesige Vorstand hat durch Anschlag an der Synagoge den Demonstranten gegen Geiger als an Geisteskrankheit leidend bezeichnet und dies als Motiv für Unterlassung der Anklage gegen ihn angegeben. In der That ist jener nicht geisteskrank. aber der Vorstand hak den vr. Geiger wohl nicht den Bloßstellungen anssetzen wollen, die ihm bei Erhebung der Anklage nicht erspart worden wären. (J.W.) Aus WeflpHalen. Wer, wie der Unterzeichnete, die Verhältnisse und die rel. Zustände der jüdischen Gemeinde zu Bielefeld aus eigener Anschauung kennt, dem wird die ans der isr. Wochenschrift in No. 44 dieser Blätter übergegangene Nachricht, daß in B. ein Schwiegersohn des Rabbiner Dr. Geiger in Berlin an seinem Söhnchen den Akt der Beschneidung nicht habe vollziehen lassen, nicht allzusehr in Verwunderung versetzt haben. Bielefeld vor etwa 50 Jahren noch qki -ry, hatte damals nicht nur einen frommen und gelehrten Rabbiner, sondern auch

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