Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1870)
- Date
- 1870-11-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XL Jahrgang. J\§ 4T Der Israelit. Ein Henlrak - Hrgan für das orltjodore Iudenthum. Herausgegeben von Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 2 3. November 5631 (18 70). Drese Zeitung erscheint wöchentlich einmal. Mittwochs» in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. pr. C. oder fl. k. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Be» stellungen an. Inserate l*/2 Sgr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesrerreichifche Banknoten laut Cours. Directe Francozu» sendung unter Streife and p,o Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. österr. an die Exvedition franco einzusenden. Inhattr Leitende Artikel: Die alte Synagoge in Berlin und die Reformrabbinen- — Literarischer Bericht. — LeilnngsnackriLten und Correspondenzen: Deutschland: Aus dem Odenwalde. Aus Preußen. Hamburg. Stettin. - Oesterr.-Urg. Monarchie: Wien- — Holland: Rotterdam- — England: London.— Amerika: New- Bvrk. — Asie.n: Damascus- — -fenifletvn r Sarw und Ernten. Auhatt der Meitager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Fürth. Aus der bayerischen Pfalz. Mannheim. Erfurt. Italien. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Aus der Moldau. — Palästina: Jerusalem— Amerika: New-Bork. — Leitende Artikel. Die alte Synagoge in Merlin und die MesormraöLinen daselbst. Mainz, 15. November. Als der Herausgeber dieser Blätter im vorigen Sommer in Berlin war, besuchte er am Freitag- Abende die alte Synagoge in der Heidenreuter-Gasse. Wir glaubten uns in die Zeiten zurückversetzt, da wrr in Berlin studinen. Herr Oberccmtor Lichienstein erweckte, wie damals, mit seiner wundervollen, mächergreifenden Stimme zur Andacht. Gerne hätten wir auch am Sabbat-Morgen in dieser Synagoge dem Gottesdienste angewohnt; da aber hieß es: „Morgen kann man nicht hineingehen; Geigen predigt." Es war uns twe ein Stich durchs Herz. In diesen Räumen, in denen wir uns so oft an den Geist und Estmüih erhebenden, köstlichen Predigten des sel. vr. Sachs erquickt hatten, in denselben Räumen verkündigt nunmehr ein Geiger Dinge, die jedem wahrhaften I«chudi als Blasphemien erscheinen müssen! Nachdem wir am Sabbat-Morgen den Frübgottesdie, st in der Privat - Synagoge im Hause des Vr. Hildesheimer besucht hatten, begaben wir uns in das Beth-Hamidrasch, um den Vortrag des Nestors jüdischer Kanzelberedtsamkeit, des ehrwürdigen Plestner zu bör, n. Das Beth - Hamidrasch liegt in dem den Synagogenhof umschließenden Gebäude, und während wir und die übrigen zahlreichen Verehre PleßnerS uns in das Beth Hamldrasch begaben, sahen wir viele „Fromme" in die Synagoge zu Geigers Predigt gehen. n:n eyn 2b ics^n, fragten wir und mit den Worttn des Propheten, „ist denn verfettet das Herz dieses Volkes, ist taub fein Ohr, geblendet fein Auge?" Es war Paraschath Korach. Da stellt er sich nun bin, der Leugner des göttlichen Wortes, der Verhöhner der göttlichen Gebote, nennt sich Moscheb und vergleicht die Adaß Iisroel und deren Rabbmen mit der Rotte Kvrach«! Wissen denn diese Menschen nicht, daß Ge'ger dem Iudenthume ferner steht a!s der Stifter der christlichen Religion, der doch das Gottesges.'tz, den Sabbat, die Beschneidung, die Speisegefetze für seine Anhänger verbindlich erklärte, bis erst Paulus die Heiden-E'risten vom Gesetze loßsprach? Charocterniren wir einmal in kurzen Züg»n diesen Geiger.