Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 46 (16.11.1870)
- Date
- 1870-11-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XL Jahrgang. Beilage z« Nr. 46 des Israelit. Leitender Artikel. Ariefe u. Dachrichten vom Kriegsschauplätze. XXXIV. Mainz, 11. Nov. Unter den deutschen Truppen, welche am 31. August vor Metz in Gefangenschaft gerathen waren, befanden sich sechs Israeliten. Sie saßen im prison militaire und erbielten in der letzten Zeit nichts als 6 Loth Brod und 6 Loth Pferdefleisch täglich für jeden Mann. Trotz des Bemühens des Öberrabbinen von Metz wurde ihnen nicht gestattet, an den hoben Feiertagen dem Gottesdienste anzuwohnen. Einer der erwähnten Israeliten, ein Landwehrmann vom 59. Regiment, befindet sich gegenwärtig zu seiner Erholung in Mainz. StraHburg. Von einem von einer Reise nach Straßburg zurückgtkehrten Freunde erhalten wir eine haarsträubende Schilderung des Elends und der Zerstörung, welche diese schöne, wohlhabende und volkreiche Stadt erduldet hat. Es ist fast kein Haus dort, das ganz verschont geblieben wäre. Mehr als dreißig Jehudim sind während der Belagerung getödtet worden. Die Leichen wurden einstweilen im botanischen Garten beiaesetzt und konnten erst dieser Tage auf den iör. Friedhof verbracht werden. Am isr. Neujahrsfeste wagte man nickt, in die Synagoge zu gehen, weil diese den Geschossen der Belagerer zu sehr ausgesetzt war. Man miethete daher ein Local in einem Stadttheile, wohin bis dahin noch wenig Geschosse gedrungen waren. Gerade als man das Mußaphgebet beginnen wollte, fiel eine Bombe in das Haus und zerplatzte mit fürchterlichem Gekrach. Die Gemeinde stob auseinander, und an eine Fortsetzung des Gottesdienstes war nicht zu denken. Glücklicherweise war bei dieser Gelegenheit kein Menschenleben zu beklagen. — Eine jüdische Familie hatte Schutz im Keller ihres Hanfes gesucht; das HauS wurde zusammengeschossen, der Eingang zum Keller verschüttet, und die Leute hätten elendiglich umkommen müssen, wenn nicht der Keller mit dem deS Nachbarhauses durch eine zwar verschlossene Thür in Verbindung gestanden hätte; man erbrach die Thür und bahnte sich so einen Ausgang. — Der Bruder des Oberrabbiners von Straßburg, ein schwacher Mann, konnte den Aufenthalt im Keller nicht vertragen. Nach vieler Mühe erlangte man die Erlaubniß, daß er Straßburg verlassen dürfe; er siedelte nach Basel über. Gleich nach der Capitulation eilte Herr Oberrabbiner Aron nach Basel, um sich nach seinem Bruder umzusehen; er fand ihn nicht mehr; schon vier Tage zuvor war er seinem Leiden erlegen, zu dem der lange Aufenthalt im Keller den Kcim gelegt hatte. — Der Mohel. von dem wir in voriger Nummer berichteten , ist nicht auf der Straße getödtet worden, sondern in seiner Wohnung; gerade als er seinen Enkeln das Backwerk auStbeilte, das er ihnen von der nSo nna mitgebracht hatte, siel eine Bombe ins Haus, zerplatzte, und ein Splitter derselben traf ihn in die Ferse. Da ärztliche Hilfe nicht zu haben war, so starb der Unglückliche an der an sich unbedeutende Wunde. — Stündlich sahen alle Bewohner Straßburgs den Tod vor Augen. Nirgendwo Sicherheit, selbst in den stärksten Kellern nicht, da man befürchten mußte, lebendig verschüttet zu werden. — Das sind die Schrecken des Krieges; Gott gebe uns bald Frieden. XXXV. Verlustliste jüdischer Soldaten im deutschen Heere. (Aus dem „Hebrew".) Schlacht bei Saarbrücken, 6. August. Hannov. Jnf.-Reg. Nr. 77. Sec.-Lieutenant Moritz Jacobsohn *), leicht verwundet, Schuß ins Gesicht. Füs. Jacob Gompertz, schwer verwundet, Schuß in den linken Fuß. „ Heymann, vermißt. Einjähr. Freiw. Bernhardt Isidor Rothschild aus Cöln, todt. 1 Musk. Jacob Behrend aus Rodenberg, Kr. Rinteln, todt, Schuß durch den Kopf. „ Paul Misch aus Gohrau, schwer verwundet, Sckuß in den rechten Oberschenkel. Einjäkr. Freiw. Gefreiter Eduard Jacob aus Catania in Sicilien, leicht verwundet. „ Gefr. Moritz Joseph aus Weidmar, Kreis Bochum, vermißt. Füs. Abraham aus Neuenahr, schwer verwundet, Schuß in die Sckulter. Hohen;. Füsilier-Reg. Nr. 40. Füs. Jacob Naumann aus Saalfeld, schwer verwundet, Schuß in die Kniescheibe. Unteroffizier Philipp Philippi aus Linz, schwer verw., Schuß in die linke Seite. *) Anm. der Red.: Es ist das derselbe, von dem wir mitth eilten, daß er auf dem Schlachtselde zum Offizier befördert worden. Herr Lieutenant I. ist vollkommen genesen und bereits wieder seit längerer Zeit bei seinem Regiments