Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1870)
- Date
- 1870-11-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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■—ui in ui i iilim SIS den sich sechs jüdische Offiziere, aber nur zwei isr. Pyldaten. Als nach und nach in Folge der weiteren Siege tzer Deutschen und der Capitulation mehrerer Festungen die Zahl der hier untergebrachten Kriegsgefangenen auf 13,000 stieg, waren im Ganzen doch Nur 4 isr. Soldaten (1 Sergeant und 3 Gemeine) darunter. Seit einigen Wochen ist es Privaten gestattet, die kriegsgefangenen Soldaten in Arbeit zu nehmen. In Folge dessen haben wir denn auch diese vier Soldaten bei Glaubensgenossen untergebracht, wo es ihnen möglich ist, ihrem Wunsche g e-m Lß, dem jüdischen Religionsgefetze entsprechend zu leben. Plötzlich hat sich das nummerische VerhLltniß der Israeliten in ganz bedeutender Weise geändert. Am 26. October wurde die Garnison von SchleListadt hier eingebracht. Unter diesen 2400 Mann befinden sich hundertundzwanzig Israeliten. Auch diese bei Glaubensgenossen unterzubringen, haben wir unter göttlichem Beistände begonnen. Es stellen sich dem allerdings unsägliche Schwierigkeiten entgegen, zumal da die Meisten Handelsleute und anderer Arbeit ungewohnt sind. Doch wird es unter göttlichem Beistand gelingen. Von den Capitulanten von Metz sollen 15,000 hierherkommen. Wie viele Israeliten werden sich unter diesen befinden? JsttrrngsnachrLchten und Corresporr -enzem. Deutschland. Berlin, 25. Oct. Der praktische Arzt Dr. Saulmann, der jüdischen Confessio» angehörend, hat ebenfalls das eiserne Kreuz erhalten Die Zeitungen bringen die Ernennung des Gerichtsassessors Herrn Lasker zum Rechtsanwalt bei dem hiesigen Stadtgericht, und zugleich zum Notar im Departement des Kammergerichts, mit Anweisung selneS Wohnsitzes in Berlin — Wie wir hören wird seine.'parlamentarische Wirksamkeit in keiner. Weise eine Einschränkung erleiden. — Merkwürdigerweise fallt die Ernennung deS Herrn Lasker zum Rechtsanwalt, mit dem zwölfjährigen Ablauf seines Assessorats zusammen. Der berühmte Bluntschli, Stagtsrath und Professor in Heidelberg in seinem.Staatswörterbuch (Nachtrag) unter Batzen, in Bezug auf Bevölkerung, äußert' sich folgendermaßen: „ES ist beachtenswerth, daß die Sterblichkeit der Kinder bei den Israeliten im ersten Jahre auffallend geringer ist 17, 50°/0 als bei der christlichen Bevölkerung. Ebenso unterscheiden sich die Consessionen der ehelichen und unehelichen Geburten, uyd offenbar stehen beide Erscheinungen im inneren Zusammenhang, indem die Sterblichkeit dev unehelichen Kinder wert größer ist, als die der ehelichen. Bei Katholiken sind 17, 46% der Geb. unehelich hei Protest. sind 15, 71% der „ bei Israel. sind 1, 59% der „ „ Es ist das ein sicherer Beweis, daß Familienzucht und Familiensorge bei den Israeliten strenger und sorgfältiger sind, als durchschnittlich bei den Christen — Israeliten zählte Baden 1668 — 25,234 Einwohner. Wer gedenket nicht hierbei der Worte der heiligen Schrift 5. B. M. Kap. 4, V. 6. So bewahret und thuet sie; denn das ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker, welche alle diese Satzungen vernehmen und sprechen werden: Nur eine weise und einsichtige Nation ist dieses große Volk. Als vor einigen Wochen die verschiedensten politischen Zeitungen, sogar die Kreuzzeitung, der Feier des heiligen Jom Kippur am 5. October 1870 -unter dem freien Gotteshimmel, unmittelbar vor den Mauern der Festung Metz gedachten, da war es die wahrhaft humane Form, in welcher solche geschildert worden, die unserm Gemüthe unendlich wohl that. — Wir vermißten zur fteudigsten Genugthuung selbst in der Kreuzzeitung, das überzuckerte, und mit der Essenz der duftendsten Schwärmerei durchtränkte Rischus, welches sie sonst gegen das Haus „Israel" in Anwendung zu bringen pflegt. — Eine Schilderung dieser Jom Kippur-Feier finden wir aber in einer hiesigen politischen Zeitung;, wir zweifeln nicht, daß wenn wir solche in diesen Blättern mittheilen, sie in den Gemüthern Mancher, einen Anklang finden dürfte; wir machen gleichzeitig die Bemerkung, daß für die christlichen Leser eine kleine Erklärung, der in christlichen Kreisen unbekannten jüdischen Ausdrücke stattfand. Jom Kippur vor Metz 1870. Vor Metz im Kriegeslager im Abend-Sonnenschein. Da traten deutsche Krieger aus den geschloff'nen Rcih'n, Marschirten froh und muthig bergab in's heit're Thal, Zn ernster Festesstimmung, 1200 an der Zahl. Und Einer kommandirte, die Andern folgten gern. Es galt ja das Commando dem Ew'gen, unserm „ rr Herren, Dre Waffen all, sie wurden, zusammen jetzt gestellt. Durch kleine Blendlaternen, der weite Platz erhellt. Ein Omed ward errichtet, auf einem großen Stein; Ein Hügel für die Thora, es sollt die Lade sein. Der Hügel ward bedecket, mit wollenem Gewand, An einem Pfahl ein Flämmchen, als ew'ge Lampe brannt, Hier aus des Platzes Mitte, ein wenig nur erhöht. Mit einem Seil umzogen, auch das Almemor steht. Und als es nunmehr dunkelt, drei Krieger treten vor; Das ernste Werk der Sühne, verkünden sie im Chor. Ein Andrer tritt rum Omed, Kol Nidre hebt er an. Die jüdischen Soldaten, sie folgen Mann für Mann,