Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1870-11-02 · Heft 44 (2.11.1870) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
11 (1870)
Issue
Heft 44 (2.11.1870)
Date
1870-11-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447447-2447490--08778-2464442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XI. Jahrgang. Beilage z« Nr. 44 des Israelit. Leitender Artikel. Mriefe rr. Nachrichten vom Kriegsschauplätze. XXVIII. Die „Jsr. Wochenschr." berichtet, daß die israel. Bewohner von Ars sur Moselle sich geweigert hätten, mit den israelitischen Soldaten am Rosch Haschanah zusammen zu beten, im Widerspruche mit dem uns zugegangenen Berichte, datirt Darmstadt rc. Die „Jsr. Wochenschr." ersucht uns, die Wahrheit womöglich zu eruiren, da ihr auch andererseits das Benehmen der französischen Juden gegen deutsche Glaubensgenossen als ein unangemessenes geschildert wird. Die Sache scheint uns nicht der Mühe werth. Was jedoch das Benehmen der französ. Juden gegen deutsche Glaubensgenossen betrifft, so sind uns derartige Klagen, wie sie die „Jsr. Wochenschr." berichtet, nicht zu Ohren oder zu Gesichte gekommen. Wir haben Hunderte von Briefen an uns und Andere, gelesen, wir haben eine Menge Leute gesprochen, Combattanten, Lieferanten, Geschäftsleute, Touristen, die vom Kriegsschauplätze zurückkehrten, Niemand hat uns so grave Dinge von unfern Brüdern in Frankreich berichtet, wie der Correspondent der „Jsr. Wochenschr." aus „Süddeutschland" sie auftischt. Alle stimmen zwar darin überein, daß die französischen Juden ihrem Vaterlande sehr warm zugethan sind, aber Keiner hat uns mitgetheilt, daß er „deutscher Hund" genannt worden oder daß ihm in jüdischen Restaurationen das Essen gegen Bezahlung verweigert worden sei. Dagegen haben wir von einem aus dem Felde zurückgekehrten Soldaten Folgendes gehört: „Es war," so erzählte derselbe, „nach der Erstürmung von Weißenburg. Unser Regiment (das 87ste) und ich mit ihm, wir hatten eine Riesenarbeit vollbracht; ich war halbtodt vor Hunger, Durst und Ermüdung. Als ich nach Soultz kam, schleppte ich mich von Haus zu Haus; alle Häuser waren überfüllt mit unfern Truppen; ich hätte meine ganze reich gespickte Börse für ein Stückchen Brod gegeben. Endlich kam ich in ein Haus, das, wie mich die Mesusoth an den Thürpfosten belehrten, von GlanbenSgenoffen bewohnt fein mußte. Es waren schon 40 bis 50 der Unsrigen darin. Der Hausherr kam mir entgegen; ich bat um ein Stückchen Brod, „Ihre Kameraden haben schon Alles aufgezehrt," antwortete Jener. Da sagte ich ihm, daß ich ein Bar Jisroel und vor Hunger und Erschöpfung dem Tode nahe sei Der I Mann führte mich darauf in sein Schlafzimmer, schloß seinen wohlverwahrten eisernen Geldsckrank auf I und holte ein halbes Brod und ein Fläschchen mit Branntwein heraus. „Da, essen und trinken Sie," sagte er. ,,DaS hatte ich für mich und die Meinen in Sicherheit gebracht; Gott wird uns helfen." Es mag wohl immerhin einige französische Juden geben, deren Deutschenhaß alles Maaß überschreitet; aber von einzelnen Fällen auf das Allgemeine zu schließen, dazu ist man nicht berechtigt. XXIX. Opfenbach a. M., 23. Oktober. Herr Gustav Bial, ein gebildeter, isr. junger Mann aus Schweidnitz in Schlesien, welcher ein'ge Jahre in dem Geschäfte der Firma Bial und Heck dahier als Commis servirte und sich während dessen durch Intelligenz auszeichnete, trat in die Großh. Hess. Division, um seiner Militärpflicht zu genügen. Nach dem Inhalte folgenden Auszugs aus einem seiner an einen Freund dahier gerichteten Schreiben, ää. Gorze 16. Oct., muß er auch auf dem Schlachtfelde sich rühmlich hervorgethan haben, da er dort als Anerkennung mit dem „eisernen Kreuz" decorirt worden. Herr Bial schreibt nämlich: „Meine gestrige Karte hoffe in Deinem Besitz und wirst Du daraus ersehen haben, daß ich durch Gottes Hilfe eine der größten militärischen Ehren erhalten habe, das „eiserne Kreuz II. Classe". Es ist dies für mich, wie Du Dir leicht denken kannst, eine Auszeichnung, die unschätzbar ist; um so mehr, da sie bei der Vertheilung durch den Brigade - Commandeur mir für „persönliche Tapferkeit und Umsicht in schwierigen Lagen" ertheilt wurde, was bei den Anderen nicht der Fall war. Die Erzählung der speciellen Abenteuer muß ich, wie schon früher gesagt, aufschieben, bis Gott mich wieder zu Euch führt; dann höret Ihr sie ausführlich. Die Ueberreichung geschah in feierlicher Weise durch den Brigade-Commandeur mit Stab und den Regiments - Offizieren. Nachmittags gratulirten natürlich die Kameraden der Compagnie, auch sämmtliche Offiziere. Soeben, d. h. vor einer Stunde, war Vorstellung beim Prinzen Ludwig. Er war sehr freundlich, erkundigte sich nack Namen, Geburtsort rc. und gab Jedem von uns die Hand." Rodenberg, den 20. Oktober. Leider hat auch in unserer Gemeinde die Kriegsfurie ihre Opfer gefordert. Zwei hoffnungsvolle Söhne des hiesigen Vorstehers, Herrn Abraham Wehrend, sind von fran-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.