Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1870)
- Date
- 1870-10-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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XL Jahrgang. Beilage;a Nr. 43 des Israelit. Leitende Artikel. Literarische Berichte. Memoiren eines jüdischen Seminaristen. Zur Würdigung des Breslauer jüd. - theol. Seminars. Herausgegeben von Ad vlph Ko Hut. Prag 1870. Wenn wir dem vorliegenden Schriftchen in diesen Blättern eine Besprechung widmm, so geschieht es lediglich desbalb, weil wir dem Verfasser, der einst Mitarbeiter an unserer Zeitschrift gewesen, öffentlich unser tiefes Bedauern aussprechen wollen, ihn auf Abwege gerathen zu sehen. Die Welt weiß, daß wir in religiöser Beziehung mit dem Breslauer Seminar und seiner Richtung durchaus nicht harmoniren; aber es erfüllt uns mit tiefer Betrübniß, daß Jemand, der einst an unserer Zeitschrift mitwirkte, sich von blinder Leidenschaft derart Hinreißen läßt, daß er achtungswerthe Männer und Frauen mit dem ekelhaftesten Kothe bewirft. Die Portraits, die in diesen Memoiren von dem Direktor Frankel, seiner Gattin, den Seminarlehreiu Grätz, Freudenthal, Rosin, Zuckermann, von den ehemaligen Seminaristen G üd emann, Rahmer rc. entworfen werden, sind so gräßliche Carricaturen, wie sie die Zeichner des „Kladderadatsch" und der „Fliegenden Blätter" kaum jemals geschaffen haben. Derselbe Adolph Kohut, der vor wenigen Monaten eine Erklärung gegen Herrn vr. N a f ch e r in Berlin in diesen Blättern erlassen, erhebt in dem vorliegenden. Schriftchen den Genannten in den Himmel. Wahrlich, eine glänzende Rechtfertigung für die in diesen Memoiren mit Koth beworfenen Herren! Die Angegriffenen bedürfen gegen solche Angriffe der Verteidigung nicht. Wir wollen hiemit nur unfern tiefsten Abscheu vor dieser Art von Polemik aussprechen. Klänge aus Böhmen, Zeitgedichte von Martin Pereles. Zweite Auflage. Leipzig, bei Heinrich Mathes. 1870. Der Verfasser stellt sich uns auf S. 78 als Glaubens- und Stammesgenoffen dar. „Mein Ahne David schlug den Goliath, „Mein Stammbaum reicht zur Arch' von Ararat, „Mein Stamm der „Levis" ist das älteste Geschlecht, „Meine Altvordern wahrten Sitte, Recht, „Zu uns sprach Gott einst aus der Sinaiw olke." Der Hauptheil des Buches lehnt sich an Alfred Meißner's ZiSka an. Die Gedichte sind sehr formgewandt geschrieben und sind reich an guten und schönen Gedanken. Wir laffen hier eins derselben als Probe folgen: Eine kleine Familiengeschichte. ES gibt ein Reich, Dem keines gleich Auf dem ganzen Erdenkreise D'rin herrscht und thront, Bestraft und lohnt Ein König mild und weise. Er spricht, und sein Gebot Geht über Land und Meer, Wie eine Flamme, So hoch und hehr. Nichts in der Welt Ist so gestellt. Daß nicht sein Spruch, Segen oder Fluch In Näh' und Ferne Es träft in seines Wesens Kerne. Der König hat ein hold Gemahl, Gar sanft und gut, Die sitzt zur Seit' ihm allzumal. Es rinnet ein gar edles Blut, Durch ihre Adern, durch ihr Mark Das macht ihr Herz und Sinne stark, Gibt Kraft ihr, feste Zuversicht Und läßt in mildem Zauberlicht Gar wunderlieblich, süß und rein Sie prangen wie ein Edelstein. Der beiden Gatten Unterpfand, DaS Pfand von ihrer Lieb und Treu, Das fest und innig sie verband Und ewig bindet sie aus's Neu', Das ist —: ihr engellieblich Kind Das tändelnd wie ein Frühlingswind, Leicht und geschwind Herüber und hinüber webt, Das Leben träumt, den Traum — erlebt. — Wohlan! Wohlauf! — so ruft es kühn — O lauschet meinem Munde. Von allen Blumen, die da blühn, Aus Bergeshöh'n, im Waldesgrün Und in des Thales Grunde,