Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 11 (1870)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1870)
- Date
- 1870-10-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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775 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. § Würzsurg, im Oktober. Auf Verwendung des Herrn DistrictsrabbinerS S. B. Bamberger dahier erhielten die hier in Garnison liegenden jüd. Soldaten am verflossenen "zn und n"“> sowie für bevorstehenden hdid vollständige Dienstbefreiung. *) Ebenso wurde auf gleiche Verwendung bewirkt, daß den dahier gefangenen jüd. Franzosen der Synagogenbesuch gestattet wurde. Seit gestern nun wurde auf Antrag des Herrn Rabbiners B. beim hiesigen Stadtcommandanten, Herrn Generalmajor von Lutz, auch gestattet, daß den französischen Gefangenen Koscherbeköstigung in die Festung gebracht werde. Während der Kriegsdauer hat die hiesige Gemeinde die Beköstigung der jüd. Soldaten (30—40) für eigene Rechnung übernommen. Am Schlüsse dieses Schuljahres bestanden wiederum an der hiesigen israel. Lehrerbildungsanstalt neun Zöglinge die Austrittsprüfung; dieselben sind bereits sämmtlich sehr gut placirt. Ende dieses Monats findet wiederum Aufnahmsprüfung an dieser Anstalt statt, worüber ich Ihnen s. Z. berichten werde. Fürth, im Tischri. Als ein Zeichen für die Gleichberechtigung der Culte in Bayern verdient hervorgehoben zu werden, daß die hiesige Handelsschule die Aufnahme neuer Schüler und den Wiederbeginn des Unterrichts wegen der israel. Feiertage erst am 19. October vornimmt, obwohl das Schuljahr mit dem 1. October beginnt. Zu dieser Maßregel hatte die königl. Regierung vorher ihre Einwilligung gege-- ben. Um so mehr ist zu bedauern, wenn von jüdischer Seite (!) selbst gegen solche Anordnungen agitirt wird, wie in einem hiesigen Localblatte geschehen. Man kann solches Gebühren nicht anders als mit dem Namen „blinder Fanatismus" bezeichnen, da es jedem Ueberlegenden sofort einleuchten muß, daß von pädagogischem Standpunkte bemeldete Anordnung nur gebilligt werden kann, indem durch das häufige Fernbleiben von der Schule — besonders kurz nach Beginn eines neuen Schuljahres — außer der Hemmung im Unterricht eine Nachlässigkeit und Gleichgiltigkeit im Schulbesuche hervorgerufen wird. Natürlich *) Für Friedenszeiten erwirkte Herr Rabbiner Bamberger bereits vor enca 10 Jahren die Befreiung der Soldaten am Sabbat und an Festtagen beim allerh. k. b. Kriegsministerium. hat sich das Rectorat nicht weiter daran gestört; eS hat bei der wie gewöhnlich am 1. October stattgehabten Aufnahme auch nicht einen Juden zu verzeichnen gehabt und wird vielmehr deren Anmeldungen erst am 19. entgegennehmen. Da ich einmal von hiesiger Handelsschule berichte, so füge ich noch bei, daß diese Anstalt stets vonsehr vielen Juden frequentirt wird und daß einige Jahre das Rectorat in den Händen eines Juden war, nach dessen Abgänge dieses zwar einem länger daselbst wirkenden christlichen Lehrer, die Lehrstelle für Handels- Wissenschaft aber wiederum einem Juden übertragen wurde. Der Religionsunterricht wird dem Gesetze gemäß den Israeliten der Anstalt von dem Religionslehrer der jüd. Gemeinde ertheilt. So erfreulich nun diese Wahrnehmungen im Allgemeinen sind, um so größer muß das Bedauern sein, wenn man weiß, daß der Religionsunterricht sich lediglich auf systematische Religionslehre und biblische resp. jüdische Geschichte beschränkt, daß aber von den jüd. Lehrern dem nittf der Schüler durch Schreiben und dergl. nicht gesteuert, ja indirect dazu angeleitet wird. Wie fast nach allen Orten sind auch hierher Verwundete gebracht worden; in das jüdische Hospital find 6 ausgenommen worden; sie werden auf Kosten der Gemeinde behandelt und verpflegt. Es sind keine Juden darunter; der Allgnädige gebe ihnen bald Besserung, sowie allen Bewohnern unseres Vater- und Nachbarlandes den so heiß ersehnten Frieden. Berlin, 6. October. Am 28. Ellul Abends (Freitag am 23. Sept.) fand eine erhebende Feier statt. Sie galt der Einweihung der Synagoge der Adaß Jisroel. Nachdem der Minchah - Gottesdienst bei dem Rabbiner Dr. Hildesheimer abgehalten worden , begaben sich die Gemeindemitglieder zur neuen Synagoge, welche in edler Einfachheit hergestellt, einen > freundlichen Anblick gewährt; ein kleiner Thurm, von einem Mögen Dovid gekrönt, befindet sich oberhalb derselben. Drei Gaskronen, zwei Candelaber zur Seite der Bundeslade, und verschiedene kleine Gasarme bewirken eine glänzende Beleuchtung. Der Aron Hakodesch war mit Blumenguirlanden geschmückt. Die Versammlung selbst bot einen festlichen Anblick dar. Nach einem höchst einfachen Programm fand die Einweihung statt. Die Psalmen 122 und 24 wurden recitirt und die feierlichen Umgänge mit den Thora's vorgenommen. Darauf bestieg tiefergriffen unser Rabbiner die Kanzel, die Rede desselben wußte sich in die Herzen der Anwesenden Eingang zu bahnen; unmöglich ist es uns, den Inhalt derselben wiederzugeben, denn sie bot eine unendlich reiche Fülle dar,